Rot und Schwarz 16 – In Praios Namen

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Lyck, 1037BF.

Lyck, ein Ort den Satinav vergessen zu haben scheint. Noch immer steht die große Villa Apaxon im alten bosparanischen Baustil an der Stirnseite des großen Forums. Darum gruppierten sich die fünf später errichteten prächtigen Stadthäuser der Getreuen. Anderswo hätte man schlicht und ergreifend Marktplatz gesagt, die Einwohner von Lyck jedoch bestanden auf den alten Begriff. Und tatsächlich spielte das Leben dieses Ortes in erster Linie auf diesem Forum statt. Ein Hauch der alten und glorreichen Zeit lag unsichtbar über dem alten Pflastersteinen. Ein Augenfang für jeden war die Statue Lykarus Apaxon, jenen legendären Gründer von Lyck, der diesen Flecken Land vom Horas für sein Altenteil bekam, und mit fünf Getreuen Legionären und deren Familien sich hier ansiedelte. Vor jeder der Häuser zierte der Eingang ein Mosaik mit deren Motiven, alles atmete den Zauber der Vergangenheit, sofern man nicht gegen Süden schaute.
Dort thronte das Domicillum Prajanos, der überaus protzige Praisotempel mit seiner patinierten Kuppel. Das Gold was einst die Kuppel bedeckte war mit dem Untergang seiner Bauherren, den Priesterkaisern, verschwunden. Unter sich begraben hatte es die Villa Aranna, die Aranna von Muspell zu Zeiten Kaisers Reto hier hatte erbauen lassen. Ja in Lyck waren die alten Geschichten noch gegenwärtig.
Damals schon war man unglücklich, dass der Herrschaftssitz der Muspell einen Teil des Forums vereinnahmte, aber man hatte sich schnell an das Bauwerk gewöhnt, welches den Stil der anderen Villa entsprach. Nicht gewöhnen konnten und wollten sich die Einwohner an dem Haus Praios.

Große Betriebsamkeit herrschte dieser Tage, ein halbes Schwadron Husardeure waren mit dem Herrn Baron und seiner Vögtin angereist.
Der Kerkerwagen wurde von einem Dutzend Gardisten der Helburg bewacht, und die Banner der Helburger wehten allenthalben. Es war mal wieder Gerichtstag zu Lyck, und es hatte sich einiges angestaut was nun endlich abgearbeitet werden musste. Allen voran der Mord an Ascurian Vallendor, ein Mitglied einer der großen alten Familien, von deren ursprünglich sechs es nur noch zwei gab. Angeklagt war Rondarian Canarius, ein Heißsporn aus der zweiten der großen alten Familien.
Die Unlust an diesem Prozess war dem Herrn Baron deutlich anzumerken, die Beweislast war genauso vage wie die Argumente der Verteidigung. Beide Seiten hatten fast ein Dutzend Zeugen aufgefahren, die allesamt in ausführlicher Manier palaverten. Indizien auf Indizien, aber keine stichhaltige Beweise. Die Verhandlung ging nun bereits in den dritten Tag. Nachdem der Herr Baron allerdings in einem kleinen Nebenprozess einen Hühnerdieb mit hundert Stockhieben bestrafte, verkürzte sich die Aussagelust der Zeugen deutlich.
Nun am dritten Tag, wartete das Volk gespannt darauf wie es weiterging. Würde es ein Urteil geben, oder endete es aufgrund mangelnder Beweise mit einer Einstellung des Verfahrens.
In den letzten Jahren hatte die Baronin Ondinai von Weyringhaus das Gericht gehalten, die oft Milde walten lies und für Ausgleich bei Streitigkeiten sorgte. Als nun aber der Höllenwaller anreiste, fuhr vielen der Schreck in die Glieder, von ihm waren solche Urteile nicht zu erwarten. Er neigte zur Strenge, harte Bestrafung und regelrechter Willkür. Manch einer versuchte noch seine Anklage zurückzuziehen, vergebens.

Gericht gehalten wurde an der Villa Apaxon, die nun seit Jahrhunderten den Einwohnern von Lyck als Gemeindehaus diente, und in der der Name des Gründers in Ehren gehalten wurde. Viel Volk hatte sich auf dem Forum versammelt, selbst Neugierige aus Garmbinnen waren angereist.
Oberhalb der marmornen Stufen des Einganges saß der Baron, rechts neben ihm die Vögtin Magnata von Helburg, und links neben ihm der Statthalter von Lyck, Honorius Binsenhalter. Letzteres machte ein sehr unglückliches Gesicht. Er war weder seinem Amt, noch den Bewohner und erst recht nicht dem Baron gewachsen, und trug als Zeichen der offensichtlichen Unzufriedenheit des Höllenwallers ein schillerndes Veilchen zu Tage.
Der Prälat Eslamo Rappsilber stand hinter dem Statthalter, und galt als beratene Instanz, indes schien der Herr Baron keinerlei Interesse an dessen Ratschlägen zu haben.
Die Anklage der Familie Vallendor wurde im Namen des Barons vertreten durch seine Wohlgeboren Morganus Cordovan von Helburg, ein direkter Vetter des Höllenwallers und echter Winkeladvokat. Immer wieder verwirrte er geschickt die Zeugen der Verteidigung, und führte ihre Aussagen ins Absurdum. Rondarian Canarius, der sich stolz selbst verteidigt hatte forderte seinen eigenen Freispruch, die Anklage forderte die Todesstrafe. Alle Blicke richteten sich gespannt auf den Baron von Höllenwall und erwarteten das Urteil. Für einige Sekunde herrschte eine dermaßen erschreckende Stille, dass man meinen konnte, ein Magier hätte einen Silentium gewirkt.

„Im Namen des Herren Praios und ihrer ksl. Majestät der Königin Rohaja von Gareth, verurteile ich Euch Rondarian Canarius zu nicht weniger als zwölf Jahre Minenarbeit in den Steinbrüchen von Niffelheim, wandelbar in 24 Jahre Kerkerhaft auf der Hel! Ihr habt das Gericht nicht von eurer Unschuld am Tode von Ascurian Vallendor überzeugen können. Mag sein, dass man euch die direkte Tat nicht beweisen kann, so sprechen doch alle Indizien gegen euch. Solltet ihr selbst nicht den Dolch geführt haben so habt ihr dem Mörder Tür und Tor geöffnet, und durch eure Aussagen gedeckt. Eine direkte Mittäterschaft kann als bewiesen angesehen werden. Das Urteil wird augenblicklich vollstreckt. Wachen, legt ihn in Ketten!“

Allgemeine Erregung ergriff das Volk. Rondarain Canarius war totenbleich anzusehen, einige seiner Familie und Freunde wollten ihm zu Hilfe eilen, wurden aber von den berittenen Husardeuren abgedrängt. Die Gardisten der Helburg legten den Verurteilten noch an Ort und Stelle Eisenkragen, Hand- und Fußketten an und zerrten ihn in den Gefängniswagen, der von vier sabbernden Bluthunden bewacht wurde. Zufrieden wirkten nur die Mitglieder der Familien Vallendor und deren Gefolgsleute. Das Gericht zog sich in die Villa Apaxon zurück, welche seit seiner Ankunft auch als Unterkunft diente. Zuvor verkündete die Vögtin von Höllenwall für diese Nacht eine Sperrstunde ab Einbruch der Dunkelheit, damit die Sicherheit gewährleistet blieb. Murrend verstreute sich das Volk.

Villa Apaxon, zu sehr später Stunde (weit nach Sonnenuntergang):

Ein Mann in einem Kapuzenumhang näherte sich der Villa Apaxon von der Seite. Er flüsterte der Wache etwas zu und durfte passieren, seine Ankunft wurde bereits erwartet und ein Diener führt ihn in die Küche.

„Nehmt Platz! Auch ein Süppchen?“
„Äh, euer Hoch..äh, nein Danke.“
„Das Urteil dürfte euch zufrieden stellen, (schlürf) ich denke es war sein Preis wert.“
„Aber sicher doch, ich bin euch zu tiefstem Dank verpflichtet.“, holte einen Beutel hervor und hielt ihn ergeben hin.
„Gebt ihn meiner Schwester! (schlürf) Für euch hoffe ich dass ihr nicht versucht uns übers Ohr zu hauen. „
„Bei den Zwölfen, auf keinen Fall.“, die Schwester nahm ihn derweil den Beutel ab und schüttete den Inhalt auf die Tischplatte, im matten Licht der einen einzigen brennenden Kerze funkelten die Edelsteine im satten roten Glanz.
„Wirklich schön, es freut mich dass eure Kontakte über die Grenze immer noch so hervorragend funktionieren. Unseren zukünftigen Geschäften (schlürf) wird dies sehr hilfreich sein.“
„Was ist mit den Garm? Solange sie in Trollbrück schalten und walten wird es schwer werden die Waren ungesehen ins Land zu bekommen. Vor allem jetzt nachdem ihre Parteigänger den Prozess verloren haben. Sie werden sicherlich auf Rache sinnen, und meiner Familie das Leben schwer machen.“
„Das braucht euch nicht zu kümmern. Demnächst weht hier in den Waller Landen ein anderer Wind.“, und ein dröhnendes Lachen folgte den Worten.
„Auf Caldarios!“
„Auf Caldarios“, schallte es wieder.

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3. Eff 1037 BF zur mittäglichen Praiosstunde
In Praios' Namen
Der Brautvater fehlt

Kapitel 17

Auf den Hund gekommen
Autor: Malepartus