Schwarzer Weg – Willkommen in Waldstein, oder auch nicht

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Baronie Leihenbutt, unweit von Schlachtenbüttel, 20. Hesinde 1038 BF:

Die Harsteener Reiter um Praiodan von Steinfelde, Hadrumir von Schwingenfels und Felan von Schallenberg waren ihrem Ziel schon zum Greifen nahe gewesen. Fast wäre alles so abgelaufen wie geplant. Der von ihnen gesuchte berüchtigte Schwarzmagier hatte sich über die Grenze nach Waldstein abgesetzt, aber sie waren ihm dich auf den Fersen. Im Eupelmunder Moor sollte nun der Zugriff stattfinden, doch der Bordaradianer hatte sie geschickt getäuscht und war ihnen vorerst entwischt.

Die Schar war auf den Weg nach Burg Leihenbutt, als Felan am Horizont Reiter erblickte, die auf die Harsteener zuritt.

„Sieh einer an. Ein Waldsteiner Empfangskomitee!“ entfiel es Praiodan fast spöttisch.

Und tatsächlich: Bei der mehre Dutzend starken Truppe flatterten die Banner der Nordwaldsteiner Grenzwächter, sowie die der Familie Zweifelfels, wie Felan erkannte. Die Grenzwächter kamen vor den Hartsteenern zum Stehen. Die Pferde schnaubten unruhig. Zwei Ritter in den Farben der Zweiflinger Grenzwächter und der Hausritterschaft der Familie Zweifelfels lösten sich von der Gruppe und ritten auf Felan zu.

„Den Zwölfen zum Gruße, mein Name ist Yendar Leodan von Zweifelfels, Hauptmann der Grenzwächter. Was ist Euer Begehr?“, die Stimme des Ritters klang militärisch knapp und so unterkühlt wie die Nasen und Ohren der Reiter.

Auch wenn sich der Hauptmann an den Schallenberger gewandt hatte, kam ihm der Hartsteener Wegevogt mit einer Antwort zuvor: „Wir sind einem Geächteten und flüchtigen Reichsverräter auf der Spur, dem wir unbedingt habhaft werden müssen. Ich habe seine Hochgeboren Felan von Schallenberg gebeten, mich bei dieser Unternehmung zu begleiten. Auch Dom Hadrumir von Schwingenfels hat sich uns angeschlossen. Ich bin Praiodan von Steinfelde, Wegevogt zu Hartsteen.“

„Soso“, bläffte der Zweiflinger Hauptmann, die Worte scheinbar ignorierend „dann können die Herrschaften doch sicher einen gräflichen Passierschein vorweisen.“ Die kalten Augen des Zweifelfelsers fixierten Praiodan mit für ihn ungewohnter Strenge.

„Wir haben bereits Boten nach Hirschfurt sowie an unseren geschätzten Freund Baron Debrek gesandt“, ergänzte Felan zügig, bevor Praiodan antworten fahren konnte, „aber konnten in Anbetracht der Wichtigkeit der Sache keine Zeit mit Warten auf eine Antwort verlieren.“

„Ihr habt also keinen gräflichen Passierschein vorzuweisen!“, schlussfolgerte der Waldsteiner Hauptmann und blickte kurz zu dem jüngeren Ritter neben ihm.

„Nein. Und ich glaube auch nicht, dass wir den überhaupt nötig hätten. Wir sind im Auftrag der Krone Garetiens unterwegs. Mehr kann ich Euch dazu nicht sagen“, Praiodan verschränkte die Arme.

Für einen langen Moment musterte der Zweifelfelser die Hartsteener durch vernkiffene Augen. Dann sagte er: „Im Namen der Gräfin muss ich Euch auffordern mich zur gräflichen Feste Rabenfels zu begleiten. Wir werden Euch dorthin eskortieren.“

Er gab seinen Reitern einen Wink, die sich in Bewegung setzten und einen Ring um die Hartsteener bildeten. Die Zweifelfelser waren in der Überzahl und in der besseren Position. Ein bewaffneter Streit wäre in dieser Situation ebenso töricht wie sinnlos.

„Ich hoffe, Ihr seid Euch darüber bewusst, dass Ihr der Krone in den Arm fallt, wenn Ihr uns aufhaltet, Hauptmann“, knirschte Praiodan, doch der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern.

Schließlich setzten sich die von den Grenzwächtern eingekreisten murrenden Hartsteener in Bewegung. Und Felan wunderte sich ob der Surrealität der ganzen Szenerie: Truppen unter dem Banner der Familie Zweifelfels agierten im Namen der Gräfin – und das auf dem Grund und Boden der Baronie Leihenbutt. Er musste zugeben, dass er die Waldsteiner Verhältnisse doch nicht so gut kannte wie er geglaubt hatte. Eins war zumindest sicher, willkommen fühlte er sich hier nicht.