Raschtulswaller Ränke - Vergiftetes Geschenk

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Mitte Peraine 1042 BF, am Hafen der Reichsstadt Perricum

Leobrecht stand an der Reling und beobachtete den Hafen, während das Segelschiff „Ehre von Effora“ Perricum gen Efferdstränen verließ.

Nach dem heftigen Streit mit seiner Frau, hatte er die Baronie Wasserburg überhastet verlassen, ohne mit ihr noch einmal zu reden. Er war augenscheinlich noch wütend, aber auch unglücklich mit der Situation. Sie hatten ein ehernes Abkommen, wenn sie abends zu Bett gegangen waren, waren alle Kämpfe ausgefochten.

Die letzte Nacht in Wasserburg verbrachte er hingegen gar nicht neben ihr. So gestritten hatten sie sich noch nie. Und das in über dreißig Jahren der tiefsten Verbundenheit. Der Streit machte den Reichsvogt sehr betrübt.

Er bat Korhilda Wasserburg zurück zu geben, um dem Ränkespiel, welches er vermutete, zu entgehen. Da brach der Streit los und eskalierte.

Leobrecht wusste irgendwas stimmte hier nicht in der Markgrafschaft. Er vermutete eine Intrige. Man hatte seine Frau als Oberhaupt des Hauses Sturmfels abgesetzt, das sagte ihm sein Bauchgefühl. Die Wasserburg war ein vergiftetes Geschenk, da war er sich sicher.

Zudem ergab sich durch die Belehnung seiner Frau die Konstellation, dass aus seinem Sohn ein Erbbaronet wurde, da Hilda sich weigerte die Erblinie auf Leonora zu übertragen. Ein Erbe einer Baronie, was ja durchaus was Positives. Doch Wolfarans Stellung als erster in der Erbfolge würde es dem Reichsvogt erschweren ihn auf königliche oder kaiserliche Posten im Range eines Vogtes zu manövrieren.

Sein nachfolgendes Kind, die halbwüchsige Leonora, war noch zu jung für politische Ambitionen in höheren Ämtern. Eine Krux, dem Haus Ochs fehlte eine ganze Generation.

Er hoffte seine Frau wäre stark und standhaft genug, sich unbewusst gegen diese versteckte Intrige zu wehren, wenn er sie schon nicht von ihrem Rücktritt überzeugen könnte. Die Kröte mit Wolfaran als Erbe musste er wohl oder übel schlucken.

Leobrecht kam zu dem Entschluss, dass es nichts brachte sich weiter aufzuregen. Die Sachlage ließe sich nicht mehr ändern, solange Korhilda darauf bestand Baronin zu bleiben, die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Es ist, wie es ist! Er wollte den Blick nach vorne richten und die Gegebenheiten annehmen. Kein Joch zu groß!

Der Reichsvogt dachte kurz darüber nach, dem Kapitän zu sagen, er solle in den Hafen zurück fahren. Aber er entschied sich dagegen, er konnte seiner Frau zurzeit nicht unter die Augen treten, es brodelte in ihm, das würde nur noch mehr Porzellan zerschlagen. Er musste sich innerlich abkühlen, die Situation musste sich beruhigen.