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Dramatis personae:


Schloß Hohenlinden, Phex 1035 BF

„Der Graf von Hartsteen will die Rabenbrücke wieder aufbauen lassen?“, wiederholte Balrik.

„Er will dieses Thema beim Kabinett auf Schloß Auenwacht ansprechen“, sagte Belgos, der mit Balrik und seinem Sohn Gerion im Saal stand und ihnen Neuigkeiten brachte.

Balrik wußte nicht, wie er an diese Information gekommen war, aber er nickte bei seinen Worten. Die Brücke wieder aufzubauen war höchste Zeit. Schon allein durch die drohende Gefahr von Haffax: Um die Reichstruppen nötigenfalls schnell verlegen zu können, war eine gute Infrastruktur Voraussetzung.

Er würde dem Grafen in diesem Punkt unterstützen, und er würde sogar noch weiter gehen: Er hatte vor auf dem Konvent das Wiederherstellen der vielerorts maroden Reichstraßen allgemein anzusprechen (und hier gehörte die Rabenbrücke ja dazu). Aber war für die Instandhaltung nicht der Kaiser zuständig? Schließlich waren es ja Reichsstraßen.

Allerdings war es Balrik egal, wer die Kosten aufbrachte, das Königreich, die Grafen oder gar die einzelnen Barone; wichtig war nur, daß man die Straßen wieder benutzen konnte.

„Wenn wir dem Grafen in diesem Punkt unterstützen, können wir uns unter den Hartsteener Freunde machen, gerade wenn es um die Frage des Marschalls geht“, meinte Gerion, der auch ein Augenmerk auf die Politik hatte. „Mit der Brücke würden die Händler wieder durch die gebeutelte Grafschaft reisen und dort ihr Geld lassen.“

Was bisher bei den Schlundern landet, dachte Balrik.

Doch daß die Schlunder vom Wiederaufbau der Brücke nicht profizieren würden, war auch Gerion bewußt: „Ich würde mehr auf die Unterstützung der Hartsteener setzen“, sagte er.

So ganz Unrecht hatte er ja nicht. Der Brückenaufbau war wichtig, und davon würde sich Balrik auch nicht abbringen lassen, doch wenn er sich dafür einsetzt, werden sich die Schlunder womöglich für einen anderen Heermeister aussprechen. Allerdings konnte man bei den Hartsteenern mehr Unterstützer gewinnen, als im Schlund verlieren.

„Ich würde sogar soweit gehen“, fuhr Gerion fort, „daß wir ihnen versprechen mit der Königin zu reden, daß sie für Hartsteen die Landnot aufruft.“

Die Bitte für die Landnot kam von der Baroness von Bärenau, wie Balrik wußte, und wenn er es wirklich zustande bringen würde, daß diese Bitte bewilligt würde, könnte man sich weitere Unterstützer aus Hartsteen sichern. Doch war er hier skeptisch:

„Ich will nichts versprechen, das ich womöglich nicht halten kann, Gerion“, sagte er. „Daß Rohaja für die Grafschaft die Landnot ausruft ist eher unwahrscheinlich.“ Und daß man den Schneck dazu bringen konnte, glaubte er noch weniger … obwohl, wer weiß?

„Ich sage ja auch nicht, daß wir die Landnot versprechen, sondern nur, daß wir versprechen mit der Königin zu reden.“

Balrik blieb skeptisch, aber es machte Sinn, was Gerion sagte.

„Gibt es sonst was Neues?“, fragte er Belgos und dieser nickte.

„Angeblich wurde der Gatte der alriksmärker Burggräfin verhaftet“, berichtete er. „Er soll nun im Schuldturm stecken.“

Balrik blickte verwundert auf und auch Gerion rief empört aus: „Was? Warum?“

„Es heißt er konnte seine Schulden nicht abzahlen“, zuckte Belgos mit den Schultern.

Es war bekannt, daß die Burggrafschaft in den letzten Monaten in Geldnöte geriet. Aber daß man einen Adligen in den Schuldturm steckte …

„Zudem habe ich eine Nachricht von Boromil aus Alrikshain bekommen“, fuhr Belgos seinen Bericht fort, „daß sich dort eine Schwadron der Goldenen Lanze einquartiert hat.“

Hatte sich die Lanze in die Dienste der Stadt begeben?

„Finde heraus, was sie dort wollen, Belgos“, sagte Balrik. „Und auch was an der Sache mit dem Gatten der Burggräfin dran ist.“ Der Angesprochene nickte. „Und du, Gerion, ich möchte, daß du die Adligen von Hartsteen besuchst.“ Auch wenn er elfischer Abstammung und ein Magier war, war immer noch er der Politiker in der Familie; er wußte, wie man mit Adligen reden mußte um sie seiner Sache zu überzeugen. „Von mir aus kannst du auch versprechen, daß ich mit der Königin rede.“

Als erstes würde er aber den Staatsrat aufsuchen, vielleicht fand er ja ein Argument, das ihn überzeugte? Auch wenn ihn keiner aus Hartsteen unterstützen sollte, hatte er dies vor. Aber das mußten sie ja nicht wissen. Was nützte es, wenn eine Grafschaft nur die Hälfte von Waffenfähigen aufbringen konnte, wo doch jeder Mann im Kampf gegen Haffax zählte?

„Geht klar“, sagte Gerion. Und mithilfe seines Teleport-Zaubers konnte er diese Besuche sogar innerhalb kürzester Zeit vollbringen. Ja, Zauberei ist schon eine praktische Sache, dachte Balrik.