Seelensuche – Gold, Blut & Tobrier

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Hochnjerburg, Königlich Neerbusch, Anfang Boron 1040 BF:

Leomar von Zweifelfels saß auf dem Thron der Vögte von Neerbusch, flankiert von seinen beiden Höllenwaller Bluthunden, die seelenruhig neben ihm schlummerten. An seiner Seite, wie so oft, sein Gefährte Edorian von Feenwasser. Grimmig blickte er zu den beiden Frauen die vor ihm standen.

Betreten sahen Kastellanin Thalia Elida von Feenwasser und Kämmerin Algerte von Rossenrück zu Boden. Sie wussten, das was sie Kronvogt Leomar zu sagen hatten, würde ihm nicht gefallen.

„Wenn sich auch die finanzielle Situation Eures Hofes in den letzten Götterläufen stark verbessert hat, was nicht zuletzt mit der üppigen Zuwendung von der Baronin von Linara zu tun hatte“, begann Algerte zaghaft, „so sehe ich mich außer Stande eine größere Summe für Euer Anliegen locker zu machen, denn die Mittel sind nun alle aufgebraucht.“

„Die Hofhaltung, wie auch die Ausgaben für die Garde übersteigen nun mal die Einnahmen, so einfach ist das leider.“ Die Kastellanin bereute umgehend ihren etwas schnippischen Tonfall.

„So? So einfach ist das?“, Leomar sprang auf und warf wütend seinen Weinbecher durch den Rittersaal, der scheppernd zu Boden viel und die beiden Frauen zusammenzucken ließ. „Ich war bei den Markgrafen der drei Ostmarken, mein Name seht unter dem Aufruf des großgaretischen Adels. Ich MUSS mich spendabel und besonders GROßZÜGIG zeigen. Das werdet ihr doch wohl verstehen?“

„Aber die Schatullen sind nun mal leer, das ist Fakt!“, warf Algerte trotzig ein.

„Ich will davon nichts hören, ich...“. Der Kronvogt wurde vom Knarren und Ächzen der zweiflügeligen Tür unterbrochen, die in diesem Moment aufging. Herein trat Mythalla von den Wildwassern, in Begleitung eines Fremden.

„Ja macht hier denn jeder was er will“, entfuhr es Leomar.

„Hochgeboren, ich bringe hier einen Tobrier der vorgibt im Auftrag des tobrischen Herzogs tobrische Flüchtlinge zurück nach Hause bringen zu wollen. Er verlangt mit dem Kronvogt von Neerbusch und dem Junker von Eibenhain zu sprechen.“

Edorians Augenbrauen schnellten hoch. Das war dreimal zu oft das Wort mit „T“ in einem Satz. Leomar würde ausrasten.

„Der Herr VERLANGT also“, brach es aus Leomar heraus, „was erlaubt er sich.“

„Ich...“

„Auf dem Reichstag in Beilunk haben wir Eurem Herzog ein großzügiges Angebot gemacht. Er hat es ausgeschlagen. Damit hat sich die Sache erledigt! WIR HABEN KEINE TOBRISCHEN FLÜCHTLINGE! Versucht es in Weiden. Mit denen teilt ihr doch das Bett.“

„Ich...“

„Wir Großgaretier haben euren dreckigen Arsch gerettet. Wir haben die Rückeroberung Tobriens bezahlt! Wir haben den größten Teil der Bewaffneten gestellt und Ihr VERLANGT?“

„Ich bitte darum gehört zu werden … danke. Verzeiht mir, aber habt Ihr überhaupt in Tobrien gekämpft?“

DAS waren definitiv die falschen Worte, dachte sich Edorian.

Leomar lief hoch rot an, seine Adern am Hals schwollen an. „Ich zeige Euch wie ich mit solchen undankbaren Geschöpfen umzugehen pflege. Bardo, Cella, FASS! Wir gehen auf Tobrierjagd.“

Auf Kommando jagten die beiden Höllenwaller Bluthunde bellend und mit gefletschten Zähnen auf den Tobrier los.

„Das Thema Tobrien habe ich auf dem Reichstag abgeschlossen, damit will ich nicht behelligt werden.“ Der Kronvogt blickte zu seinen sichtlich schockiert dreinblickenden Gefolgsleuten.

„Unser Volk gehört nach Hause, daran werdet auch Ihr nichts ändern können!“, rief der Tobrier mehr röchelnd und mit erstickter Stimme, während die Bluthunde daran waren seinen Körper zu zerfleischen.

„Zu schade, dass Ihr Eure Heimat nicht mehr sehen werdet.“ Leomar drehte sich wieder dem Tobrier zu und zog sein Schwert Seelensäufer. „Bardo, Cella, AUS!“ Unterwürfig trollten sich die Bluthunde auf ihren Platz. „Er versucht garetische Bauern zur Schollenflucht zu verleiten, das ist gegen das praiosheilige Recht! Darauf steht der Tod!“ Der Kronvogt erhob sein Schwert und spaltete mit einem einzigen Hieb den Kopf des Tobriers. Erschrocken schrie die Kastellanin auf.

„Nur ein halber Tobrier, ist ein guter Tobrier! So und nun macht das weg, der blutet mir ja den ganzen Boden voll.“

Während die anderen Anwesenden noch geschockt und sprachlos den in der Mitte gespaltenen, leblosen Körper anstarrten, säuberte Leomar sein Schwert und wandte sich anschließend Edorian zu.

„Feenwasser, nach dem wir dies nun zufriedenstellend gelöst haben, brauch ich deine Hilfe für mein eigentliches Problem. Wie du gehört hast, kann mir die holde Weiblichkeit nicht die finanziellen Mittel beschaffen, die ich für angemessen halte. Du wirst mich doch sicher nicht enttäuschen, oder?“ Leomar Gesicht verzog sich zu einer hämisch grinsenden Grimasse. Die dunklen Augenränder des Kronvogtes unterstützen diesen Eindruck noch.

Edorian nickte hastig. Er würde sich was einfallen lassen müssen…

Leomar nahm wieder auf dem Thron Platz und fasste sich an die Stirn. Eine innere Stimme säuselte unaufhörlich `Garetia Superior, Garetia Superior´.