Raschtulswaller Ränke - Sturmfelser Sturheit

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Phex 1042 BF, Burg Barbenwehr

Korhilda, noch leichenblass, konnte zumindest schon mit Unterstützung eines Kissens sitzen. Ihr Gatte half ihr und reichte ihr die Suppe. Bewegungen schmerzten noch sehr und sie fühlte sich immer noch entkräftet.

Sie biss ein Stück vom frischgebackenen Brot ab, als ihre Freundin Gidiane - nach erzwungenem Ende der Fehde - wieder zurück an ihre Seite geeilt - mit einem Schriftstück, gesiegelt mit einem markgräflichen Siegel, durch die Tür schritt. „Du hast Post bekommen.“ Die Weißbarûnerin reichte der im Bett liegenden Sturmfelserin das Schreiben, die dieses öffnete und las.

„Der Senneschall wünscht mich zu sprechen, umgehend soll ich zum Markgrafenhof reisen, wo er sich aufhält.“ „Hilda, du bist noch zu schwach, bitte ihn um Aufschub“, Leobrecht war besorgt.

„Nein, der Markgraf ist mein Lehnsherr, wenn sein Senneschall mich unbedingt sehen möchte, werde ich seinen Anweisungen Folge leisten.“ Korhilda war fest entschlossen dem Wunsch nachzukommen.

Gidiane wandte sich an ihre Freundin. „Ich werde uns eine Kutsche besorgen und eine Trage, damit wir Dich dorthin transportieren können.“

Korhilda dachte lange nach. „Eine Kutsche hört sich gut an. Doch ich werde nicht auf einer Trage liegend mich zu ihr tragen lassen. Ich werde auf meinen beiden Beinen, meine Füße werden ich tragen, dorthin gehen. Parkt die Kutsche so nah wie möglich und wählt mir einen Weg mit den wenigsten Treppenstufen.“

„Hilda das ist unvernünftig.“ fürsorglich dachte der Reichsvogt nur an das Wohl seiner Angetrauten.

„Das mag sein, aber ich werde nicht getragen. Ich gehe. Punkt!“ für die Sturmfelserin war die Sache klar.

„Und Du sagst mir immer, ich sei stur. DU bist stur wie ein Ochse.“, ihr Gatte war wahrlich nicht einverstanden mit der Entscheidung seiner Frau, wusste aber auch, wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hatte, war sie nicht umzustimmen.

„Ich bin seit über dreißig Götterläufen mit Dir zusammen, ich denke Deine Sturheit hat abgefärbt.“ Korhilda musste Lachen, was sie sehr schmerzte.

„Leobrecht bring mir bitte meine Uniform und mein Schwert. Gidiane, bitte kümmere Dich um die Kutsche.“

Leobrecht half seiner Frau und zog sie um. „Ich werde Dich begleiten, Liebste. Du brauchst Unterstützung.“

Korhilda strich ihm sanft über die Wange. „Das geht nicht und das weißt Du. Wegen der Differenzen zwischen dem Haus Ochs und dem Haus Paligan seit dem Arvepass Vorfall wäre es unklug, wenn Du mit mir kommen würdest. Du musst Dich um Etilian kümmern, pass auf ihn auf. Ich werde Gidiane bitten, mich zu belgeiten, sie wird auf mich aufpassen.“

Ebenjene Gidiane betrat wieder das Zimmer. „Die Kutsche ist bereit“

Korhilda versuchte aufzustehen, ihre Beine waren wackelig und knickten gleich ein, ihr Gatte fing sie auf. Er wollte ihr wieder sagen, dass sie die Trage nehmen sollte, doch ihm war klar, sie würde nicht hören. Also entschied er sich anders. „Du wirst jetzt versuchen zwischen mir und Gidiane hin und her zu gehen. Wir werden Dich stützen und auffangen. Wenn Du dann sicherer auf den Beinen bist, wirst Du zur Kutsche gehen können.“

Korhilda wankte wie ein Besoffener zwischen den beiden hin und her. Wenn sie fiel, fing sie einer der Beiden auf und stellte sie wieder hin. Arishia klopfte an und kam herein. „Ich habe einen Weg ausgemacht, möglichst schnell, so wenig Stufen wie möglich.“

Leobrecht nahm seine Frau zum Abschied in den Arm und küsste sie innig. „Wäre ich nur so stark wie Du, pass auf Dich auf, ich liebe Dich.“

Die Sturmfelserin erwiderte die Liebkosungen. Anschließend zog sie sich die Uniform gerade, richtete das Schwert und ging langsam, einen Fuß schwerfällig vor den anderen setzend aus der Tür hinaus.

Sie kam an einigen Soldaten vorbei, die ihr Mut machend zunickten.

Vor allem der letzte Abstieg, die Treppen hinunter zur Kutsche, kosteten sie viel Kraft. Ihr purer Wille ließ sie weiterlaufen und nicht straucheln. Oberst Alrik XII. von Sturmfels und die Reichsvögtin Fridega von Isppernberg zu Gerbenwald schauten ihr aufmerksam zu. Alrik imponierte die Willenskraft, die die Sturmfelserin an den Tag legte. Fridega ebenfalls.

Korhilda bestieg die Kutsche, Gidiane folgte ihr. Die Baronin von Weißbarun zog die Vorhänge zu und Korhilda brach zusammen. Die Kutsche bahnte sich ihren Weg, einen Trupp Perricumer Grenzreiter unter der Führung Arishia von Lanzenruhs begleitete sie zum Schutz.