Perricumer Ratsgeschichten - Bishdariels zerfetzte Schwingen

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Trautmann Falswegen erwachte fröstelnd und mit rasendem Herzen. Das war nichts Unbekanntes. Er ahnte, dass ihn Boron eines nicht mehr fernen Tages vor sich rufen würde. Seine einst unbeugsame Gesundheit hatte ihm in den seit dem Verscheiden seiner dritten Frau Alwene vergangenen Götterläufen immer einmal wieder den Dienst verweigert.

Nun sah er seinen Pfeiler bröckeln, der einen Teil der Stadt trug. Nach so vielen Jahren als Kämmerer Perricums abgewählt! Wahrscheinlich rührten daher die bösen Träume der jüngsten Nächte.

Der Greis versuchte, sich an den zuletzt geträumten zu erinnern. Die Stadt. Geschrei. Kampflärm. Rauch. Die Ratshalle in Flammen. Verrat. Piratenschiffe vor dem Hafen. Feindliche Truppen vor den Mauern. Er konnte nicht erkennen, welchen Wappen und Flaggen sie zeigten. Delfin. Bluthund. Greif. Die Bilderfragmente vermischten sich und verblassten. Ein Gefühl der Bedrohung und Ohnmacht blieb.

Trautmann wischte sich mit einem Tuch den erkalteten Schweiß von Stirn und Unterarmen und schwang die dünn gewordenen Beine über den Bettrand. Es dauerte ein Weilchen, bis der Schwindel nachließ und er aufstehen konnte. Er nahm die falschen Zähne in den Mund und biss aufeinander, bis das Elefantenbein knirschte.

Er war alt geworden und hatte an Einfluss verloren, gestand er sich ein. Aber er würde dafür sorgen, dass seine Familie in dem, was der Stadt bevorstehen mochte, etwas mitzureden haben würde. Sein Schwiegerenkel Efferdmut konnte sich noch machen. Falswegen zwang sich zum Aufstehen und kleidete sich an. Zeit, ein paar Gefallen einzufordern.