Mit unserem guten Namen - Wir haben doch Kredit

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Burg Alrikshorst, Kaiserlich Alriksmark, Ende Boron 1035 BF

»Mein rosigstes Stütchen, du musst mir unbedingt versprechen, nicht eher deine goldigen Äugelein zu öffnen, bis ich es dir sage. Ansonsten verdirbst du mir meine große Überraschung.«

An der Hand führte der exquisit in teure Seide gekleidete einstige Herold seine Ehegattin, die Burggräfin Ginaya von Luring-Gareth, in den Thronsaal. Die Abenddämmerung hatte bereits eingesetzt und vereinzelte Schneeflöckchen hatten am Tag daran gemahnt, dass der lange und dunkle Winter vor der Tür stand. Hiervon jedoch war im goldenwarmen Licht hunderter Kerzen nichts zu merken. Üppig floss das Licht von den Kristallarmleuchtern hinunter in den Saal, spiegelte sich in den Dutzenden von Wandspiegeln, welche die Burggräfin einst zu ihrer Krönung von den Luringer Spiegelmachern geschenkt bekommen hatte, umspielte die schwarzen Mohagonitischchen und Stühlchen, die nach neuester Vinsalter Art gedrechselt waren (und natürlich von dort stammten) und entwich hinaus durch die hohen Glasscheiben in den windigen Herbstabend.

»Ich kann mich kaum noch beherrschen, mein Vögelchen! Ach, wie du mich immer wieder auf die Folter spannst«, rief die Burggräfin entzückt und ließ sich wie ein jungverliebtes Mädchen in die Mitte des Saales führen, wo ihr Gatte die Augenbinde abnahm, leise glucksend vor Vergnügen.

»Jetzt darfst du die Augen aufmachen, meine tapfere Drachentöterin!«

Es verschlag Ginaya die Sprache vor dem sich ihr eröffnenden Glanz. Vor ihrem eigenen Glanz, um genauer zu sein. Denn inmitten des Saales stand aus purem Gold eine lebensgroße Statue der Burggräfin, das gezückte goldene Schwert in der goldenen Hand und der goldene Fuß triumphierend auf dem goldenen Kopf eines erschlagenen goldenen Drachens, in dessen Augen, zwei taubeneigroße Rubine, das Licht der Kerzen funkelte, als glomm noch ein Lebensfunken in dem besiegten Untier. Umher standen etwa zwei Dutzend Junker, Edle und Ritter der Alriksmark, die gefällig applaudierten (und vorfreudig auf das ausladende Bankett am Saalende schielten). Ein Streichquartett setzte zum Spiel an und ließ ein heiteres Tanzstück erklingen.

»Zu deinem Jahrestag, meine unerschrockene Löwin«, streckte der galante Lebemann seine Arme zum Tanz aus, »ist es nicht auf den Tag zweimal Zwölf Götterläufe her, dass du jenes grausige Ungetüm mit eigenen Händen erschlagen hast? Ach, hätten wir die alte tapfere Gruppe jener Tage doch noch einmal zusammenbekommen.«

Ginaya schaute ihren Ehegatten fassungslos an. »Bist du denn von den Zwölfgöttern verlassen?« zischte sie ihm zu. Im Kreis tanzte sie unter den wohlwollenden Blicken ihrer Ritter und Vasallen, nickte ihnen lächelnd zu, während sie innerlich brodelte. Nur ihrer guten Beherrschung verdankte ihr Ehegatte es, nicht vor allen Augen geohrfeigt zu werden. »Was fällt dir denn ein?«

»Tanz weiter, meine temperamentvolle Sturmherrin, die anderen schauen doch schon. Die Idee kam gar nicht von mir, sondern vom Faldras und der Bratzensteinerin. Nachdem du dem Faldras doch so großzügig das Lösegeld für seinen Sohn, der letztes Jahr von diesen Räubern entführt worden war, und den Neubau für Schloss Bratzenstein nach dieser schlimmen Plünderung dieser Wildermärker Raubritter vorgestreckt hast, wollten wir dir doch auch mal ein schönes Fest gestalten. Und vor allem nach dem Reinfall mit dem Pferdegestüt im letzten Sommer, als unsere fünf besten Stuten in diesem verfluchten Stallbrand ums Leben gekommen sind. Ich hätte auch gerne Maya und Yrsya eingeladen, aber ihre beiden Herren haben sie nicht fortgelassen: Danos hat Maya ja mit in die Wildermark genommen und Yrsya ist in Barnhelms Auftrag nach Elenvina unterwegs. Und du kannst mir doch nicht allen Ernstes sagen, dass dir die Statue so gar nicht gefällt.«

Ginaya starrte mit funkelnden Augen ihren Gatten an. Seitdem ihre beiden Töchter aus dem Haus waren, hatte er sich so sehr verändert, dass sie ihn manchmal kaum wiedererkennen mochte. Mit beiden Händen gab er das Geld aus und erwarb prunkvolle Kostbarkeiten, die Ginayas Sinn für Bescheidenheit schmerzten. Wie oft hatte sie ihn schon zur Rede gestellt, und jedes Mal hatte er, mit trauriger Miene erwidert: Wenn mir mit meinen Töchtern schon das Teuerste aus dem Leben genommen ist, dann lass mir wenigstens diese unschuldige Freude. Und tatsächlich besserte sich seine Laune, je mehr Gold und Dukaten er unter die Menschen brachte. Und was immer ihn glücklich machte, erfreute auch ihr Herz.

»Aber im Ernst gesprochen, mein Herzchen«, beugte sich die tanzende Ginaya zu ihrem munteren Gatten hinüber. »Womit hast du diesen nutzlosen Pomp denn nur bezahlt? Das muss doch eine Unsumme gekostet haben.«

»Na, meine unbezahlbare Heldin«, hob der einstige Herold mit einem gequälten Lächeln seine Schultern. »Wir haben doch Kredit bei den Alrikshainern. Die Waltrude Fuchsberger doch immer so freundlich zu uns, und sie hat sich so gefreut, dass ich wieder bei der Stadt geliehen habe. Und für meine große Liebe ist mir nichts zu teuer.«

GG&P-Con 2012 Garetien-, Greifenfurt- und Perricum-Con 2012

Dieser Artikel verweist auf die Handlung des GG&P-Cons 2012.