Schwarz sind unsere Seelen, Rot ist euer Blut

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In den namenlosen Tagen 1040BF in den Tiefen der Helburg .

Da Rad begann sich zu drehen während sich das Gewicht langsam senkte, begleitet von einem kummervollen Stöhnen zerrte es die Konstruktion, um einen Zahn der eisernen Hakenleiste, weiter auseinander, bevor diese wieder mit einem satten Ton einrastete.
Gemütlich drehte der Foltermeister das Stundenglas um und brummte leise vor sich hin. Sein junger Gehilfe entfachte mit einem Blasebalg die Glut zu einer heißen Flamme, damit die Eisenstangen ordentlich zu glühen begannen. Beide trugen sie lederne Halbkapuzen, die nur Nase und Mund nicht verdeckten. Nicht weit von der ausgeklügelten Technik der modernen Streckbank, hing der zweite Gefangene mit den Füßen nach oben an die Decke gefesselt, nur mäßig durch einen dreckigen Lendenschurz bedeckt. Auch die Hände lagen in Handeisen, welche wiederum ihn mit einer Kette an den Boden fixierten. Dies musste auch sein, denn entgegen dem alten Mann auf der Streckbank war er noch jung an Jahren und nutzte jede Gelegenheit sich zu wehren. Bedächtig erklärte der alte Folterknecht dem jungen Schüler worauf es ankam im Umgang mit dem heißen Eisen, denn es galt das eherne Gesetz, das bei der Folter kein Blut fließen durfte.
Die Lektion wurde jäh unterbrochen durch das harsche aufstoßen der Kerkertür.
Alle Anwesenden fuhren vor Schreck zusammen, der ältere Folterknecht war sichtlich irritiert, er hatte nicht mit einer Unterbrechung seines Werkes gerechnet, zumindest nicht so früh, es waren doch erst gerade mal drei Umdrehungen gewesen. Noch entsetzlicher war der Störgrund selber, denn niemand anderes als sein oberster Herr betrat mit deutlicher Ungeduld auf der Mine die ausgedehnte Folterkammer, dem Herz der Helburger Kerkerlabyrinthe. Gefolgt wurde er vom Zuchtmeister der Bluthunde. Dieser schloss die Tür und wechselte kurz einen Blick mit dem jungen Foltergehilfen.
Betretend schüttelte der Folterknecht den Kopf: „ Der Alte ist zäh Herr.“
Ohne ihn weiter zu beachten schritt der Baron direkt zu Streckbank. Als der Gefangene ihn wahr nahm spie er:“ Ihr Monster, wie könnt ihr es wagen. Die Rache meines Herren Nandus soll euch treffen. Ihr hattet kein……uuuuuuuuuuuffffffffffffffffffffffffzzzzzzzzzzz.“
Ein rasseln der Ketten ertönte, als der Baron den Haken löste und erst nach zwei Zähne wieder einrastete, ein lautes Schnalzen war zu hören als eine der Sehnen im Körper des Nadusgeweihten riss. Mit Tränen in den Augen rang er nach Luft, die Pein war ihm anzusehen, doch er biss die Zähne zusammen und schwieg.
„Na, na, na, wer wird den gleich so unhöflich sein. Ich bin gekommen um mit euch ein paar freundliche Worte zu tauschen. Nun einmal ehrlich Meister Ulgert, es war äußerst töricht vor Gareth die Bauern daran hindern zu wollen sich den Landwehren anzuschließen. Aber ich bin diesem Schicksal und der Geistesgegenwart meines Adjutanten äußerst dankbar, euch nicht nur aufgehalten, sondern gleich einkassiert zu haben. Erst euren Schützling, diesem naiven Trottel der da hängt und kurze Zeit später euch selbst. Denn man muss sagen, es ist innerhalb des Königreiches gar nicht so einfach euresgleichen aufzuspüren, man könnte schon sagen ihr hättet euch ein wenig rar gemacht.“
„Ihr Verbrecher, wir wissen das ihr einer der Rädelsführer gegen unsere Kirche, des Herren Nandus, seid. Möge er euch seine Gaben für immer versagen! Von mir werdet ihr nichts erfahren.“
„Tststs, so uneinsichtig und stur, Wissen begehre ich und dieses ist doch euer höchstes Anliegen jenes zu verbreiten. Sollte ihr nicht lieber eurer Bestimmung folgen und mir all meine Fragen beantworten, anstatt diesen dummen Bauern auf meinen Feldern irgendwelche unnützen Flöhe in die Ohren zu setzen. Auch bin ich mit den letzten Taten eurer Kirche nicht sonderlich einverstanden, diese unverschämte Darstellung meiner Ahnin war höchst anmaßend von eurem Anführer. Ihr versteht sicherlich, dass ich ihn diesbezüglich zu einem Gespräch einladen möchte. Also wo hält er sich auf, dieses Einhorn Alfessir?“ „Das Einhorn wird obsiegen und euch von eurem arroganten Sockel holen, ihr seid seiner Weisheit nicht gewachsen. Da nützt euch auch die ganze Grobschlächtigkeit eures MantiKORs nichts. Das Einhorn ist mächtiger.“
Verachtung überzog das Gesicht des Barons: „Das Einhorn! Mit Borbard ist der einzig mächtige Vertreter dieser Spezies des vergehenden Zeitaltes erloschen, zuvor noch sein unnützer Bruder. Dein Gott steht ohne seine Söhne dar, geschlagen, verbannt, vorbei. Euer Kult stirbt, da er nicht länger benötigt wird. Die Zeiten wandeln sich, Krieg ist zum beherrschenden Thema geworden. Wer die Schlachten gewinnt, entscheidet das Schicksal, und nicht jener der die Feder führt. Die Stunde des mächtigen Mantikors rückt unaufhaltsam näher. Und weder Schlange noch Fuchs, geschweige denn die zahnlos gewordene Leuin werden ihn daran hindern.“
„Lasst euch das nicht gefallen Meister, widerlegt die Lügen dieses Schlächters!“, der junge Geweihte schrie die Worte in den Raum, und zog damit unweigerlich die Aufmerksamkeit aller auf sich.
„Amseln nicht….“, stöhnte Ulgert, doch da schritt der Höllenwaller bereits zu dem anderen hinüber.
„Vorlaut und frech, in der Tat, du hättest dich bestimmt zu einem vortrefflichen Diener deines Herrn entwickelt. Dumm nur das du so wenig Zeit hattest.“, und schnappte sich eine der glühenden Stangen und Hieb sie Amseln ins Kreuz. Es stank nach verbrannter Haut, und ein Jaulen und Schluchzen erfüllte die Kammer.
„Ja, Schrei so laut du kannst, hier in den Tiefen der Hel wird dich keiner hören.“, und drückte erneut mit weniger Wucht dafür umso länger das immer noch heiße Eisen gegen den Körper.“
Der junge Folternovize stieß nervös dem Zuchtmeister in die Seite und deutete ihn an einzugreifen. Der überlegte nur kurz und schritt dann vorsichtig näher: „Herr, ich bitte euch, wie ihr wisst wir ben..“ „Schweigt! Ich weiß sehr wohl was ich benötige. Das sind Namen, Orte, Verstecke, wer sind die Helfer, wo verkriechen sie sich. Und was das andere angeht, nur keine Sorge. Hier auf der Hel verstehen wir uns auf unser Handwerk, es ist Tradition und eine wahre Kunst. Ich sehe du musst diesbezüglich doch noch einiges lernen und dein Bruder auch. Nun zeig ich dir wie ein Helburger das macht.“, und wandte sich wieder Ulgert zu.
„Ihr monströse Bestie, nichts werde ich euch verraten, rein gar nichts. Da könnt ihr mich so viel Foltern wie ihr wollt.“, er wollte speien, doch es hatte nicht mehr genug Spucke.
„Ach alter Mann, warum sollte ich meine Zeit mit dir verschwenden. Sicherlich würdest du es noch genießen, die Schmerzen. Ein Märtyrer deines Herrn gar wirst werden wollen. Ich lasse dich doch nur ein bisschen strecken, damit die Tage in dem Fass, in welchen wir dich transportierten, ausgeglichen werden. Oh nein mit dir verschwende ich meine Zeit nicht! Holt die eiserne Jungfrau!“, sofort eilten Folterknecht und sein junger Gehilfe los.
Der Höllenwaller tätschelte Amseln die Wange, „Nun werden wir ihn ein wenig schmoren, deinen Schützling, und wenn das nicht ausreicht, sie dich um, wir haben eine Fülle an Möglichkeiten.“
Panik lag auf dem Gesicht des jungen Nanduspriester, als sie ihn zu Boden zerrten und in die Jungfrau sperrten. Er schrie die ganze Zeit und nur ungenügend dämpfte die Metallhülle diese ab. Der Folterknecht hievte sie an einen Haken und sie zerrten ihn an einem Schwenkarm hoch. Dann wurde er über die Feuerstelle gezogen, deren Flammen das Fußende der Jungfrau gierig beleckten.
Der Höllenwaller wandte sich wieder der Streckbank zu, in Ulgerts Gesicht spiegelte sich die Verzweiflung wieder.
„Nun?“
„Ich sage nichts, ihr werdet uns doch so oder so umbringen.“
„Da habt ihr Recht, aber es kommt auf das Wie an. Schnell und schmerzlos oder die Hölle auf Dere. Ich verspreche euch Ulgert, wir werden ihm die Seele aus dem Leib quälen, Tag für Tag, bis er den Tod nicht mehr erwarten kann, nur um dann mit ihm noch weiter zu verfahren. Und ich kenne alle Methoden ihn zwischen Leben und Tod zu halten, bis das sein Geist zerbricht und er zuletzt noch eurem Gott abschwört, so dass seine Seele auf ewig verdammt ist. Wollt ihr das auf euer Gewissen nehmen?“
Quickende Schreie ertönten aus der Jungfrau, als die Hitze zunahm, gefolgt von Heulen und Klagen. „Wieso sollte ich euch trauen und euren grausamen Worte Glauben schenken?“
„Ich stehe zu meinem Wort, und werden sogar auf Praios, Travia und KOR einen Schwur ablegen, sollten ihr mir wahre Ziele, Orten, Namen nennen, werde ich ihn schonen und keinerlei weiterer Folter unterziehen, bis zu dem Tag seiner Hinrichtung, die schnell und fast schmerzfrei durch eine saubere Klinge stattfinden wird. Er liegt also bei euch, ob dem Schützling der sich eurer Führung anvertraute all dies Leid erspart bleibt.“
Die Seelenqual in Ulgerts Gesicht war gewaltig, und bildete ein passendes Pendant zum Geschrei Amseln. „Nun?“
„Schwört, ihr Bastard. Schwört aber auch bei Phex und Hesinde:“
„So sei es.“

Wenige Tage später, die Sonne war weit hinter dem Wall am Aufgehen, aber noch lange nicht zu sehen. Die Vögel hatten noch nicht mit ihrem morgendlichen Gezwitscher begonnen und das Land schlummerte noch im Dämmerlicht. Das Tor vom Galgenhof nahe der Stadt Höllenwall wurde aufgestoßen und eine Rotte Korgoner, angeführt vom Hauptmann Neunfinger preschte hervor und eilte nach Westen, gefolgt von zwei weiteren Rotten. Die Jagd hatte begonnen.

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3. Nam 1040 BF zur abendlichen Perainestunde
Schwarz sind unsere Seelen, Rot ist euer Blut
Ein Seufzen im Seufzer

Kapitel 40

alba brevis Aurium
Autor: Malepartus