Praiosgefällige Anarchie - Wehret den Anfängen!

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7. Hesinde 1036 BF, Auf Burg Weißenfels, Baronie Hexenhain

Der Bergfried von Burg Weißenfels trug eine imposante Schneehaube und der Blick den die Wache auf das umliegende Land hatte bot tiefverschneite Wiesen und Wälder. Direkt unterhalb der Burg lag die Stadt Hexenhain wie schlafend mit einer weißen Decke zugedeckt.

Der Soldat wickelte sich enger in seine Decke, denn hier oben pfiff ein scharfer eiskalter Wind um die Zinnen. Er suchte sich immer den Schutz der Brustwehr wenn er alle vier Seiten des Turmes abschritt. Sich irgendwo zu verkriechen kam für den erfahrenen Haudegen nicht in Frage. Nicht nur, weil er wusste wie unnachgiebig der Burgherr Pflichtversäumnisse bestrafte, sondern weil er wusste, dass dieser Posten der erste war, der jeden und jedes entdeckte, was sich Burg und Stadt näherte.

So erkannte er den einzelnen Reiter an jenem frostig klaren Hesindemorgen, der sich auf der Reichslandstraße von Osten her mit seinem Streitross durch die teils mannshohen Schneewehen kämpfte. Da er auf diese Entfernung das Wappen an der Lanze des Ritters nicht erkennen konnte, zog er an einer Schnur, die zwei Etagen tiefer ein kleines Glöckchen läuten ließ, dass dem dort diensthabenden Weibel die Ankunft signalisierte.

Als der Weibel auf der Plattform des Bergfrieds erschien zog er den umgehend Umhang enger. „Was gibt es, Perainfried?“

Der Angesprochene wies in die Richtung des einsamen Ritters. „Kann das Wappen nicht erkennen.“

„Gut, ich werde die Torwachen und die Stadtwache informieren.

Mehrere Stunden später stand Eldwin von Korbronn in der Halle von Burg Weißenfels nahe des großen Kamins, in dem ein munteres Feuer wohlige Wärme spendete. Er bestaunte die ausladenden Wandteppiche, die allesamt Jagdszenen zeigten und wie Eldwin wusste, noch aus er Zeit stammen als der Reiffenberger noch nicht zum Baron bestallt worden war. Auch die hohen Säulen, welche die Decke trugen waren kunstvoll gestaltet. Im unteren Teil glichen sie einem Baumstamm, während die oberen Streben wie Äste auseinander liefen. Der eilige Betrachter musste so den Eindruck gewinnen, die Decke würde durch echte Bäume getragen.

Durch eine Nebentür trat der Baron ein und begrüßte den jungen Ritter mit einem Handschlag. „Seid willkommen Eldwin von Korbronn, und berichtet mir schnell, was Euch bei diesem Wetter von Kressenburg herführt.“

Der junge Ritter neigte sittsam sein Haupt vor dem Älteren.

„Herr, Ardo von Keilholtz bittet Euch um Beistand. Die Bürger der Stadt Eslamsroden haben in götterlästerlicher Weise die Burg des Barons zu Eslamsroden, meines Herren Schwagers besetzt und die Ritter und Wachen angegriffen und vertrieben. Auch der Stadtmeister hat den Aufstand öffentlich geschürt. Baron Ardo hat daher die Absicht unverzüglich Truppen gen Eslamsroden zu führen und die Stadt zu zwingen die göttergefällige Ordnung wiederherzustellen.“

„Nun das sind schlechte Nachrichten, Eldwin, aber habt Dank. Obwohl es sich um eine freie Reichsstadt handelt, könne sich die Bürger nicht alles herausnehmen, schon gar nicht, die barönliche Burg zu okkupieren. Sicherlich weiß die Greifin schon von den Ereignissen, aber auch ich sehe hier die Notwendigkeit, dass die Edlen der Mark umgehend handeln müssen. Eine solche Provokation durchgehen zu lassen hieße, dass das Beispiel Schule macht. Wehret den Anfängen! Sagt wie geht es dem Eslamsrodener Baron, konnte er entkommen, oder ist er in den Händen der Aufständischen?“

„Ich weiß es nicht, Herr, ich musste vor dem tobenden Mob in den Praiostempel fliehen, nachdem ich zur Besonnenheit aufgerufen hatte. Sein Schicksal ist ungewiß.“

„Nun dann wollen wir keine Zeit verlieren. Ich werde eine kleine Truppe sammeln und die Hesindelburger Baronin informieren. Ihr ruht Euch bis zum Morgen aus. Bis dahin habe ich Depeschen für Euren Herrn, die Ihr ihm bringt.“ Ein Wink Gerbalds brachte seinen Knappen auf den Plan. „Odilon, kümmere dich um eine Unterkunft für Herrn Eldwin.“

Binnen Tagesfrist hatte Gerbald zwei Dutzend Ritter, Krieger und Dienstplfichtige des Heerbanns zusammengezogen. Auch ein Trosswagen war schnell befüllt worden.

Ein Melder hatte sich auf den Weg nach Hesindelburg gemacht, doch auf die Schwiegermutter seines Ältesten wollte Gerbald nicht warten. Er hatte ihr in seiner Nachricht einen Sammelpunkt nahe Eslamsroden genannt, an dem er einen Boten platzieren würde. Das musste reichen.

So stand Gerbald von Reiffenberg auf dem Marktplatz der Stadt Hexenhain, neben sich sein Burghauptmann, sein Knappe und seine Tochter, die Burgsassin. Auch Eldwin von Korbronn führte seinen Kalten am Zügel, welcher sich sichtlich von den Strapazen der letzten Tagen erholt hatte.

Gerbald trat auf Eldwin zu und übergab ihm eine lederne Depeschentasche. „Hier sind die Schreiben an Baron Ardo, dort ist alles verzeichnet. Eilt Euch, und richtet Baron Ardo meinen Gruß aus.

Baron Gerbald von Hexenhain

an

Baron Ardo von Kressenburg
 
 
 
 
Rondra zum Gruße!

Dein Ruf erreichte mich am siebten Tage der Herrin Hesinde. Das Vorgehen der Reichsstadt gegen einen der Unseren ist mit nichts zu entschuldigen und nicht hinnehmbar. Über die rechtlichen Dinge können wir uns unterhalten, sobald der Status Quo Ante wieder hergestellt ist. Ich werde mit ca. einem halben Banner aus Westen auf Eslamsroden ziehen und zunächst die Zuwege zur Stadt sperren. Allem voran die Reichslandstraße. Alle Reisenden werde ich um die Stadt herumführen, so dass sie von dieser Seite erst mal vom Nachschub abgeschnitten sind. Hier sollte neben der Proklamation deiner Forderungen auch der Schwerpunkt liegen. Nimm um der Götterwillen einen Praiosgeweihten mit, der deinem Wort noch mehr Gewicht verleiht. Wo ist dein Schwager? Er muss unverzüglich bei der Greifin und der Kaiserin vorstellig werden und Klage erheben. Es geht um Restitution und Reparation und um eine endgültige und unmissverständliche Regelung der Verhältnisse zwischen Stadt und Baronie.

Ob Hesindelburg kommt, wissen die Götter, bei denen hat es noch mehr Schnee, deshalb rechne vorerst nur mit uns.

Urion ist zur Zeit in Gareth und berät sich dort mit Balrik von Keres. Es gibt anscheinend auch Aufstände in Garetien und ein Nandusgeweihter seines Heerbanns soll involviert sein. Mehr wenn wir uns sehen.
 
 
 
 
Gerbald

Der alte Baron setzte seine Fellmütze auf und saß auf. Die Soldaten und Ritter taten es ihm gleich und der Zug setzte sich gen Osten in Marsch.