Geschichten:Seeschlangenvater und Gigantensohn

Aus GaretienWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Festung Sturmfels, Praios 1043 BF

Der 1043. Götterlauf seit dem Fall des tausendtürmigen Bosparans ward gekommen, Perricum rumorte, stampfte, verschnaufte und heulte erneut auf und das Jahresorakel in Gareth verkündete noch mehr Blut. All das flüsterte ihm der Berg, ein Flüstern, dass sich zum Grollen erheben würde. Ein Vorbote dessen stand nun zu Füßen des massiven, steinernen Throns des Herrn vom Sturmfels - der Seneschall höchst persönlich. Er wirkte beinahe klein dort, doch konnte dies nicht über seine Präsenz hinweg täuschen, denn als Diener des Landes und Zeuge Korgonds Ucurian jene die im Geiste des Landes handelten. Doch der Seneschall war noch mehr als das, beinahe 30 Götterläufe diente er dem Land und war somit ein Streiter der alten Tage und ihrer Werte und Götter und doch war er präsent auch in der jetzigen Zeit. Ein Gigant zweier Welten, befand der Herr auf dem Sturmfels und empfand den Rabicumer nun doch viel größer, nicht nur weil er noch einige der Stufen zum Thron hinauf erklommen hatte.

Stolz stand er da in seiner glänzenden, in seinem feinen blauen Überwurf und der altertümlichen Rüstung mit den Schlangenköpfen an den Schultern - nahezu allein, sein Gefolge war vor der Tür geblieben, er verbeugte sich angemessen vor Ucurian: "Euer Hochgeboren, Herr und Diener auf dem Sturmfels, Gigantensohn, Getreuer des Landes Perricum zu sein.", eröffnete der Baron von Bergthann elegant und vollführte eine bedeutende Geste als er vom Land Perricum sprach. "Ich komme als höchster Vertreter des Markgrafen um selbst Zeuge zu sein von eurem Bund mit dem Giganten, dem Land und den Göttern. Und wie meine Augen erblicken scheinen all die Geschichten wahr, die jetzt schon um Euch kursieren."

"Genug der großen Worte, Euer Hoch(wohl)geboren. Solch Dinge haben ihren Wert im Tal, ich weiß, doch hier möcht ich mit euch sprechen wie die Diener des Landes es tun - wahrhaftig und offen, auch wenn ihr ein behänder Redner seid.", grollte der bärtige, junge Baron von seinem Thron, der wie es hieß aus der Spitze eines Berges heraus geformt worden war, um die herum die Festung errichtet worden war. "Ich freue mich, dass ein geschäftiger und wichtiger Mann wie ihr einen wahrlich weiten Weg auf euch genommen habt, in Zeiten wie diesen. Das zollt mir, aber vorallem Sturmfels großen Respekt."

Der Seneschall trat noch einen Schritt näher, mit der großen und langjährigen Erfahrung und Sicherheit eines altgedienten Diplomaten, nun waren sie fast auf Augenhöhe. Der Sturmfelser hatte tatsächlich - auch nach erst so kurzer Zeit als Herr des der Baronie - etwas von einem grummeligen Zwerg oder gar einem wahrhaftigen Troll. Wie man Zordan berichtet hatte, das Land, der Berg begann den Baron tatsächlich zu verändern. Stark wirkte er, trotzig und auf eine natürliche Weise herrschaftlich. "Einen Respekt den sich eure Position und diese altehrwüdige Baronie auch verdient haben, Euer Hochgeboren, man berichtete mir, dass man schon seit Generationen keinen sah, der dem Giganten so trotzte und seine Prüfungen so meisterte wie Ihr, das Land und die Götter waren dem Zeuge. Weder die letzten Alriks vom Sturmfels und auch nicht eure Schwertmutter, die letztlich wohl dafür vom Giganten gedacht war um Euch hier heran zuziehen. Als Bote des Gigantenlandes, so wie Euer Name es wohl schon wusste, bevor ihr mit dem Fuchsrudel zogt."

Als das Wort auf seine Schwertmutter fiel, wirkte der Bergbaron zerknirscht und man meinte beinahe Steine aufeinander reiben hören zu können, doch bevor diese einen Erdrutsch auslösen konnten, stand Ucurian auf und trat herunter zum Seneschall, beide waren etwa gleich groß, auch wenn Ucurian in den letzten Monaten noch einmal gehörig gewachsen war und der Schmerz in seinen Muskeln nicht von einem Ende dessen sprach.

"Folgt mir doch, Euer Hoch(wohl)geboren." flüsterte Ucurian rieselnd und der Seneschall begleitete ihn zu einem Balkon ganz in der nähe. Der Blick war atemberaubend, von hier aus blickte man über die Felsformationen des Walls und des Sturmfels bis tief in Tal hinein.

"Ich überlege die Wand hinter uns einzureissen und stattdessen mit Säulen zu stützen, geschlagen aus dem massivsten Stein des Walls, auf dass ich von meinem Thron hier hinab blicken kann und mich der Anblick immer meiner Gegenwart erinnert, ebenso meiner Vergangenheit und mich gewahr für die Zukunft macht. Das was Ihr sagtet schmeichelt mir und ich weiss das sollte es nicht in dem Maße. Meine Schwertmutter erkennt mich nicht mehr und ich erkenne sie nicht mehr, vielleicht weil sie eben das war, als das Ihr sie bezeichnet habt, sie sollte mir den Weg ebnen, dafür bin ich dankbar, mehr aber auch nicht. Ich lernte ebensoviel an der Seite des großfürstlichen Fuchses, der mir Sichtweisen schenkte, die die Lehren meiner Schwertmutter vertieften. Letztendlich bin ich daraus erwachsen, das Leben in der Au, dem Land der Märtyrer und ihrer Schwerter, meine Knappenzeit hier am Herzen des Giganten und meine Reise mit dem Prinz Sigman. Und all dies führte mich hier her."

Zordan hörte dem Mann zu, dessen junges Alter man ihm nun wieder anmerkte, väterlich legte er dem melancholischen Gigantensohn die rechte Hand auf die Schulter und schaute selbst ins Tal hinunter, während er fest sprach:"Ucurian von Sturmfels, Gigantensohn rufen sie Euch. Und mit Giganten seid ihr gewandert, aber nun seit Ihr selbst zum Giganten gereift und Ihr herrscht über und dient dieser Pracht dort." Der Seneschall ließ seinen linken Arm über den Anblick schweifen. "Es ist Zeit sich also von alten Banden zu lösen und Euren eigenen Weg einzuschlagen. Das Land hier oben braucht Euch, gerade weil es zuletzt erschüttert wurde. Ihr sollt der iserne Wächter hier sein, für Götter, Land und Markgrafschaft, auf das kein Zwist mehr die Höhen des Perricumer Walls erschüttern möge. Es liegt an Euch, der Markgraf sieht großes in Euch, ICH sehe großes in Euch, ich erkenne Eure Gestalt und Eure Bürde und ich weiß, dass eure Schultern sie tragen werden - wie der Sturmfels eure Schritte."

Ucurian lauschte den Worten des erfahrenen Mannes, kurz dachte er an seinen Vater, seine Mutter. Die worte schmeichelten ihm nicht, sie forderten ihn und erkannten ihn an. Er war der Wächter auf dem Wall und dieser rief ihn, er würde sich dem nicht länger entziehen. Es war seine Aufgabe, für das Perricumer Land würde er über alles erhaben sein. Er war der Herr auf dem Sturmfels, ein Diener des Landes das sie dort unten sahen. Der Seneschall hatte recht.

Noch eine Weile standen sie so da, dann zogen sie sich zurück zu weitergehenden Gesprächen.