Rot und Schwarz 25 – Der Aktenkerker

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Helburg, am 5 Boron 1037BF.

Unterhalb der Helburg gab es ein Labyrinth aus Gängen und Zellen, den Großteil hatten Gefangene über Jahrhunderte hin graben müssen. Etwa Zweidrittel dieses Labyrinths diente als kgl. Kerker, dessen einzige Ausgang durch die Helburg führte, oder durch einen tödlich endenden Sprung in die Klamm, sofern es einem gelang die Gitter zu beseitigen. Das andere Drittel wiederum bildeten die Folterkammer und Verhörräume, das kleine offizielle königlichen Archiv und die großen geheimen Archive der Helburger. Zutritt zu den letzteren Archiven hatte nur eine Handvoll Personen, Schlüsselträger gab es sogar nur zwei. Der eine davon der Baron von Höllenwall, der andere der Archivar der Familie.

Penibel sortierte Molinus von Helburg, ein Großvetter dritten Grades zum Baron, die alten Dokumente, und machte sich Notizen für sein Registersystem. Er ließ sich dabei Zeit, denn davon hatte er hier tief im Berg reichlich. Sein Haut war noch heller als das Pergament, und so dünn das die Adern deutlich erkennbar waren. Um ihn herum stapelten sich die Hinterlassenschaften der Nymer. Und bis vor kurzem nicht Mittelpunkt im Interesse des Barons. Nun jedoch hatte Molinus die Anweisung sie zu sortieren und nach interessanten Hinweisen bezüglich des Geheimnisses des Löffels, jedoch auch jeglicher Korrespondenz zum Haus Falkenstein und um irgendwelche alten Steine zu machen.
Die Nymer waren aber zu seinem Kummer genauso unordentliche Chronisten gewesen, wie sie auch kaum Ordnung in ihren Landen einst hatten. Verschollen war leider das Stammbuch der Familie, ein legendäres Machwerk, begonnen noch in der Zeit der klugen Kaiser, zu dem er immer wieder Hinweise fand, nicht jedoch das Buch selber. Molinus befürchtete das es seiner Sippschaft zum Opfer gefallen war, am liebsten hätten sie alles was sich auf die Nymer bezog ausgelöscht. Und wenn er sich diese Schlamperei so anschaute, bedauerte er es fast, dass sie es nicht getan hatten. Er würde sich viel lieber mit der Chronik seines Hauses und der Baronie befassen. Er musste noch so schrecklich viel schreiben und ergänzen. Die Landreform hatte doch für einige Änderungen geführt. Und nun verbrauchte er seine Zeit wegen eines Löffels und eines Steines.

„Schlaf nicht ein!“, schnarrend fuhr es ihn an. Diese miese kleine…….. Molinus beherrschte sich, zuweilen wünschte er sich, er könnte Luzz mit dem Gesicht solange gegen die Felswand schlagen, bis endlich Ruhe herrschte. Das jedoch wäre sein Todesurteil gewesen, weswegen er davon erneut Abstand nahm. Aber die Familiengesetzte über das Archiv waren sehr streng, und da nach dem Brand von 399BF niemals mehr eine offene Flamme als Lichtquelle benutzt werden durfte, musste er sich wie alle anderen vor ihm mit dieser beseelten zweitklassigen Arbeit eines khunchomers Artefakten Pfuschers herumschlagen. Was in Hesindes Namen konnte denn so schwer sein einen Flim Flam zu binden. Sicherlich, Luzz gab immer an wie besonders er sei, da er es vermochte sich selbst mit arkaner Kraft aufzuladen und der Zauber niemals erneuert werden musste. Leider eben auch beseelt, und das mit einem über die Jahrhunderte ziemlich zynisch gewordenen Besserwisser.

„Das da sieht doch interessant aus, los Dummkopf, lass und darin lesen.“, schnarrte der silberne Leuchter, auf dessen Kelch sich ein kleines Gesicht befand. Eigentlich eine hässliche Fratze, den Wasserspeiern der Helburg nicht unähnlich. Das eine musste Molinus ihm lassen, er hatte einen untrüglichen Instinkt entwickelt für alte Schriften, und beherrschte wohl auch viele Sprachen. Mit der rechten Hand nahm er ein kleine Büchlein von einem Stapel, darauf ein Falke und ein Einhorn.