Saubermachen II

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Das Herrengut abseits vom Dorf Aldwain

Neben den allgegenwärtigen Summen dicker Fliegen stank es erbärmlich, und er presste das parfümierte Tuch noch stärker gegen Mund und Nase. Ja, nicht zu stark einatmen, versprach eine leichte Linderung. Der Ekel hielt ihn in einer festen Klammer gepackt, gepaart mit dem Entsetzen über die hier begannen Gräueltaten seines Oberhauptes und dessen finsterer Schar. Wie eine Woge aus schwarzer Wut mussten die Korgoner auf das Anwesen gestürzt sein, und hatten die Bewohner allesamt in einen grausamen Tod gerissen.

Inzwischen hatte sie sich durch die Gesinderäume in den Innenhof vorgearbeitet. Überall lagen die verwesenden Leichen, und auch hier stakten die Stangen in die Luft, wie auch vor dem Eingang, und auf ihnen die abgeschlagenen Köpfe der Opfer. Verwüstet von Krähen und Geziefer, dem Zerfall und der heißen Sonne ausgesetzt, starrten abscheuliche Fratzen auf sie hinab.
„Macht das weg, macht das alles weg.“: leise und schwach drang seine Stimme hervor und mit zittriger Hand gab er seinem Gefolge Anweisungen.
Wie schmählich ihm seine erste Amtshandlung als neuer Herr von Aldwain vorkam, aber der Befehl von Baron Syriandor bzw. dessen Onkel Selo war mehr als deutlich gewesen: „Geh hin und räum auf, aber gründlich!“. So hatte ihm die Nachricht gar nicht gefallen und man wollte alles schnell vertuscht haben.
Am liebsten hätte er sich in eine Ecke gesetzt, doch es gab keinen Platz an dem nicht entweder Leichen, deren Teile, Blut oder Gekröse vorhanden waren. Niederbrennen wäre vermutlich die beste Lösung gewesen, aber das war ihm untersagt.

Im Tor zum Wohntrakt der Herrschaft auf der anderen Seite des Innenhofes erschien Rohalan Albenthir, sofort raffte er sich auf, jetzt galt es keine Schwäche zu zeigen. Er war innerlich sehr froh, dass ihn der Meister der Schreibstube begleitete, auch wenn dessen Auftrag es eigentlich war einen Bericht zu verfassen, so half er ihm doch bei dieser elenden Angelegenheit und war dabei erstaunlich unbeeindruckt von alledem.
„Komm, dass musst du dir anschauen!“, rief er und grinste dabei, ohne dabei auch nur die Spur von Schwäche zu zeigen, er war schon ziemlich abgebrüht. Malphorus atmete tief durch sein Seidentuch, fasste sich Mut, unterstützt von seinem Stolz und seiner Eitelkeit und schritt würdevoll voran.
Dummerweise baute genau in diesem Augenblick einer seiner Knechte die Stangen ab, und lies diese einfach zu Boden fallen. Genau vor die Füße des Majordomus. Mit einem entsetzen Aufschrei sprang er zurück als der Kopf vor ihm auf das Pflaster klatschte und zerbrach wie eine überreife Frucht. Hirn und Gewürm spritzen auf die Kleidung, vor lauter Panik wich er zurück und trat dabei auf eine Leiche hinter sich und hinüberfiel, hinein in ein Gewühl aus Gedärm.

Lautes Lachen erschallte aus allen Ecken, die Knechte eilten herbei und konnten ihre Schadenfreude kaum im Zaum halten, am dreistesten von ihnen der Übeltäter selber, der sogar lachte.

Wie von der Tarantel gestochen erhob sich der Majordomus und stand kerzengerade mit totenbleichem Gesicht. Doch der Zorn in seinen Augen stand dem seines Familienoberhauptes in nichts nach und das Lachen verstarb augenblicklich. Der Blick war auf den Knecht gerichtet, der ihm dies angetan hatte und unverhohlen stand das Versprechen darin sich dafür zu rächen. Die Kloaken von Haselhain würden demnächst einen neuen Mann zum Saubermachen erhalten.

Mit schnellen Schritten eilte er nun zum Wohntrakt wo Rohalan wartete, dessen Lächeln aufmunternd gemeint war, zumindest redete er sich das ein. Von seinem Seidentuch tropfte eine schleimige Substanz zu Boden, sein Gesicht verzog sich, und kurzentschlossen warf er es dem Übeltäter von Knecht vor die Füße: „Saubermachen, und wenn auch nur ein Fleck übrigbleibt las sich dir das Fell gerben!“

Der Meister der Stube indes schritt voran in das angenehm kühlere Innere des Gebäudes und auch der Gestank nahm ab. Er folgte ihm und betrachte dabei ausgiebig das geschmeidige Spiel der muskulösen Schultern, ein weit schönerer Anblick als das Grauen im Innenhof. Spuren von Kampf sah man allenthalben, aber keine weiteren Leichen, ab und an ein Blutfleck, der Majordomus atmete auf.
Der Meister der Schreibstube führte ihn in den Salon und meinte: „Die Korgoner des Höllewallers haben ja ganze Arbeit geleistet, nicht einer aus dem Anwesen hat überlebt. Und sie waren so freundlich ihre Opfer in den Innenhof zu zerren und dort abzuschlachten. Der Herrentrakt ist frei von gräulichen Leichen, sieht doch alles noch ganz passabel aus.“
„Toll!“, klang es verbittert von Malphorus.
„Sei nicht so zerknirscht, du bist nun der Edle von Aldwain. Und der Höllenwaller hat dafür gesorgt das es keine Prätendenten aus dem Geschlecht Al’Duwars mehr gibt. Ein Ärgernis weniger mit dem du dich rumzuschlagen hast. Und den Dörflern hat er wie auch immer einen derartigen Schrecken hinterlassen, dass ihre Loyalität zu dir und deinem Haus nicht so leicht schwanken wird.“
„Wie soll ich hiermit je fertig werden, wer weiß ob die Geister derart Abgeschlachteter wirklich das Nirgendmeer überquert haben. Ich werde hier niemals in Frieden verweilen können, niemals.“
Rohalan begann ihn beruhigend den Nacken zu kraulen, doch er nahm dies gar nicht richtig wahr: „Beruhig dich, wir beiden sind eh keine Männer für das öde Leben auf dem Lande, wir gehören an den Hof, dort leben und wirken wir, und dort werden wir auch alt werden. Immerhin hat der Höllenwaller dafür gesorgt das du nun ein ordentliches Edeltum dein eigen nennen kannst. Mit diesem Legat wirst du dich in Haselhain noch besser behaupten können. Es macht dich zudem unabhängiger von Malepartus. Ein durchaus kluger Schachzug unseres Barons Syriandor, einerseits hat er die Verbindung zu den Helburgern gestärkt, und dich gleichzeitig unabhängiger von deren Einflüsterungen gemacht.“
„Hmm stimmt, und in Anbetracht dass ich niemals Kinder haben werde, fällt es irgendwann bequem an den Haselhainer zurück und er kann es ohne einen Streit mit den Helburgern zu provozieren neu vergeben.“
Rohalan lachte: „Na und? Bestell dir einen Vogt ein und genieß einfach die Früchte aus deinen Ländereien. Und in vielen Jahren ist dies nur noch eine kleine Geschichte an die kaum noch einer denkt.“
„Kaum noch einer denkt? Machst du Witze! Im Dorf werden sie es so schnell nicht vergessen, auch in den umliegenden Weilern wird es bekannt werden. Und dann musst du ja noch deinen Bericht schreiben. Ohweh.“
„Mach dir keine Sorgen, ich berichte was der Baron letztlich hören will. Die Familie Aldwain hat sich im Streit um das Erbe Großteils selbst ausgelöscht, der verräterische Rest um Sadia und Hadan wurde nach ihrem Attentat vom Höllenwaller gestellt und jene die nicht erschlagen wurden sind in alle Himmelsrichtungen geflohen. Und das war‘s dann auch. Immerhin ist seit dieser Kor – Nacht kein Mitglied der Al’Duwars je wieder irgendwo aufgetaucht.“
Malphorus schaute mit müden Augen Rohalan an, er hatte kaum Zuversicht das sich alles so einfach lösen lassen würde, oder doch?
„Komm!“, Rohalan zerrte ihn weiter in das persönliche Bad der Familie, und setzte den Majordomus auf den Beckenrand, griff sich eine Kanne mit Wasser und ein sauberes Tuch: „ So du beruhigst dich jetzt. Wir kehren ins Dorf zurück und als erstes ziehen wir dir mal deine schmutzigen Sachen aus, und während die Knechte hier draußen den Dreck beseitigen, werde ich dich ein wenig saubermachen!“, und dabei wischte er ihm mit dem Tuch eine Blutsprenkel aus dem Mundwinkel und lächelte dabei ganz offen von Ohr zu Ohr.

 Wappen Mittelreich.svg  Wappen Markgrafschaft Perricum.svg   Wappen Baronie Haselhain.svg   Wappen Herrschaft Aldwain.svg  
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Tsa 1039 BF zur mittäglichen Praiosstunde
Saubermachen II
Vorladung, Einladung

Kapitel 53

Nachwehen
Autor: Malepartus