Rot und Schwarz 12 - Irgendwo im Nirgendwo

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in der Nähe von Eichwyl, 26 Rondra 1037BF.

Mit Schwung und Kraft fraßen sich die Zähne der Säge in den Stamm, die Sägespäne flogen nur so im hohen Bogen umher. Die langen Griffe der Säge wurden von den starken Armen von Joll und Gastar bedient. Beide stammten aus Eichwyl, dem wohl langweiligsten, hinterwäldlerischsten Kaff in ganz Höllenwall, zumindest wenn man den Berichten Reisender glaubte. Joll und Gastar gaben auf solcherlei Geschwätz nix, sofern es ihnen überhaupt zu Ohren kam. Wer inmitten der Schneise zwischen dem Silva Vetusta lebte, bekam nicht viel mit von der großen Welt ringsum. Die Schatten der finsteren Bergwälder die sich hier mit den Resten des alten Mittwaldes trafen wurden von seltsamen Kreaturen bewohnt. Beide waren nie weiter gewesen als in Albenwyl, das weiter nördlich lag. Immerhin hatte es dort eine Kneipe. Endlich hatten sie den Stamm durchgesägt, und mit dem letzten Streich baten die Beiden den Baumgeist Buhabeel um Verzeihung. Ja, hier in Eichwyl wusste man noch von den alten Geistern, in deren Mitte man lebte und die man sich gefälligst freundlich zu halten hatte. Zufrieden wuchteten sie das abgesägte Stammstück auf den Wagen, und gönnten sich eine Pause. Sie holte den Krug mit gepanschten Wein hervor, und das in einem rotweißkarierten Tuch eingewickelte Brot. Zudem die tönerne Dose mit Schmalz. Gerade als sie genüsslich abbissen, erschien auf der Hügelkuppe im Norden ein Reiter, dicht gefolgt von einem zweiten Reiter.
Joll schirmte sich mit der Linken die Augen ab, um besser sehen zu können, mit der anderen Hand führte er ungerührt der nahenden Reiter, sich weiterhin Schmalzbrot in den Rachen.
„Du Gastar, schau, die kommen direkt auf uns zu.“, und Gastar tat es ihm gleich, schaute und kaute.
Als die Reiter nicht länger nur schwarze Flecken in der grünen Heidelandschaft waren, erkannten sie, dass es sich um Ritter handeln musste. Obwohl bei allen Götter und Geister sie dies sehr wunderte, den Ritter von der Waldwacht (Laray) im Norden sah man nur wenige male im Jahre.
„Zu dick!“
„Zu dick?“
„Joo zu dick, das ist keiner aus Waldwacht, die Elfenritterlein sind schlanker.“
„Stimmt, zu dick.“
Unbehagen beschlich die beiden, es kamen eigentlich nur noch nur noch Ritter der Hel oder der Garm in Frage. Und beides waren unangenehme Gesellen. Noch schlimmer waren Fremde, gar Söldner die es neuerdings wieder verstärkt nach Höllenwall zog.
„Ich muss mal p……….!“
„Ich auch.“
Standen stracks auf und verzogen sich in den nahen Wald. Gleich den Bären erklommen sie eine hohe Tanne, nicht ohne zuvor den Baumgeist um Verzeihung zu bitten. Etwa nach zwei Drittel des Stammes überragte die Tanne die angrenzenden Bäume, und beide sahen ihren Wagen, den der Ritter mit seinem Waffenknecht nun erreicht hatte. Es war ein Garm, der schwarze Hundekopf auf dem gelben Grund war nun deutlich auf der Tunika zu erkennen.
Der Herr Ritter beschloss eine Rast zu machen, und tat sich mit seinem Begleiter ungeniert am Wein, Schmalz und Brot der Beiden gütlich. Und während der Ritter so da saß und schmauste, und Gastor ihm am liebsten einen großen Zapfen an den breiten Schädel geworfen hätte, bemerkte Joll eine schnelle Bewegung inmitten des hohen Heidegrases. Aus dem Osten kommend huschten mehrere dunkle Schatten direkt auf den Ritter und dessen Gefährten zu, die davon nichts bemerkten. Joll zupfte Gastar, den auf einem höher Ast saß, am Fuß und deutete auf die Schatten. Beide beobachteten gespannt was da kam.
Ferkinas!
Mit Schrecken erkannten die Beiden die Wilden aus dem Wall, sie sahen ganz so aus wie man sie von den alten Erzählungen her kannte. Wild und gefährlich.
Wispernd fragte Joll:“Sollen wir sie warnen?“, und Gastar antwortete mit rauem Flüsterton: „Nee!“.
Und dann ging der Tanz los, aus dem Hinterhalt überfielen die Wilden den Ritter und seinen Begleiter. Doch der Garm war aus hartem Holz, es gelang ihm sein großes Schwert zu ziehen und er zog es den Wilden über den Pelz. Sein Begleiter hatte weniger Glück, schreiend brach er unter den Schlägen der Wilden zusammen und wurde zerhackt. Ein ungleichen Kampf entbrannte, in Überzahl die Wilden, jedoch deutlich schlechter gerüstet und bewaffnet. Der große Garm gewappnet und sein tödliches Schwert schwingend, stand wie ein Fels und hielt blutige Ernte. Doch mit jedem Ferkina der starb wurde der Rest noch wilder. Bald blutete der Garm aus vielen kleinen Wunden, aber nur zwei Gegner standen noch. Die Wilden belauerten den Ritter, wie Wölfe einen Auerochsen, sie umkreisten ihn und hielten dabei Abstand, so dass die Attacken des Ritters sich nicht gegen beide richten konnten. Der Garm atmete schwer, und versuchte die letzten beiden Gegner im Auge zu behalten, dann entschloss er sich zum Ausfall. Mit einem Satz sprang er einen der Wilden an und führte einen solche heftigen Hieb das dieser regelrecht gespalten wurde. Doch dies nutzt der Zweite, er sprang den Ritter von hinten an und durchschnitt ihm die Kehle. Gurgelnd brach der Garm zusammen, während der Wilde weiterhin auf ihn einstach. Was für ein Gemetzel, die Wilden wurden ihrem Ruf gerecht. Der letzte Überlebende heulte laut auf, ob vor Siegesfreude, Wut oder Trauer man nicht sagen konnte. Er schnitt seinen Gegnern die Ohren ab, und dem Ritter noch die Rechte Hand, an der sich ein großer goldener Ring befand. Da das große Schlachtross vor ihm scheute, bestieg er das Pferd des Waffenknechts, und führte das Zweite an einer Leine hinter sich her.
Der Spuk war vorbei, und als der Ferkina mit seiner Beute im Osten verschwunden war, trauten sich Joll und Gastar auch wieder herunter. Vorsichtig beäugten sie die Toten, ein grässlicher Anblick. Schnell waren die Toten durchsucht, was an Wert vorhanden war verschwand in ihren Taschen. Die Waffen ließen sie jedoch liegen, mit sowas wollten sie nicht erwischt werden.
„Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhh“, ein Stöhnen ließ die Beiden vor Schreck zusammenzucken, einer der Ferkinas begann sich wieder zu rühren, trotz seiner grässlichen Wunde. „Holft mirrrr!“ flehte er die verdutzten Burschen an. Gastar nahm entschlossen seine Axt und gab dem Wilden den Rest.
Joll wirkte unsicher: „Was machen wir mit den Toten?“.
„Nix!“
„Nix?“
„Joo, nix.“
„Gut“.
Beiden schauten sich stumm an, spannten den Esel vor den Wagen und machten sich auf den Heimweg. Den Rest des Baumes würden sie zurücklassen, er gehörte wieder dem Wald, ebenso die Toten. Der Wald holte sich irgendwann alles zurück.
„Müssen morgen dann noch das Holz sägen und spalten.“
„Joo, und dann sichten und lagern.“
„Dann ist noch der Weidezaun von Gumpe zu machen.“
„Der Stall von Oma Konda braucht neue Bretter für die Pferche.“
„Melle hat bald Geburtstag, muss noch was schnitzen.“
„Joo, gar keine Zeit der Schulte was zu sagen.“
„Was sagen?“
„Keine Ahnung, hab‘s vergessen.“

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26. Ron 1037 BF zur mittäglichen Rondrastunde
Irgendwo im Nirgendwo
Ein zweites Haus

Kapitel 13

Unbändige Wut – Unstillbarer Hunger
Autor: Malepartus