Schwarzer Weg - Reisegedanken

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Irgendwo im Süden der Grafschaft Waldstein, 24. Hesinde 1038 BF:

Fünf Tage lang zog der Reichsforst schon winterlich still an den Reitern vorüber. Nur hin und wieder ließen die Rauchschwaden aus den Schloten der Bauernhäuser am Weg oder das Bellen der Hunde, wenn sich die Reisegruppe einem Dorf oder Gehöft näherte, erahnen, dass sie nicht allein in der schneebedeckten Landschaft waren. Gedankenverloren ließ Praiodan von Steinfelde den Blick schweifen. Nicht mehr weit und sie würden das Ziel ihrer unnötigen Fahrt erreicht haben. Schon waren die Türme, Dächer und Mauern der Reichsstadt Hirschfurt im Mittagslicht glitzernd im Rallertal zu sehen. Doch nichts davon konnte Praiodans Missmut beeinträchtigen. Und den hatte er in den letzten Tagen seinen Begleitern, oder besser: Bewachern, gegenüber deutlich zum Ausdruck gebracht. Er war auf der Jagd und kurz davor gewesen, seine Beute - den Magier Tharleon - zu stellen. Aber genau das hatte man ihm verwehrt und das nahm der passionierte Waidmann nur übel auf.

Nach dem unerfreulichen Empfang auf Rabenfels hatten sich die Hartsteener kurz beraten. Ihnen allen war klar gewesen, dass die Landvögtin nur das gesagt hatte, was der Zweifelfelser ihr zuvor eingegeben haben musste. Dennoch blieb es schleierhaft, was hinter der offensichtlichen Schikane steckte, da niemand zu einer befriedigenden Antwort geneigt war. Nicht nur Felan von Schallenberg hatte sich ob der Missachtung der Etikette und der Art und Weise, mit der man ihre Worte abgetan und in Zweifel gezogen oder Antworten verweigert hatte, gekränkt gefühlt.

Kurz hatte Praiodan überlegt, ob nicht eine Botschaft an den Cantzler Abhilfe schaffen könnte, den Gedanken aber schnell verworfen. Es würde nur noch mehr Zeit vergeudet und er selbst würde da stehen als jemand, der sich nicht selbst zu helfen weiß.

Stattdessen hatte er sich entschieden, diese Farce mitzumachen und nach Hirschfurt zu reisen. Seine eigenen Leute hatte er angewiesen, die ‚Gastfreundschaft‘ der Landvögtin weidlich zu genießen - schon bald würde die Gauternburg merken, dass sie sich mit dieser Maßnahme zur Verkleinerung des Hartsteener Aufgebots nur selbst ein Ei ins Nest gelegt hatte: Jetzt im Winter würde die Verpflegung von Ross und Reitern die Vorräte um einiges schneller schwinden lassen.

Eines ging Praiodan immer wieder durch den Kopf: Was eigentlich hatten die Zweifelfelser Truppen auf dem Territorium der Baronie Leihenbutt zu schaffen? Auch wenn sie den Namen der Gräfin im Mund geführt hatten, so waren sie doch gerade keine gräflichen Büttel und genau genommen bei ihrem Zusammentreffen ohne hoheitliche Rechte gewesen - nur dass sich die Hartsteener hatten überrumpeln lassen. Und genau dies wurmte Praiodan im Nachhinein mindestens genauso wie das Verhalten der Landvögtin.

An dem eigentlichen Auftrag hatte sich nichts geändert. Nur der Verbrecher würde wahrscheinlich wieder einen komfortablen Vorsprung herausholen können, während Praiodan nach der Pfeife dieser Waldsteiner Holzköpfe tanzen musste - gute Miene zum bösen Spiel, zumindest vorerst. Wider Erwarten hatte Felan von Schallenberg diese Reise ebenfalls auf sich nehmen wollen.

Hadrumir von Schwingenfels hatte seinen Leuten befohlen, nach Hartsteen zurückzureisen. Er selbst war mit zwei Leuten bei der Unternehmung gewesen. Er war auf der Reise recht schweigsam und grübelte in sich hinein. Diese Waldsteiner Farce war ihm zu wider.