Ringen um Recht und Freiheit 12

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Der Sohn des Gorsch hatte gerade Gallfels verlassen, sein kleiner Trupp eilte nach Zagbar zurück. Seine Kutsche mit dem Grafenzehnt war nicht rechtzeitig eingetroffen, trotzdem er seinen Aufenthalt bis an die Grenzen der Etikette ausgedehnt hatte.

"Nicht zu den einfachsten Dingen ist dieser Kupfergrab zu gebrauchen." Gorbons Wut hatte sich von Stunde zu Stunde aufgeschaukelt. Seine Fluchtiraden erfuhren einen jähen Höhepunkt, als die Kutsche plötzlich stoppte.

"Herr, das solltet ihr Euch ansehen!" klang die vorsichtige Stimme des Kutschers.

Die Berittenen stiegen von Ihren Pferden als Gorbon die Kutsche verließ. Fassungslosigkeit stand ihnen auf den Gesichtern. Gorbon traute seinen Augen nicht. Mitten auf dem Weg lagen die verbrannten Überreste einer Kutsche - seiner Kutsche. Die schweren Beschläge und die Reste der schweren Räder ließen keinen Zweifel.
Am Rande des Weges hatte jemand neun kleine Gräber aufgeschüttet. Der Schnee der letzten Tage hatte sich bereits wie ein weißes Tuch über den Wald gelegt, doch noch immer konnte Gorbon die großen dunklen Flecke um die Kutsche herum sehen.
Gorbon kniete nieder. Zwei dieser Gardisten gehörten zu seiner Sippe. Seine Wut verflog und Trauer durchströmte sein Herz. Gedankenverloren zeichnete er ein Boronrad in die Luft. Langsam erhob er sich. "Auf nach Zagbar, und spart nicht mit der Peitsche!"

Drego von Kupfergrab hatte sich nach dem Überfall von seiner Schwester verarzten lassen und nur gegen ihren Willen konnte er sich wieder aufmachen um am gräflichen Hof Meldung zu machen. Da er dabei aber nicht seinem Herrn Gorbon, Sohn des Gorsch begegnen durfte, entschied er sich den Umweg über Fremmelsfelde zu suchen und kurz auf Burg Gippelstein seinen Verbündeten aufzusuchen. Nach seiner Ankunft mußte man erst nach dem Vogt von Fremmelsfelde schicken lassen und so wippte er auf seinem Stuhl hin und her, während er mit einer Golddukate spielte. Die Tür öffnete sich und Junker von Hahnentritt betrat die Stube.

"Man hört Ihr ward erfolgreich in einigen Unternehmungen. Ich ziehe meinen Hut für euer geschicktes Vorgehen", Vogt von Hahnentritt deutete eine Verbeugung an, "Nur schade, dass ihr so arg verletzt wurdet." Dregos Blick verfinsterte sich. Gelangweilt schnippte er die Golddukate in Brasiberts Richtung. Ohne besondere Mühe fing der Junker die Dukate und setzte sich zu seinem Verbündeten.

"Es wird Euch freuen zu erfahren, das die Tage Eures Lehnsherren bereits gezählt sind." Drego blickte erstaunt. "Zwar hat der Graf ihm eine Gnadenfrist gewährt, um seine Unschuld zu beweisen, doch werden die ausbleibenden Zahlungen - dank Euch - den Grafen zum Handeln zwingen", gab von Hahnentritt seine Neuigkeiten zum Besten.

"Eine Gnadenfrist?", fragte Drego nachdenklich.

"Macht euch keine Sorgen. Was sollte er schon vorbringen können?", entgegnete Brasibert.

"Nun ja" ,erwiderte Drego, "was wenn er die Almadanerin zum Grafenhof bringt?"

"Welche Almadanerin?" Brasibert spürte, dass er mit dieser Frage seinen Ruf als gut unterrichteter Informant verlor.

"Die Truppen des Barons fanden sie auf der Fremmelsfelder Seite des Zagrosch. Sie wurde in den Katakomben der Schwarzen Feste arretiert. Ich hörte, Sie wurde vom Baron selbst verhört, was mich vermuten lässt, dass Sie ihm alles erzählt hat, was sie wusste." Drego verzog das Gesicht bei der Vorstellung an die ihm bekannten "Verhöre".

"Eine nichtige Kleinigkeit", entgegnete von Hahnentritt und rieb sich nachdenklich das Kinn, "Die Frau kann nichts wissen, das unsere Pläne gefährden könnte."

"Sicherer wäre es, wenn wir sie trotzdem beseitigen würden. Wie wäre es, wenn Ihr Eure Nützlichkeit in unserem Bündnis unter Beweis stellt", entgegnete Drego scharf.

Von Hahnentritt überlegte kurz und entgegnete dann mit einem Lächeln auf den Lippen: "Nun, ich werde Euch diesen Gefallen tun." Um seinen folgenden Worten mehr Nachdruck zu verleihen, wich das Lächeln. "Eure letzten Unternehmungen dürften recht einträglich gewesen sein. Ihr werdet eine Summe von Hundert Dukaten sicher für einen solchen Dienst entbehren können!"

Angespannte Stille kehrte ein während die Blicke der beiden Junker sich durchbohrten.
"Sorgt nur dafür, dass mir der Zagbarer nie wieder unter die Augen kommt!" ermahnte er Brasibert von Hahnentritt und warf einen Beutel auf den Tisch dessen scheppernder Inhalt eine gute Bezahlung ahnen ließ.

Brasibert wog die Börse nachdenklich in seiner Hand. Keinesfalls würde es sich um die geforderten hundert Dukaten handeln. Siebzig bis Achtzig würde er schätzen. Fragend blickte er in Dregos Gesicht, dessen Brauen sich verärgert zusammenzogen.

"Sorgt Euch nicht! Es wird alles nach Phexens Willen verlaufen", entgegnete Brasibert unverbindlich und ließ den Beutel unter seinem Wams verschwinden.

"Haltet Euch die nächsten Tage fern von Zagbar und lasst Euch bei der Rückkehr Eures Herrn nicht in Gorgan auffinden", wies von Hahnentritt Drego im Gehen an.

"Das hatte ich nicht vor", seufzte Drego leise als sich die Tür hinter ihm schloss.