Rot und Schwarz 4 - Grau, Schwarz oder Weiß?

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Grau, Schwarz oder Weiß, du musst dich entscheiden …!

Gareth, Rondra 1034 BF

Ondinai von Weyringhaus-Helburg ging gemessenen Schrittes durch die Flure der Villa Geldana. An jeder Ecke dieses düsteren Klotzes dachte sie dankbar an das Gut Weyring zurück, auf dem sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hatte. Doch sie ließ sich von diesen Erinnerungen nicht ablenken - sie hatte ein klares Ziel, welches es unter allen Umständen zu erreichen galt.

Sie trug ein prächtiges Kleid aus roter Seide mit schwarzem Samt verziert. Eine Perlenkette schmückte ihren Hals, zwei goldene Perlenohrringe ergänzten diese, und sie hatte ihre Haare mit golddurchwirkten Schmuckbändern hochgeflochten. Sie kannte die spöttischen Gerüchte über die arme Baronin aus dem hintersten Winkel des Königreiches, und allein ihr Erscheinen strafte die bösen Klatschmäuler Lügen.

Endlich erreichte die das Arbeitszimmer ihres Vaters. Ohne die Anmeldung des Dieners abzuwarten, trat sie ein. Ihr Vater saß - wie sie es kannte - hinter dem prachtvollen Tisch, der den Raum einnahm und studierte eine Depesche. Ein wenig überrascht blickte er auf, um sogleich freudig aufzustehen und seine Tochter zu umarmen.

„Mein Kind, welch traviagefällige Überraschung. Warum hast du dein Kommen nicht angemeldet? Wir sind überhaupt nicht vorbereitet … Ist irgendetwas?“, die anfängliche Freude wich einer besorgten Miene.

„Nein Vater, es ist alles in Ordnung. Den Kindern geht es gut, meinem Gemahl auch und die Lage in Höllenwall ist ruhig. Ich habe dir übrigens dein jüngstes Enkelkind mitgebracht, er wurde am Dreißigsten Praioslauf im Götternamen der Herrin Rahja des letzen Götterlaufes geboren, und hört auf den Namen Maleparto. Es war eine sehr schwere Geburt, doch dank unserer neuen Hofheilerin Saria Wolkenstein haben das Kind und ich es gut überstanden.“, Ondinai streichelte die Wangen ihres Vaters, „Wie geht es Mutter und den anderen?“

Oldebor, sichtlich beruhigt (und in freudiger Neugier auf sein Enkelkind), erzählte von den jüngsten Begebenheiten. Der Rat der Helden und die Situation im König- wie im Kaiserreich machten ihm zu schaffen, auch wenn er dies niemals zugeben würde. Und wie immer, es wurden nicht viele Worte gemacht, aber die beiden führten ein gleichermaßen ausführliches wie herzliches Gespräch. Nach dem ganzen Dies und Das, und nachdem Diener ausgesandt worden waren, für den Abend eine kleine Familienfeier vorzubereiten, kam Ondinai auf ihr dringlichstes Anliegen zu sprechen.

„Unser Ältester Malebor ist nun als Page am Hof des Baron von Gallstein, und wird bei diesem auch als Knappe dienen“. Die Miene des Burggrafen bekam einen säuerlichen Zug. „Du weißt, dass mein Gemahl in Bezug auf seine Freundschaften einen eigenen Weg geht, und wir haben uns nach zahllosen Diskussionen darauf geeinigt. Es stand durchaus Schlimmeres zur Debatte“. Ondinai hielt kurz inne, dann fuhr sie fast gedankenverloren fort: „Dafür habe ich in Bezug auf unsere offensichtlich magisch begabte Tochter Morgai einen Kompromiss erzielen können. Du weißt von diesem älteren Bruder meines Gemahls, dem Magus Magnus. Er geht den linken Weg und setzt alles daran, auch Morgai an eine dieser Schwarzen Akademien senden zu wollen, sofern er sie nicht gar selbst ausbildet“. Der Widerwille war deutlich dem Gesicht Ondinais zu entnehmen, und auch ihr Vater Oldebor blickte grimmig. „Nun ist es so, dass man im Haus Helburg nicht wirklich gut auf die weißen Akademien zu sprechen ist. Man fürchtet einen Konflikt innerhalb der Familie, sollte Morgai an einer von diesen lernen. Mein Gemahl Malepartus stellte es mir großzügig frei, eine passende graue zu suchen, sofern sie adäquat und bezahlbar sei“. Ondinai wirbelte herum und warf sich ihrem Vater zu Füßen, sie umklammerte seine Knie und sah ihn flehentlich an: "Papa, es gibt nur eine adäquate graue Akademie im Reich, gegen welche Magnus nichts einwenden könnte, und das ist Punin!"

Der Burggraf spitzte die Lippen und wiegte bedächtig sein Haupt, sagte aber zunächst nichts. Seine Tochter fuhr fort: "Bitte hilf mir, dass Morgai an der Akademie zu Punin angenommen wird. Es ist zugegeben nicht nur ein politisch heikles Problem, sondern auch ein finanzielles!“.

Oldebor lächelte, er kannte seine Tochter: einst trotzig, verwöhnt und dickköpfig hatte sie sich zu einer gekonnten Strippenzieherin entwickelt: “Nun denn, meine Liebe, ich will nicht viele Worte machen - also soll es so sein. Die finanziellen Dinge lassen sich mit Sicherheit regeln. Und was den heiklen Rest betrifft-". Der Burggraf legte den Kopf schief und dachte kurz nach, bis ein feines Lächeln seine Mundwinkel kräuselte. Bedächtig sprach er weiter: "Wenn ich ehrlich bin, kann mir diese Sache bei einem anderen Anliegen sogar behilflich sein. Wenn es schon eine Angelegenheit ist, die Diplomatie und Fingerspitzengefühl ...", was er mit einer entsprechenden Geste untermalte, "... erfordert, dann wollen wir doch gleich ein richtiges Phexensstück daraus machen." Ondinai blickte ihn etwas verwirrt an, behielt ihre Fragen aber für sich. Sie kannte ihren Vater gut genug - er würde ihr schon alles sagen, was sie darüber wissen sollte. Schon war Oldebors Lächeln wieder einer ernsteren Miene gewichen: "Und wenn wir Morgai damit den Klauen dieses Schwarzkünstlers entreißen, umso besser. - Doch nun“, er half seiner Tochter auf, „lass uns etwas essen. Ich brenne darauf, mein jüngstes Enkelkind zu sehen. Und mach dir keine Sorgen, ich werde alles richten!“

Zufrieden gingen beide hinaus, der Vater den Arm um seine Tochter gelegt. Ganz wie in den guten alten Zeiten.