Schmuggel in Greifenfurt - Kurzer Prozess

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Dramatis Personae:

Baronie Kressenburg, Markgrafschaft Greifenfurt, Anfang Rahja 1033 BF

Erwartungsvoll sah Ardo seinen Jagdmeister an. „Nun, wie schaut es aus Balduin? Was haben deine Leute gefunden, dass ich sofort herkommen musste?“

„Gemeine Schmuggler haben wir und einen garetischen Gecken dazu. Sie kamen einfach aus dem Wald spaziert als wär der Wildpfad dem sie gefolgt sind eine Reichsstraße und liefen uns geradewegs in die Arme. Wie es aussieht hat eine unserer Patroullien sie zu früh hinausgetrieben. Bei einem fanden wir eine einfache Karte, die darauf schließen lässt, dass sie im Forst efferdwärts an Kressenburg vorbei wollten um kurz vor Hexenfeuer auf die Straße zu kommen. Von dort aus hätten sie unbehelligt nach Greifenfurt oder Eslamsroden gekonnt.“

„Ganz schön dreist, das muss ich schon sagen. Aber wegen ein paar Schmugglern musst du doch eigentlich nicht so einen Aufruhr machen. Dein Bote stotterte etwas Undeutliches von illegaler Ladung?“

Balduin von Kieselholm warf dem hinter ihnen stehenden jungen Büttel einen strafenden Blick zu. Der Bursche wurde sofort pflichtbewusst rot und senkte den Blick zur Erde.

„Kommt, ich zeige Euch was sie dabei hatten.“

Der Baron und der Junker von Kieselbronn gingen zwei Dutzend Schritt weiter und an der Zollbaracke vorbei. Ardos Knappin Mechthild von Kieselholm folgte ihrem Schwertvater und ihrem Onkel mit einigen Schritten Abstand. Hinter dem Holzhaus saßen sechs abgerissene Gestalten und etwas abseits von ihnen ein einzelner junger Mann, auf dessen zweckmäßiger Lederkleidung ein Wappen prangte. An der Rückseite der Baracke standen bewacht von zwei Bütteln ein halbes Dutzend Kiepen und Taschen. Auf den ersten Blick sah man nur Ballen einfachen Leinenstoffs. Erst als Balduin die oberste Schicht Stoff aus einer der Kiepen entfernte konnte man die darunter liegenden und wohl verstauten Pakete erkennen. Der Junker nahm ein kleines Päckchen heraus und hielt es Ardo unter die Nase.

„Da, riecht ihr das? Rauschkraut! Und zwar in rauen Mengen! Keine Ahnung wie die da an das Zeug ran gekommen sind, aber es ist locker ein paar hundert wenn nicht tausend Dukaten wert. Damit hätte halb Eslamsroden eine Feier wie zu Bardos und Cellas besten Zeiten abhalten können. Meine Mutter würde sich im Grabe umdrehen wenn sie das hier sehen könnte.“

Wie versteinert blickte Ardo auf das Beutelchen vor seinem Gesicht. An seinem Hals fing die Schlagader mächtig an zu pumpen und binnen Sekunden war sein Gesicht rot vor Wut. Auf den Hacken drehte er sich um und ging schnurstracks zu den Gefangenen hinüber. Vor dem der sich als Adliger zu erkennen gegeben hatte blieb er stehen. Das Wappen kam ihm sehr bekannt vor, aber in seiner Wut kam ihm der Familienname nicht in den Sinn.

„Wer seid Ihr?!“

Laut herrschte der Kressenburger seinen Gegenüber an. Dieser zuckte allein ob der Lautstärke zusammen, blickte ansonsten aber eher gelassen vor sich hin. Mit ruhiger Stimme, die von der Gewissheit der Unantastbarkeit seiner edlen Abkunft zeugte stellte er sich vor.

„Helmbrecht von Hagenbronn, Ritter zu Hagenau, wenns beliebt. Und Ihr seid?“

„Der Baron von Kressenburg! Wenns beliebt!“

Die stoische Ruhe mit welcher der etwa gleichaltrige Ritter aus Ulmenhain sich seiner Wut stellte, reizte Ardo nur noch mehr. Natürlich kannte er die Familie Hagenbronn. Er war in seiner Jugend oft genug durch die Ländereien der praioswärts gelegenen waldsteinschen Nachbarn geritten um auch den Junkern von Hagenau zu begegnen. Er hatte schon immer gewusst, dass diese Familie dem Phexischen nicht abgeneigt war, aber dieses Mal waren sie zu weit gegangen. Langsam wich die Röte aus Ardos Gesicht. Sein Jähzorn wandelte sich in kalte Wut. Die Kälte die aus seinen Augen sprach ließ nun auch den selbstbewussten jungen Ritter aus Ulmenhain erschaudern.

„Seit Jahren kämpfen wir in Greifenfurt gegen das Vordringen der Wildermark. Gegen Wegelagerer, Banditen, Räuber, Diebe und Schmuggler. In Hasenfeld, Reichsweg und Dunkelsfarn wütet die Gesetzlosigkeit Jahr für Jahr schlimmer. Zuletzt hat dieser Zustand auch unsere direkten Nachbarn in Quastenbroich und Eslamsroden ergriffen. Ich werde es nicht dulden, dass sich diese unhaltbaren Zustände auch in Kressenburg verbreiten oder meine Baronie als weiteres Einfalltor für solche gewissenlose Kerle wie Euch genutzt wird! Irgendwo muss dem ein Riegel vorgeschoben werden und genau das werde ich jetzt tun.“

Ardo drehte sich zu seinem Junker um und deutete auf die restlichen Gefangenen die wie ein Häuflein Elend beieinander hockten. Sie wussten, dass sie kaum mit Gnade rechnen konnten. Der Jüngste, ein Bursche von kaum vierzehn Jahren, heulte schon die ganze Zeit Rotz und Wasser

„Balduin! An der Straße werden sofort sechs Galgen errichten und sobald sie stehen lässt du diese Strauchdiebe dort gut sichtbar aufhängen! Aber vorher schafft mir jemand den Hauklotz dort her!“

Mit großen Augen verfolgte Helmbrecht von Hagenbronn das Geschehen. Um seine Begleiter war es ihm nicht Leid. Aber offensichtlich hatte der Kressenburger Baron noch eine besondere Gemeinheit mit ihnen vor, ehe er sie zu Boron schicken wollte. In Windeseile kamen die Büttel den Befehlen ihres Herren nach und gleich stand der von vielen Kerben übersähte Baumstumpf vor dem Baron. Angsterfüllt starrten die Schmuggler den Keilholtzer an, der jetzt sein Schwert zog und sich zwischen ihnen und dem Hagenauer Ritter aufbaute.

„Ihr seid gemeine Strauchdiebe und Verbrecher und werdet den euch zustehenden Tod durch den Strang erhalten.“ Das Schluchzen des Jünglings wurde lauter. Undeutlich hörte man ihn nach seiner Mutter rufen. Doch selbst er wusste, dass es keinen Sinn machen würde um Gnade zu flehen. Ardo wandte sich von ihnen ab und dem Ulmenhainer Ritter zu.

„Ihr, Ritter Helmbrecht von Hagenbronn zu Hagenau, werdet nicht am Galgen landen, denn edles Blut fließt durch Eure Adern.“ Zufrieden grinste der junge Edelmann bei diesen Worten vor sich hin. „Da Ihr von Adel seid gebührt Euch nach Praios’ Recht ein schneller und sauberer Tod durch das Schwert. Und den sollt Ihr erhalten!“

Von einem Moment auf den anderen war das Grinsen auf Helmbrechts Gesicht einer Maske des Entsetzens gewichen. Blanke Angst stand in seinen Augen. Trotz gefesselter Hände und Füße versuchte er sich aufzurichten, schaffte es aber nur halb.

„Das könnt Ihr nicht tun! Dazu...dazu habt Ihr kein Recht! Ihr müsst mich freigeben! Oder meinen Vater mich auslösen lassen! Ich bin von Adel! Dazu habt Ihr kein Recht!“

Mit unbewegter Miene und stoischer Ruhe gab der Baron ein Zeichen worauf zwei Büttel sich hinter Helmbrecht stellten, ihn unter den Armen packten und zum Hauklotz schleiften. Zeternd wehrte sich der junge Adlige gegen diese Behandlung, so weit es ihm in seinem gefesselten Zustand möglich war. Das Schwert mit beiden Händen haltend und schon halb erhoben stellte sich Ardo seitlich auf.

„Habt Ihr irgendeinen letzten Wunsch, Ritter Helmbrecht?“

„In die Niederhöllen sollt Ihr fahren!“

„Diesen Wunsch kann ich Euch leider nicht gewähren. Aber ich werde dafür Sorge tragen, dass Eure Familie von Eurem Schicksal erfährt.“

„Mein Vater wird Euch umbringen! Ihr wollt uns nicht zu Feinden haben!“

Wütend begehrte der Hagenbronner ein letztes Mal auf, wurde aber von den Bütteln niedergehalten. Der Baron holte weit aus und ließ seinen Anderthalbhänder ohne langes Zögern mit aller Wucht herabsausen. Abrupt endete der Wortschwall des Ritters als krachend die Halswirbel brachen und sich ein Strom von Blut über den Hauklotz und die Wiese ergoss.

„Das wäre erledigt. Balduin, du trägst Sorge dafür, dass mit den anderen wie befohlen verfahren wird. Ich werde zur Burg zurückreiten und dem Junker von Hagenau mitteilen, dass er seinen Sohn hier abholen kann. Lass die Leiche transportfertig machen. Wenn bis in einer Woche niemand auftaucht um ihn abzuholen bring den Ritter auf den Boronsanger von Kressenburg, damit er noch vor den Namenlosen Tagen göttergefällig unter die Erde kommt.“

Ardo griff nach einer Stoffbahn und säuberte die Klinge gründlich. Auf einen Wink eilte seine äußerst blasse Knappin herbei und brachte ihm stumm das Pferd. Ohne ein Wort zu wechseln ritten die eilig zurück nach Kressenburg. Dort gab er Mechthild die Erlaubnis sich für den Rest des Tages zurückzuziehen, während er selbst sich in die Schreibstube begab um den Brief für Junker Bernfried aufzusetzen. Nachdem er die Botschaft einem Boten übergeben hatte zog er sich mit einer Flasche Waldkräuterlikör in das Kaminzimmer zurück. Er hatte getan was er glaubte tun zu müssen um Kressenbrug und Greifenfurt zu schützen. Trotzdem kamen seine Gedanken erst in den frühen Morgenstunden zur Ruhe, als er mit dem Kopf auf der Tischplatte neben der leeren Flasche einschlief.

Briefspiel.png Sieger im Wettbewerb Jahr der Geschichten

Dieser Briefspieltext wurde von den Spielern Garetiens, Greifenfurts und Perricums aus über 2.500 Briefspieltexten ausgewählt.