Pulether Fehde - Teil 26: Die Gräfin, die Edle und der Tempel

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Nachdem sie sich ein wenig zurückgezogen hatten, hielt Baron Alrik von Gareth das Schreiben des Schwingenfelsers Seginhardt Raultreu von Ehrenstein hin. Der überflog die Zeilen. „Wie kann dieser Bastard es wagen, Forderungen zu stellen?“, empörte er sich.

„Denkt!“ befahl der Rabensbrücker. „Schwingenfels hat das getan, was ich ihm aufgetragen habe: Er verhandelt. Nun kennen wir seine Forderungen. Und die sind annehmbar, wie ich meine.“ Er blickte Alrik von Hartsteen an: „Ich denke, dass dies deutlich besser ist als die Drohungen gestern. Will Euer Bruder einen offenen Kampf riskieren?“

Der so Angesprochene wirkte skeptisch: „Alles in allem sind die Bedingungen akzeptabel. Mein Bruder kann sich allerdings nicht öffentlich von einem seiner Vasallen lossprechen; andererseits ist dies genau unsere Argumentation gewesen: Windischgrütz hat auf eigene Verantwortung gehandelt. Einem Feldzug gegen Ebenhain wird er allerdings nicht unterstützen. Hartsteen braucht die Burg und braucht die Windischgrütz.“ Alrik der Reiter brummte und blies die Enden seines Schnurrbartes nach oben.

„Nun, was kann man dem Schwingenfelser stattdessen anbieten?“ überlegte der Rabensbrücker.

„Die Schwerter der ›Goldenen Lanze‹ in seinem Wanst!" warf der Ehrensteiner ein.

„Ich glaube, mein Bruder hat sehr wohl deutlich gemacht, dass ein solch finanzieller Kraftakt von seiner Seite zwar möglich, aber nicht erwünscht wäre“, sprach Alrik der Reiter ruhig. „Aber das weiß ja zum Glück der Schwingenfelser nicht. Ich denke, wir sollten ihm eine Möglichkeit geben, die Ehre seiner Familie in einem Duell mit dem Windischgrützer wiederherzustellen.“ Alrik von Gareth nickte.

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Die Beratung dauerte nicht allzu lange. Mit seiner sonoren Stimme sprach der Rabensbrücker: „Setzt Euch, Euer Wohlgeboren!“ Während sich Hadrumir setzte, erhoben sich die Ritter. Nun schaute Hadrumir sein Gegenüber herausfordernd an.

„Diese Forderungen wird Luidor nicht erfüllen!“, begann Alrik von Gareth. ’Bleib ruhig, Hadrumir, er will dich aus der Reserve locken. Mach nicht den gleichen Fehler wie gestern!’ dachte Hadrumir bei sich und sprach daher herausfordernd: „Nicht! Nun gut! Beharrt Ihr stattdessen immer noch auf Euren gestrigen Forderungen?“

Der Rabensbrücker wirkte ruhig: „Seine Hochwohlgeboren Luidor von Hartsteen wird sich nicht öffentlich von einem seiner Vasallen lossagen. Aber er wird es einrichten können, dass Ihr in einem Duell gegen den Windischgrützer antreten könnt. Auf neutralem Grund und Boden! Mit einer fest vorgeschriebenen Anzahl an Mitgliedern darf jede Fehdepartei anreisen. Für die Zeit des Duells sowie direkt danach werden die Feindseligkeiten ruhen. Des Weiteren werdet Ihr einen Betrag von 150 Dukaten an den Tsa-Tempel zu Hartsteen zahlen und die angebotene Entschuldigung öffentlich machen.“

Hadrumir überlegte kurz. „Der Sieger des Duells erhält Eleona?“ – „Aber natürlich!“ – „Dann wird bis aufs dritte Blut gefochten! Und Luidor von Hartsteen trägt für zwei Dinge Sorge: Zum einen, dass mir die Soldaten ausgeliefert werden, die den Grützer bei seinen Taten unterstützt haben. Zum zweiten, dass Eleona so schnell wie möglich aus Ebenhain geholt wird und bis zum Duell zu Gast bei einer neutralen Person bleibt."

Der Rabensbrücker überlegte kurz und Hadrumir war sich nicht sicher, was in ihm vorging. „Einverstanden!“, sprach er dann aber, „sofern diese Soldaten ausfindig zu machen sind. Hier benötigen wir Eure Gelassenheit.“

Hadrumir nickte zögerlich, war aber noch nicht ganz zufrieden: „Ach, und eines noch. Die Spende an den Tsa-Tempel war eher symbolisch gemeint. Ein Eingeständnis, dass ich nicht nur Luidor von Hartsteen angegriffen habe, sondern auch die Reichsstadt Hartsteen, was ich bedauere. Doch sollten wir daraus kein Drama machen und den Betrag der Spende auf 100 Dukaten festsetzen.“

Hadrumir konnte merken, dass er knapp davor war, den Bogen zu überspannen. Alrik von Rabensbrück blickte ihn regungslos an, dann lächelte er: „Um Geld verhandele ich freilich nicht, Wohlgeboren, das macht Ihr dann am besten mit dem Tsa-Tempel zu Hartsteen aus.“

Er erhob sich, die anderen und Hadrumir taten es ihm gleich. „Es freut mich, dass wir eine Einigung erzielt haben. Es liegt im Rahmen meiner Kompetenzen als Unterhändler, die Angelegenheit hiermit zu beenden“, und mit diesen Worten reichte er Hadrumir die Hand. „Bitte überlasst mir Ihre Liebden Raulgard und ihre Tochter, Wohlgeboren. Ich stehe mit meinem Wort und Namen für die Erfüllung der Verhandlungen ein und werde Eure Base Eleona von Schwingenfels selbst aus Burg Ebenhain holen und sie bis zum Ablauf des Duells beherbergen. Danach übergebe ich sie dem Sieger des Duells. Bei Praios und Rondra, so sei es!“ sprach er mit fester Stimme, Hadrumir wiederholte die rituellen Worte, dann erst ließen sie einander wieder los.

Hadrumir begab sich zurück zur Burg und noch vor Ablauf einer Stunde erreichten Raulgard von Hartsteen-Ehrenstein und ihre Tochter Rudane die Gruppe des Unterhändlers. Seginhardt schloss seine Schwester in die Arme und Alrik der Reiter hob seine Nichte Rudane hoch und drückte sie an sich. Hadrumir sah es von den Zinnen Orbetreus und schnaubte: ’Was beschweren die sich? Habe ich sie nicht glücklich gemacht?’