Rahjas Tränen - Keine Siegerin

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Salcaprea,Matlakur, Praios 1038

Sand rieselte auf das Pergament und wurde auf den Steinboden gepustet. Durch die in der warmen Brise schwingenden Schleier wurden die Laute von Pferden und Waffen in den schattigen Raum geweht, in den sich die Herrin auf Gut Salcaprea zurückgezogen hatte, um ihre Korrespondenz zu erledigen. Draußen übten einige ihrer Hirten den Kampf mit Pferd und Säbel. Verrückte Nebachoten! Immer heißblütig, aber seit dem Tod des Peirrishers waren sie noch aufgekratzter als sonst.

Peirrish. Seufzend lehnte sich Leodane zurück und schüttelte den Kopf. Acar hatte der Schlag getroffen, als er von Janihas Tod ... von ihrer Ermordung erfahren hatte. Janiha von Peirrish - sie hatte sie eine Freundin geheißen. Und jetzt war sie dahin, geschlachtet und ausgeweidet, vermutlich durch die Hand von Helfern des Erzverräters Haffax. Die Spuren wiesen darauf hin, dass der transsphärische Schlächter und seine Diener etwas damit zu tun hatte - Spielsteine, die Haffax in seinem Spiel schon oft eingesetzt hatte. In Worte auf Pergament gebannt lag der Bericht zur Tragödie vor ihr. Ein Bote würde ihn zu Aldron tragen.

Ach, Aldron. Die letzten Wochen waren voll der Schläge gegen Leodanes Seelenfrieden. Jetzt Janihas Tod - und daneben der ihres jähzornigen Gatten ja auch - und zuvor der Bruch mit ihrer Nichte und der Streit mit ihrem Gatten darob. Er hatte gepoltert und geknurrt, als sie ihm von Ciardas Brief erzählt hatte. Seit diesem Abend hatte er sich nicht mehr in der Matlakur blicken lassen und sich auf seine Aufgaben als Heermeister konzentriert. Sie kannte ihren Gatten gut. Er brauchte seine Zeit, aber sie würden dies überwinden. Dennoch fehlte ihr die Harmonie, die sonst zwischen ihnen herrschte.

Zutiefst bedauerte sie indes den Verlauf der Dinge zwischen Ciarda und ihr selbst. Etwas fahrig griff sie nach der Schatulle, in der der Brandbrief ihrer Nichte lag, doch die Finger blieben nur einen Augenblick auf dem fein geschnitzten Deckel liegen, dann zog sie sie wieder zurück und seufzte. Es war falsch gewesen, nach der Hochzeit davon auszugehen, dass ihre Nichte Freiraum brauche, um sich mit der neuen Situation abzufinden. Indem sie, Leodane, sich zurückgehalten hatte mit weiterer Einflußnahme und damit auch Wasserburg fernblieb, hatte sie offenbar sich selbst der Möglichkeit beschnitten, einzuschreiten bei dem Leid, dass Ciarda widerfahren war - welches auch genau das war. Zu dem Punkt hatte die jetzige Baronin geschwiegen in ihrem Schreiben.

"Seltsam ...", murmelte Leodane einmal mehr leise vor sich hin, während sie über die Lage nachdachte. In ihr nagte es, dass sie nicht einmal genau wußte, was passiert war. Fest stand, dass ihre Nichte Ciarda Groll gegen sie hegte und sich im Stich gelassen fühlte. Fest stand auch, dass durch die - Travia möge ihr für diese Einschätzung vergeben - für Wasserburg glückliche Fügung Borons, den Baron in die geistige Umnachtung zu werfen, heute eine Baronin mit dem Blut der Firunslichts in ihren Adern die Geschicke der Baronie zu lenken versuchte. Dabei stand sie allerdings als Fremde vermutlich zwischen allen Stühlen. Und dann war da noch der Nachwuchs, der demnächst wohl ins Haus stand. Leodane würde Großtante werden - aber wie passte ein Kind in den verschleierten Ablauf der Geschehnisse auf Schloss Tikaris?

Grimmig griff sie erneut nach der Feder. Wisshardt hatte sie nicht gelehrt aufzugeben. Ja, Ciarda war vorerst ihrem Zugriff entglitten, aber das mochte sich wieder ändern mit den Jahren. Ciarda war schon immer hitzköpfig gewesen, Leodane aber hatte Geduld. Aber vorerst musste sie erfahren, was in Wasserburg wirklich geschehen war. Und sie wusste auch schon, wen sie darauf ansetzen konnte, ihr diese Informationen zu beschaffen ...