Pulether Fehde - Teil 14: Das Wagnis

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Stadt Hartsteen, 09. Peraine 1029 BF

Hadrumir und seine Kämpfer waren von Torm mit den notwendigen Informationen versorgt worden. Jetzt hatten sie sich am Vorplatz des Tsa-Tempels eingefunden. In der Menschenmenge war es ein leichtes Unterfangen unerkannt zu bleiben. Ein jeder wusste, was zu tun ist.

Der Gottesdienst war beendet und immer mehr Menschen drängten nach draußen. Vorsichtig näherte sich Hadrumir dem Eingang des Tempels. Mit einem Blick vergewisserte er sich, dass sich Elgor, sein bester Schütze, in Position befand. Er würde ihm den Rücken frei halten.

Hadrumir konnte sehen, wie sich einige Soldaten Hartsteens in Stellung brachten. Ihnen folgten Adhemar von Hartsteen-Beisweil mit seiner Frau sowie Raulgard von Hartsteen-Ehrenstein, ihre Tochter Rudane auf dem Arm. Hadrumir fluchte innerlich. Hätte sie das Kind nicht einer Zofe überlassen können?

Zielstrebig bewegte er sich auf die vorfahrende Kutsche zu. Den Kutscher hatte er durch einen seiner Leute ersetzt. Vorsichtig zog er seinen Dolch. Fast hatte er die Kutsche erreicht, als einer der Soldaten ihn bemerkte. Ehe dieser reagieren konnte, verpasste ihm Hadrumir mit einer Gerade einen schweren Schlag. Taumelnd wich der Soldat zurück. Doch schnell entstand ein Handgemenge. Hadrumir drehte sich an dem nächsten Soldaten vorbei, ehe dieser reagieren konnte. Ein Alarmruf wurde laut. Hadrumir packte Raulgard von Hartsteen-Ehrenstein und hielt ihr den Dolch an die Kehle.

„Halt!“ ertönte der Ruf des Ratsmeisters über den Platz. Die miteinander Kämpfenden hielten inne. Der Ratsmeister versuchte die Situation unter Kontrolle zu bringen. „Söldner! Was will er? Das Andenken der Gräfin Thuronia von Quintian-Quandt beschmutzen, die den Tempel, in dessen Schatten er solch feigen Anschlag vollführt, erbauen ließ? Oder will er der jungen Göttin selbst spotten? Legt nur den Dolch beiseite!“

Hadrumir schaute ihn wütend an. „Ich denke nicht!“

„Nun, dann möge er uns doch sagen, was er will!“

„Man nennt mich Hadrumir von Schwingenfels!“ sprach Hadrumir laut. „Und ich möchte ihre Hochgeboren gerne auf eine kleine Reise einladen.“

In diesem Moment hörte Hadrumir hinter sich ein röchelndes Geräusch. Als er sich umblickte, sah er, dass einer der Soldaten Hartsteens mit einem Bolzen im Hals zusammenbrach.

„Sagt Euren Männern, dass keiner von ihnen den Helden spielen soll. Ich habe Männer positioniert.“

„Glaubt Ihr wirklich, dass Ihr hiermit durchkommt?“ spottete der Ratsmeister.

„Das werden wir ja sehen. Doch vorerst werden Eure Männer ihre Waffen nieder legen!“

Auf einen Wink hin taten die Männer wie ihnen geheißen.

„Und jetzt?“ fragte Adhemar herausfordernd.

„Einsteigen!“ befahl Hadrumir. Der Ratsmeister merkte, dass er besser diesem Befehl Folge leisten würde.

Hadrumir schob die Baronin von Hartsteen ebenfalls in die Kutsche und stieg hinzu. Seine Leute schnappten sich die Waffen und bestiegen die Pferde der Waffen. Der Kutscher fuhr an.

Hadrumir schaute verwirrt auf eine vierte Person in der Kutsche. „Wer ist das?“ Raulgard antwortete ihm: „Meine Kammerzofe.“ Hadrumir brummte missmutig.

Adhemar wirkte belustigt. „Glaubt Ihr wirklich, dass Ihr Hartsteen so einfach verlassen könnt? Mein Schwager wird sicher schon seine Truppen formieren.“

„Wenn er klug wäre, würde er das sein lassen. Und die Tore werdet Ihr für uns öffnen, da ich sonst Eure geliebte Frau hier auf der Stelle aufschlitzen werde!“

„Ihr legt Euch mit dem Falschen an!“ sprach Adhemar erbost. „Weder ich noch das Haus Hartsteen haben Euch etwas getan. Ihr könnt es drehen und wenden, wie Ihr wollt. Dies ist ein dreister Überfall!“

„Ich stehe in Fehde mit den Windischgrütz!“ sprach Hadrumir sauer, während die Kutsche weiter durch die Straßen Hartsteens jagte.

„Was haben wir damit zu tun?“

„Es ist auch Eure Angelegenheit! Kelnian von Windischgrütz hat es zu Eurer gemacht!“ Mit diesen Worten holte er das Schreiben mit den Forderungen des Grützers hervor. „Er verlangt, dass ich die Kampfhandlungen gegen das Haus Hartsteen einstelle ansonsten würde meine Kusine dafür büßen.“

„Das ist doch Wahnsinn!“ sprach Adhemar erbost. „Die Stadt Hartsteen hat bisher weitgehende Neutralität in der Grafenfehde gewahrt.“

Hadrumir schnaubte ob dieser absurden Farce, entschloss sich aber nichts darauf zu erwidern. „Mit der Entführung meiner Person und der Bedrohung meiner Frau hier, werdet ihr die Reichsstadt zwingen, Position zu beziehen, Narr! Und glaubt mir, das wird zu Eurem Vorteile nicht sein.“

„Mag sein, mag nicht sein! Da vorne ist das Stadttor. Wäret Ihr jetzt so freundlich den Soldaten klar zu machen, dass sie uns passieren lassen?“ fragte Hadrumir mit lauerndem Ton.

Der Ratsmeister hielt es für angebracht, den Forderungen nachzugeben, sprach aber in ruhigem Ton: „Falls Ihr mich aus diesem Stadttor herausbefördert, so gleicht das einem Rechtsbruch in Form einer Entführung auf kaiserlichem Gebiet. Für dieses Verbrechen werdet ihr angemessen bestraft werden, gewahrt Euch das wohl.“

Nach kurzem Disput mit den Wachen war das Stadttor passiert. Hadrumir öffnete die Tür. Seinem Adjutanten Raul, welcher neben der Kutsche ritt, wies er an, einen Boten nach Hutt zu schicken und einen nach Feidewald. Dann wandte er sich an Adhemar: „Ratsmeister! Es war nett mit Euch zu Plaudern.“

Mit diesen Worten packte Hadrumir den Ratsmeister und beförderte ihn nach draußen. „Ich hoffe, Ihr verzeiht, dass ich Euch doch ein kleines Stück des Weges mitnehmen musste.“

Seine Frau folgte darauf. Als Hadrumir auch die Zofe packen wollte, fuhr Raulgard von Ehrenstein auf. „Bitte! Sie ist nur eine Zofe! Lasst sie mitkommen.“ Dabei blickte sie auf ihre total verängstigte Tochter.

Plötzlich fühlte sich Hadrumir ziemlich mies. Er schloss die Tür und lehnte sich zurück. „Bitte entschuldigt, Euer Hochgeboren, ich wollte nicht, dass Eure Tochter all das mit ansieht.“

„Was glaubt Ihr eigentlich, was Ihr hier tut.“

„Gerechtigkeit einfordern!“

„Wie bitte?“ fragte Raulgard verwundert.

Hadrumir reichte auch ihr das Schreiben des Grützers. „Der Grützer wird meiner Kusine etwas antun.“

Raulgard starrte ihn mit schreckgeweiteten Augen an: „Und dafür werdet Ihr mir etwas antun?“

Hadrumir schaute sie ernst an. „Ich schwöre Euch bei den Zwölfen, dass weder Euch noch Eurer Tochter etwas geschehen wird!“

Burg Orbetreu, ein paar Tage später

Sie hatten ohne Zwischenfälle Orbetreu erreicht. Korporal Kalman kam Hadrumir entgegen und wollte mit einem Bericht beginnen, doch Hadrumir wies ihn mit einer Handbewegung ab. Der Korporal sagte nur: „Ich habe für die Gäste den Turm herrichten lassen.“

Hadrumir schaut ihn erbost an. „Seid Ihr wahnsinnig! Richtet für ihre Hochgeboren den Gästeflügel her! Ach, und noch etwas: Ihre Hochgeboren kann sich in der Burg frei bewegen.“ Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging in Richtung des Palas.