Schatten über Waldstein Teil 7

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Burg Zankenblatt, Nimmgalfs Gästezimmer:

Langsam kam er zu sich, seine Augenlider flatterten, sein schwacher Atem kam stoßweise durch seine Lippen gepresst. Aidaloê sandte ein erleichtertes Stoßgebet zu den Göttern: „Dank sei Euch, den alveranischen Herrschern, und insbesondere Dir, Mutter Travia, dass Du einen deiner Diener sandtest, dem treuen Nimmgalf beizustehen. Danke!“ hauchte die halbelfische Junkerin von Ferinstein und sah auf den im Bett liegenden Baron von Leihenbutt hinab. Nimmgalf sah sich um, wandte sein totenbleiches Gesicht nach rechts und dann nach links. Nicht nur die Junkerin schien erleichtert, obwohl in ihrem feinen Antlitz noch große Besorgnis stand. Auch Erlan von Zankenblatt sorgte sich um Nimmgalf, denn jener war als des Barons von Syrrenholts Gast zu schwerem Schaden gekommen. Und auch der Geweihte der Travia stand anbei, denn er sorgte sich um den Zustand des Gänsleins vor ihm – vor wenigen Stunden noch war Nimmgalf von einem Dämon besessen gewesen.

Nimmgalfs Blick fiel auf Aidaloê und als diese es bemerkte, rang sie sich zu einem hoffentlich ermutigenden Lächeln durch und wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Gesicht. Erlan und der Priester der gütigen Göttin achteten nicht darauf, denn vielmehr wollten sie wissen, ob Nimmgalf wieder von gesundem Geiste war.

„Bei Travia!“ sprach Trautmann mit liebevoller Stimme und voller Erleichterung. „Die Göttin hatte ein Einsehen und hat Euch, Hochgeboren, vom Fluch des Niederhöllischen befreit.“ Dabei schlug er vor seiner orange-golden berobten Brust das Zeichen seiner Göttin. „Welch Wunder!“

Auch Erlan stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Werter Freund, ich freue mich, dass Du diesen heimtückischen Überfall überstanden hast. Ich hoffe, Du bist einigermaßen wohlauf, bei den Göttern?“ sprach der Syrrenholter und beugte sich über seinen Bundesbruder und Standesgenossen.

Nimmgalf hustete schwach, nickte aber. „Mein Kopf schmerzt noch, Erlan, aber ich denke es wird gehen.“ Er fühlte sich aufgewühlt, schwindelig, als sei alles in seinem Geiste durcheinander gebracht worden – und so war es ja schlussendlich auch. Es war furchtbar gewesen, wie er gemerkt hatte, dass da jemand ... etwas von ihm Besitz ergriffen hatte, ihn geradezu beiseite drängte. Er wollte es nicht sagen, aber Nimmgalf hatte alles mitbekommen, alles, was der Dämon mit seinem Körper, seinem Wissen, seinen Fähigkeiten angestellt hatte. Der Baron gedachte schmerzlichst der beiden Wachmänner, die er... der Dämon... ermordet hatte. Und einen Augenblick später fiel sein Blick erneut auf die Junkerin von Ferinstein, die – wie Nimmgalf auffiel – sich schmerzhaft aufrecht hielt. Er wusste warum... „Es... es... tut mir leid“, keuchte er und hustete, noch immer war er schwach auf der Brust.

Aidaloê wusste einen Moment nicht, was er meinte. Statt einer Antwort ergriff sie seine Hand, die neben ihm flach auf dem Bette lag – und sofort durchzuckte sie ein Blitz verschiedener Gefühle. Verwirrung. Angst. Sorge. Mitleid. Kummer. Gedankenfetzen drangen in ihr Bewusstsein. // ... ich ermordet? ... woher kam der Däm-... Simiona!? ...Travia sei Dank .... // Aidaloê schüttelte sich innerlich, um Ordnung in dieses chaotische Gewirr von Gedanken und Gefühlen zu bekommen und sah den Baron aufmunternd in die Augen, die feucht waren vor Trauer. Und vor Furcht. „Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen, Nimmgalf“, antwortete sie lächelnd. „Ihr seid es nicht gewesen, Ihr seid nicht schuld an dem, was geschehen ist.“ Warm und weich lag die schlanke Elfenhand auf der starken Schwerthand Nimmgalfs, er spürte sie deutlich und bis in das Innerste seiner Seele.

„Ich.... habt Dank, dass Ihr das so seht, Aidaloê.“ Ein kurzer Blick zu seinem Freund bedeutete ihm, dass er sich noch ein wenig Ruhe erbat.

Erlan nickte zustimmend: „Du solltest dich noch etwas ausruhen, Nimmgalf. In ein paar Stunden werde ich noch mal nach dir schauen. Meine Diener werden sich zwischenzeitlich um dich kümmern.“ Gemeinsam mit Bruder Trautmann verließ er das Zimmer.

Auch Aidaloê wollte sich schon erheben, doch Nimmgalf hielt sie noch zurück. „Bitte wartet noch!“ flüsterte er. Die Junkerin wandte sich ihm daraufhin wieder zu. „Ich möchte Euch noch danken, dass Ihr mich gerettet habt. Es ist schön jemanden zu haben, der...der einen nicht im Stich lässt... und nicht verrät, wenn man es am wenigsten erwartet.“ Dabei schweiften seine Gedanken zu seiner ehemals so geliebten Frau, der er dieses schreckliche Ereignis zu verdanken hatte, dessen war er sich gewiss. Er hasste sie dafür.

Aidaloê verstand. Sie beugte sich zu ihm herab und flüsterte: „Das würde ich nie tun, Nimmgalf, ich verspreche es Euch. Doch nun schlaft, Ihr braucht jetzt Ruhe!“ Dann gab sie sich einen Ruck, hauchte ihm noch ein zärtliches Küsschen auf die linke Wange und ließ ihn mit seinen Gedanken allein.