Schattenkrieger – Allein

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Allein

Burg Greifenklaue, 24. Praios 1040 BF, im Morgengrauen

Ailyn zuckte zusammen.

»Was hast Du?« Thyrias Stimme klang sorgenvoll.

»Sie kehren nicht zurück«, flüsterte sie leise.

»Sie?«

»Meine Eltern. Ich spüre es.«

Thyria schluckte. Sie hatte geahnt, dass etwas derartiges passieren mochte, und es doch nicht wahrhaben wollen. Behutsam legte sie die Hand auf Ailyns Schulter; ein schwaches Zeichen des Trostes. »Du bist ganz sicher?«

Ailyn nickte schwach, Tränen in den Augen. »Ich glaube, sie hat es gewusst. Darum hat sie Dich geweiht, obwohl noch Zeit gewesen wäre, und darum hat sie mich die Familienliturgien gelehrt. Warum habe ich das nicht erkannt? Ich hätte sie noch so viel fragen wollen…« Sie schluchzte, und die Tränen rannen über ihr Gesicht. Leise, wie feine Perlen, fielen sie zu Boden und zerplatzen, unerfüllten Träumen und Hoffnungen gleich.

Thyria nahm sie in den den Arm, und Ailyn lehnte ihren Kopf dankbar an die Schultern der Älteren. In diesem Augenblick war sie wieder Kind, und Thyria spendete ihr Trost, wie es schon immer getan hatte, wenn sie einen Mutterersatz gebraucht hatte, weil jene nicht anwesend war.

Es dauert eine Weile, bis sie sich gefangen hatte; mit dem Ärmel ihres Kleides wischte sich die Tränen fort. »Auch wenn ich sicher bin, welche Kunde uns erreichen wird, sollten wir abwarten, bis sie uns wirklich ereilt, bevor wir verkünden, was zu verkünden sein wird.

Thyria nickte. »Ich werde stillschweigen bewahren.«

Ailyn nickte ihr dankbar zu, dann ergriff sie Thyrias Hände. »Was auch passieren wird, ich möchte, dass Du bleibst, und den Dienst, den Du meiner Mutter geleistet hast, nun mir leistest. Ich werde Hilfe brauchen, mit allem, was hier noch geschehen wird, und jemanden, dem ich vertrauen kann. Und wer käme dafür besser in Frage als Du?«

Thyria sah sie dankbar an, dann schlossen sie sich in die Arme.