Perricumer Ratsgeschichten - Der Lauf der Dinge

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Reichsstadt Perricum, Stadthaus im Stadtteil Leuingen, Anfang Efferd 1037 BF:

Charlyn Eorcaïdos von Aimar-Gor lag entspannt auf einem Diwan und rauchte genüsslich meridianischen Tabak aus einer schlanken, länglichen Pfeife. Die blutjunge Dame aus hochadligem aranischen Hause liebte den tulamidischen Lebensstil, dieses zur Schau stellen von Macht und Reichtum gefiel hier. Bevorzugt trug sie die Mode aus ihrer Heimat Aranien, was ihr auch im Schmelztiegel der Kulturen Perricum eine exotische Note gab. Dabei war sie selbst nie in Aranien gewesen, musste ihre Familie das Land doch nach der Unabhängigkeit fluchtartig verlassen. Das war vor 40 Götterläufen, also weit vor Charlyns Geburt. Der Großteil ihrer Familie ließ sich in Gareth nieder und machte Karriere in der Reichsverwaltung, wie ihr Großonkel Pelion Eorcaïdos von Aimar-Gor. Seinem Einfluss war es wohl auch zu verdanken, dass Charlyns Großvater den Posten des Seneschalls am gräflichen Hof zu Perricum bekam. Ihre Mutter Sulamith wurde schließlich Erste Hofdame am Hofe. Seit her ist viel Wasser den Darpat herunter geflossen. Charlyn wurde zwar in der Reichsstadt geboren, wuchs aber mit dem Selbstverständnis auf, zum Aranischen Hochadel zu gehören; zum Herrschen bestimmt. Sie sah sich als Teil der Elite der Stadt und das war sie zweifelsohne auch.

Neben Charlyn lag, nicht weniger entspannt, ihre Seelenfreundin Sarina von Zolipantessa. Sarina war ihr Freundin und Vorbild. Charlyn bewunderte sie. Die Tochter des verstorbenen Ratsherren Salix von Zolipantessa war um einige Götterläufe älter als Charlyn und hatte sie in die hohe Gesellschaft der Reichsstadt eingeführt, Türen geöffnet, den Weg geebnet eine DER Damen der Oberschicht zu werden. In diesem Moment öffnete sich die die doppelflügelige Tür und Charlyns Gemahl Astaran von Pfiffenstock trat ein.

„Liebster, du weißt doch ich will nicht gestört werden wenn ich im aranischen Salon weile!“ Die Stimme Charlyns klang vorwurfsvoll.

„Meine Damen, verzeiht, mir lag es fern den holden Geschöpfen beim wohl verdienten Müßiggang zu stören, aber habt ihr beiden Hübschen schon die neuste Ratsposse gehört?“ Astaran grinste schelmisch.

„Ja, dieser Teilhaber vom Falswegen ist vom Rat zum polizeylichen Sonderbeauftragten gewählt worden“, antwortete Sarina von Zolipantessa kühl.

„Ah, wie ich sehe wie immer bestens informiert, meine Beste.“ Astaran war darüber nicht sonderlich verwundert. Die Tochter von Ratsherrin Pernilla von Zolipantessa war stets bestens im Bilde. Aber wie machte sie das nur? Bestimmt kannte sie geheime Gänge und Kammern im Alcazaba Zolipantessa, schließlich war das Ratsgebäude mal im Besitz ihrer Familie und trotz des 13 Götterläufe andauernden Umbaus kannten sie sicherlich noch einige Geheimnisse des erhabenen Gemäuers.

„Dieser Emporkömmling? Das kann doch wohl nicht war sein!“ Charlyn war sichtlich entrüstet. „Es ist gegen die Zwölfgöttliche Ordnung, dass sich einfache Händler oder Handwerker zu Herren unserer stolzen Stadt aufschwingen.“ In ihrer Stimme schwang pure Verachtung mit.

„Tja, solch ein Emporkömmling soll nun also den Mord an der ehemaligen Söldnerobristin Yargunde von Barûn-Bari aufklären. Sag, liebste Sarina, war sie nicht deine Großtante?“ Der Edle liebte es zu provozieren.

„Das war sie wohl.“ Die Stimme Sarinas klang emotionslos.

„Auch wurde dein Vetter zweiten Grades oder was immer er ist bei den Aufständen im Vorfeld der Ermordung schwer verletzt.“ Astaran konnte es nicht lassen, ahnte er doch, dass Sarina etwas mit den Unruhen zu tun gehabt haben könnte. „Was sagt eigentlich deine Mutter dazu meine Beste? Ist sie doch eine geborene Barûn-Bari...“

„...die die Interessen der Familie Zolipantessa, MEINER Familie, im Rat vertritt!“ Sarina wurde langsam ungehalten, sie verlor die Lust an dieser Unterhaltung. „Yargunde war unfähig der Lage Herr zu werden, keine Frage, sie musste gehen. Ihr Tod ist ein tragisches Ereignis, das womöglich, aber für die Politik der Stadt nicht überzubewerten. Es ist passiert und gut.“

„Das nun ausgerechnet ein einfacher Harnischmacher deiner Großtante als Söldnerobrist nachfolgt kann auch nicht im Sinne der Zwölfe sein, denn sein von den Göttern bestimmter Platz ist in der Schmiede um Harnische zu schmieden oder was weiß ich und nirgendwo anders.“ Charlyn war mit den jüngsten Entscheidungen des Rates offenkundig nicht einverstanden.

„Ach meine Liebe“, Astaran seufzte, nahm er seiner Frau doch diese offen zur Schau getragene Frömmigkeit nicht wirklich ab. „Es ist wie es ist, wir müssen nun das Beste daraus machen. Das ist nun mal der Lauf der Dinge!“