Rahjas Tränen - Vom Grase

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Zwischen ihren Schenkeln fühlte Demeya die schweißnassen Flanken und spürte die rythmischen Bewegungen ihres Hengstes. Seide raschelte im Wind und ihre Haare fielen in schwarzen Tressen über Schultern und Rücken. Seine starken Muskeln arbeiteten, während sie auf ihm saß, seine Bewegungen mit ihrem Körper auffing und mit freiem Blick die Gedanken schweifen ließ.

Wasserburg war nicht gelaufen wie geplant. Der lächerliche Baron war zwar durch die Gnade der Herrin leicht dahin zu treiben gewesen, wo sie ihn brauchte: Er hatte die ausgewählte Stute geheiratet, die so bereitwillig herangeführt worden war von der eigenen Familie, und die Störrische war gebrochen worden. Zordian hatte ein erstaunliches Eigenleben entwickelt, was diesen Punkt anging. Seine eigenen Neigungen schlugen durch und er fand einen Weg, seine Vergeltung auszuleben, ohne gegen sich selbst verstoßen zu müssen: Der Isenbrunner war ein brauchbares Werkzeug gewesen.
Am Ende hatte ihr die Zeit gefehlt, aus dieser Ciarda eine anständige Herrin im Sinne der Einen und Einzigen aufzubauen. Durch diese unglückseeligen Geistererscheinungen hatte Zordian seinen schwachen Verstand restlos verloren und seine Gemahlin war aus ihrer Zelle geflohen, in der sie das Jahr vorher verbracht hatte. Kaum frei, hatte sie begonnen, alles zu zerschlagen. Zu allem Überfluss hatte Demeya nicht verhindern können, dass sie um Hilfe geschrieben hatte und Fremde aufgetaucht waren, die überall ihre Nasen hineinsteckten. Der Weyringhauser wäre eine nette Beute gewesen - wenn er sich denn von ihr tatsächlich hätte fangen lassen. Durch den fehlgeschlagenen Versuch war sie selbst aber nicht mehr sicher in Wasserburg und das Auftauchen dieses Fuchtlers von den Seelenfängern aus Perricum hatte alles zusätzlich verkompliziert.

Es war also wohl besser, erstmal einige Zeit Abstand zu halten. Hier in Peirrish konnte sie seit dem Dahinscheiden ihrer aufrechten Schwiegereltern endlich frei walten. Kian, Erbe seines Vaters und damit Edler Peirrishs war durch seinen Offiziersposten ja fast nie vor Ort - und diese unterbelichteten Pferdetreiber und Bauern würde sie schon noch unter die Knute bringen. Mal ab von den Staubschluckern aus der Wüste war kaum ein Volk von Tulams Blut so von der Einen verlassen wie diese Nebachoten! Es würde seine Zeit brauchen, gerade jetzt, wo die Ketzer dem wahren Kult arg zugesetzt hatten, aber wenn sie behutsam vorging, würde sie die Rückschläge mit Ihrer Hilfe ausgleichen können. Und ohne die Moghuli war sie endlich ohne Druck, ohne diese Eile, die schon den Tempel in Perricum verloren gehen hatte lassen.

Unter ihr begann Kian schwerer zu atmen. Seine Laute nahmen einen tierischen Unterton an. Demeya rang sich als Antwort selbst einen verzückten Seufzer ab. Was sie tat, was pure Notwendigkeit. Wer einmal die Gnade der Einen gekostet hatte, dem wurde das primitive Verlangen der Uneingeweihten schal. Zu gerne würde sie Ihren Gatten zureiten, aber ihn brauchte sie für andere Dinge. In diesem Fall dafür, dass er ihr endlich ihre Tochter machte.

Die neue Baronin von Wasserburg würde ihr nicht weglaufen. Und bis dahin war immerhin eine Beli an der Macht, auch wenn sie noch nicht den wahren Glauben für sich angenommen hatte. Selbst wenn sie selbst unerreichbar bliebe, dann halt die Tochter. Wenn diese tatsächlich aus der Saat Quanions von Isenbrunn entsprungen war, dann hatte sie mit etwas Glück seine Willenskraft und das Temperament der Mutter. Das waren sehr vielversprechende Anlagen. Aber das Balg war noch klein und schwach. Es blieb noch genug Zeit.

Um sich etwas mehr in Stimmung zu bringen, rief sie sich ein weiteres Mal die Szene aus im Turmzimmer von Schloss Tikaris vor Augen, die junge Braut in Ketten gelegt, sobald die Hochzeitsgesellschaft abgereist war, ihr Kleid zerrissen und die Augen schreckgeweitet, während Quanion maskiert und mit erhobener Lanze auf sie zuschritt, seine Rache zu nehmen. Noch immer hallten die Schreie süß in ihren Ohren wieder. Sie konnte sich noch immer lebhaft an sie erinnern, als stünde sie noch immer dort hinter dem Vorhang, durch dessen Spalt sie ihr Werk bei der Entfaltung beobachtet hatte. Unter ihren Blicken brach der Wille der Stute zusammen, zermahlen zwischen der Grobheit ihres Zureiters und dem hämischen Gelächter ihres Angetrauten. Welch mitreißende Wonne!

Blut quoll unter ihren Nägeln hervor, die sie im Gedanken an den Augenblick lustvoll in die Schultern ihres Hengstes getrieben hatte, der begann, sich aufzubäumen und zu zucken. Sie spürte, wie sein Samen in ihren Schoß schoss und musste unwillkürlich an das alte Märchen von dem Feldherrn und den Grassamen denken. Geduld war die Tugend der Erfolgreichen.

Sie würde warten.