Perricumer Ratsgeschichten - Muscheln im Wasser

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Halle der Gezeiten, Perricum, Anfang Praios 1037 BF


Unter dem Klingeln der gläsernen Windspiele unter der hohen Kuppel waren die leichten Schritte der zierlichen Dame kaum zu hören, als sie die Halle der Gezeiten betrat. Auf ihrem seidenen Kleid schimmerte blaues Licht wieder, als Ginaya von Alxertis vor einer der dem Darpat zugewandten Laibungen anhielt und mit einer Geste der Ehrerbietung eine in Silber getriebene Muschel von der Größe eines Dukaten in eine der aufgestellten Opferschalen legte. Die ihr in einigem Abstand folgende Leibmagd hatte inzwischen einem Tempeldiener zu verstehen gegeben, dass ihre Herrin mit dem Bewahrer von Wind und Wogen zu sprechen wünsche.

"Hochwürden, ich komme zu Euch um Rat. Für die nächste Ratssitzung will ich, wie ich seiner Hochgeboren Wallgrin versprochen hatte, die Errichtung eines Efferdschreins am Darpatufer anregen - der, wenn er denn gebaut würde, dem Launigen zum Lob und seiner Kirche und der Stadt zur Ehre gereichen soll. Doch ich bin mir unschlüssig, auf welche Weise die nötigen Unterstützer für dieses Unternehmen gewonnen werden könnten. Vielleicht könntet Ihr mir raten? Alsdenn habe ich noch ein Anliegen, von dem ich glaube, dass Hochwürden es sich anhören sollten. Ihr habt den Vorschlag eingebracht, das Darpatufer ausbauen zu lassen. Ich muss zugeben, dass ich dagegen Vorbehalte hege, ist der reichsstädtische Hafen in meinen Augen doch bereits groß genug. Was mir aber weit mehr missfällt, ist, dass Ratsherr Odoardo von Quintian-Hohenfels in der aktuellen Situation nichts besseres zu tun hat, als den Rat mit Lappalien, wie dem Umdrehen alter Steine, zu beschäftigen gedenkt. Es gibt wahrhaft wichtigeres. Wenn Ihr mir helfen würdet, diesen Unsinn nicht Tat werden zu lassen, würde ich Euch beim Ausbau des Darpatufers meine Stimme geben."

Der Tempelvorsteher hatte der adligen Dame interessiert zugehört und der Blick seiner blauen Augen war unverwandt auf das Antlitz seines Gegenübers gerichtet gewesen. Die kräftigen Handgelenke wie auch seine Stirn wurden geziert von Manschetten, und einem Stirnband aus Blutrochenhaut, die nur den Praetoren vorbehalten waren. Mit eiem Wink seinerseits bedeutete der Tempelvorsteher, dass Sie ihm folgen sollte. Weit wehte dabei seine Robe und die Muscheln und Hummerscheren die an blauen und grünen Kordeln hingen gaben unregelmäßige Klänge von sich.

"Wallgrin? Ihr hattet Wallgrin von Perricum dieses Versprechen gegeben?" echote der Mann mit tiefer Stimme, jegliche Etikette ignorierend, was Begrüßungsfloskeln und Ähnliches anging. Der Krug, der soeben von ihm mit gluckerndem Wasser gefüllt worden war zittere kurz, doch dann machte Efferdan dylli Turakis weiter. Er befüllt eine irdene Schale, die mit Muschelstückchen gefüllt war und hielt sie anschließend auffordernd Ginaya von Alxertis hin.

"Man muss vorsichtig sein wem man Versprechen gibt, denn die Götter sehen es nicht gern, wenn man wortbrüchig wird. Der Mensch und die Sache sollten es wert sein, dass man ein derartiges Wagnis eingeht." Kurz warf er ihr einen grimmen Blick zu. "Ja", die Adlige nickte bedauernd, während sie dem Tun des Bewahrers mit ernster Miene folgte, "Die Ereignisse der letzten Tage waren wirklich dazu geeignet, das Vertrauen an das Gute in den Menschen zu verlieren."

Von früheren Besuchen und auch Berichten über den Beirat wußte sie, dass dieser scheinbar sicher war, dass das Bild, welches die Muschelschalen ihm zeigten, wenn ein anderer sie in Schwingung gebracht hatte, einen Rückschluß auf sein Wesen zuließen.

"Allerdings..." er beobachtete sie genau während er sprach, "ist die Sache an sich, natürlich ein sehr löbliches Ansinnen, dass Unterstützung verdient. Wie einige andere Ideen auch, wie nicht zuletzt auch mein eigener Vorschlag!"

"Wie ich schon sagte, Hochwürden, auch ich bin davon überzeugt und werde im Rat für den Ausbau des Darpatufers stimmen", entschlossen tauchte Ginaya ihre Finger in die Schale und setzte die im Wasser schwimmenden Muschelstücke in Bewegung.

Der Bewahrer von Wind und Wogen aus Perricum ließ Sie dabei nicht aus den Augen. Unvermittelt, als eine kleine Welle die Muschelschalen fast über den Rand schwappen ließ meinte er: "Das Wasser ist nicht euer Element wie mir scheint!"

Unzufriedenheit meinte ihr geschultes Ohr heraus gehört zu haben in der Art wie er dies sagte. "Umso besser, dass ihr Euch von nun an ihm mehr widmen, gewissermaßen öffnen wollt. Gerne werde ich Euch auch hierbei tatkräftig unterstützen meine Liebe, gleich morgen, werden wir gemeinsam die Wasser begrüßen! Alles ist im Fluß!"

Mit für seine Statur ungewöhnlich sanften Händen, nahm er ihr lächelnd die Schale wieder aus der Hand, und stellte sie beiseite. Dann fasste er ihre Hände in den seinen zusammen. Sie wirkten winzig neben seinen schwieligen kräftigen Pranken.

"Mögen die Wasser alles Neue in Eurem Leben begleiten und zum Guten wenden!" Seine Worte waren mit Ernst gesprochen geworden, und er schaute sie fast mitfühlend an. Nach diesen seltsam anmutenden abschließenden Worten verneigte sich Efferdan dylli Turakis noch einmal vor ihr und wendete sich dann ab um sich schon anderen wartenden Gläubigen zu zu wenden.