Perricumer Ratsgeschichten - Im Schatten des Pfauen

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Weingut Wingarten nahe der Reichsstadt Perricum, Namenlose Tage 1036:

Es herrschte Stille auf dem weitläufigen Weingut der Familie Zolipantessa. Während der Namenlosen Tage ruhte hier die Arbeit, wie wohl fast überall. Pernilla von Zolipantessa stand andächtig vor einem steinernen Sarkophag auf dessen Oberseite die liegende Silhouette ihres verstorbenen Gemahls eingemeißelt war. Manchmal war es ihr so, als ob Salix dort leibhaftig liegen würde. Dann berührte sie zärtlich seine steinernen Wangen und einzig der kalte Stein machte ihr bewusst, dass es nicht Salix war der dort vor ihr lag, sondern nur eine wahrlich meisterliche Leistung der Handwerkskunst. Aber sie ließ sich nur allzu gerne täuschen. Seit dem Freitod ihres Gemahls verbrachte Pernilla die meiste Zeit der Namenlosen Tage in der Familiengruft. Schwermütig dachte sie daran, dass sich das furchtbare Ereignis in wenigen Tagen zum fünften Male jährte.

Auf einmal waren Schritte auf dem kalten Steinboden zu hören, jemand schien sich langsam zu nähern. Die Gesichtszüge der älteren Frau verkrampften sich. Sie hasste es hier gestört zu werden. Die Dienerschaft wusste das und wagte es nicht ihre Herrin hier zu stören. Auch die Schritte unmittelbar hinter ihr verstummten, drehte sich Pernilla nicht um, denn nur eine Person würde es wagen sie hier zu stören – uns sie sollte Recht behalten.

„Was willst du?“ Ihre Stimme hallte durch die kühle Gruft.

„Es ist Zeit! Der neue Götterlauf dämmert schon am Horizont. Es gibt viel für uns zu tun!“ Sarina von Zolipantessa stand mit hinter dem Rücken verschränkten Armen hinter ihrer Mutter, die sich auch weiterhin nicht zu ihr umdrehte.

„Der Rat?“ Die Stimme Pernillas war nun wieder deutlich leiser und kaum wahrzunehmen.

„Ja, Gerüchte in der Stadt besagen, dass sich der Reichsvogt nicht mehr lange auf seinem Posten wird halten können und die, die sich dafür halten ihn nachzufolgen stehen schon bereit. Wir müssen uns positionieren!“

„Nun gut.“ Die beigeordnete Ratsherrin atmete tief durch und dreht sich zu ihrer Tochter. „Und wer hat deiner Meinung nach die besten Aussichten Wallgrin im Amt zu folgen?“

„Für uns wäre es natürlich am besten wenn DU Reichsvögtin werden würdest, allerdings ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich. Es ist sehr schwierig an einigen einflussreichen Räten vorbeizukommen. Das heißt“, Sarina lächelte vielsagend, „wir werden erstmal die ersten Ratssitzungen abwarten und die Lage sondieren. Wir müssen herausfinden wer für was steht, uns Verbündete suchen. Letztendlich ist es nicht von Belang WER Reichsvogt wird, so lange er oder sie in unserer Schuld steht.“

„Wie du meinst. Ich werde sehen was sich machen lässt.“ Mit diesen Worten schritt Pernilla an ihrer Tochter vorbei. Bevor auch Sarina die Familiengruft verließ, legte sie eine Pfauenfeder auf den Steinsarkophag ihres Vater.