Saat und Ernte - Mit Nuss ein Genuss

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Burg Silz, Ingerimm 1023 BF

Lässig lehnt sich der wuchtige Mann mit dem Quadratschädel und dem ausladenden schwarzen Bart an die Säule im Eichensaal der alten Burg Silz. Er kann bequem über die Köpfe der vor ihm Stehenden auf die Szene blicken, deretwegen sie alle hier stehen: Adel aus der Grafschaft Waldstein, Adel aus Garetien und vor allem Vasallen der Königin. Gräfin Allechandriel Quellentanz legt ihren Eid auf die Krone ab und folgt ihrer Tante Naheniel nach, die - offiziell - im Reichsforst verschwunden ist.

»Was seht Ihr jetzt?«, wisperte Germuth von Königslinden, der königliche Wägevogt von Grambusch, der wegen seines geringen Standes weit hinten stand und wegen seines geringen Körpergröße über die Hüte und Federnbüsche der ersten Reihen nicht hinwegsehen konnte.

»Jetzt tritt Luring auf, hören könnt ihr ja, oder?«, brummte Albur von Mersingen, der sich freiwillig an den Rand gestellt hatte. Er mochte das Gedränge nicht. Er mochte die Gesellschaft nicht. Und solche Veranstaltungen wie diese hier mochte er auch nicht.

»Ach ja, der Lehnseid. Lang ist’s her«, schwärmte Germuth. »Ist denn diese hübsche Praiotin wieder dabei?«

»Wen meint Ihr?«

»Na, diese blasse Praiotin, die dem Staatsrat auf Schritt und Tritt folgt.«

»Ach die, die kleine Hartsteen. Ich sehe sie nicht. Doch! Da gegenüber steht sie. Sieht aus als ob sie schläft.« Albur steckte sich eine Haselnuss zwischen die mächtigen Kiefer; er hatte beide Taschen voller Haselnüsse. ›Empfänge sind schrecklich und fast unerträglich - doch mit einer Nuss sind sie Genuss‹! Zwar hatte seien Frau ihn für diesen schauderhaften Vers gescholten, aber ihm dennoch den Beutel mit Haselnüssen mitgegeben. Die brave Frau …

Germuth von Königslinden zuppelte an der Schaube des Vogtes. »He, Mersingen. Was nun?«

»Jetzt legt Luring der Gräfin die Hände auf die Schulter, jetzt gibt er ihr den Bruderkuss … und küsst sie … und küsst … küsst …«

»Was? Er knutscht die Gräfin?«

»Unsinn, Königslinden, ich foppe Euch nur. Sie hat jetzt die Grafenkrone auf. Schick, schick. Kommt, lasst uns gehen. Jetzt werden die Waldsteiner Adligen ihren Eid ablegen. Das will ich mir nicht antun.«

Kronvogt Albur und Wägevogt Germuth verließen den Saal, doch am Portal trafen sie auf den Staatsrat, der die jungte Praiotin am Arm nach draußen führte.

»Sehrt Ihr!«, zischte Germuth. »Da läuft doch was!«