Mein Graf

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Burg Oberhartsteen, Rondra 1040 BF

Steinfelde.

"Mein Graf, ich bin zurück gekehrt."

Nicken.

"Gutes und Schlechtes habe ich Euch zu berichten.“

Sprecht.

"Tobrien ist frei, der Schandmarschall besiegt und seine Herrschaft von Derens Antlitz getilgt. Doch der Preis für Hartsteen war hoch. Die Baronin von Natzungen ist auf dem Weg gen Mendena im Kampf gefallen und ihr Sohn ist noch nicht einmal im Knappenalter. Mit ihr fielen etliche ihrer Vasallen.“

So teilen sie das Schicksal ihrer Ahnen in Erfüllung ihrer Pflicht. Boron sei Ihrer Seelen gnädig.

"Auch die Familie Schwingenfels hat, wie ich höre, einen hohen Blutzoll entrichten müssen. So mancher würde die Gelegenheit gerne nutzen, um ihnen die Flügel zu stutzen. Oder zumindest das Band zwischen Natzungen und Schwingenfels ein wenig zu lockern.“

Hartsteen braucht vor allem inneren Frieden.

"Wie Ihr wünscht, mein Graf."

Weiter.

"Rommilys hat dank unserer Hilfe standgehalten. Die Heptarchenknechte sind besiegt und die Wenigen, die noch nicht den glorreichen Waffen der Hartsteener Ritterschaft erreicht wurden, haben sich in alle Winde zerstreut. Sie stellen keine große Gefahr mehr dar."

Gut.

"Aber auch wir haben tapfere Streiter zu beklagen. Ratsmeister Jarlak von Binsenbeck…"

Ist er denn einer von uns? Ein Hartsteener?

"Er focht ritterlich - und starb auf dem Heimweg gen Hartsteen in einem feigen Hinterhalt von versprengten Haffaxschergen. Seine Mörder sind bereits gerichtet. Leider nur ein kleiner Trost, Binsenbeck war ein guter Mann, der sich nicht von den Pfeffersäcken der Reichsstadt vereinnahmen ließ."

Doch nun benötigt die Reichsstadt Hartsteen einen neuen Ratsmeister.

"Ganz recht. Ich habe bereits mit dem Stadtrat Fühlung aufgenommen. Sie erbeten Euren Vorschlag, bevor sie zu einer Wahl schreiten, mein Graf. Obgleich die Stadt nur der Kaiserin untertan ist, ist sie sich des engen Beziehung mit Euch und Eurem Hause wohlbewusst."

Wir werden den braven Bürgern Hartsteens die erbetene Antwort alsbald zukommen lassen.

"Das höre ich mit Freuden, mein Graf. Falls Ihr mir die Bemerkung gestattet: Mit Eurer Zustimmung würde ich die Bürde der Ratsmeisterschaft gerne auf mich nehmen."

Nein. Die Stadt ist kein Ort für einen Ritter wie Euch. Euer Platz ist woanders.

"Wie es Euch beliebt, mein Graf."

Fahrt fort.

"Das letzte Jahr war ein gutes. Reich stand das Korn auf den Feldern und die Bäume hingen voll süßer Früchte.“

Das wissen wir. Endlich blüht Hartsteen wieder auf.

"Leider nicht, mein Graf. Die Zeit der Entbehrungen schien überwunden und so mancher nahm die vorzeiten in Hartsteen übliche Praxis wieder auf, die Ernte dieses Jahres bereits im Voraus zu verkaufen - in der berechtigten Hoffnung auf einen weiteren Aufschwung. Ihr wisst: Viele hatten in den Fehdejahren hohe Summen leihen müssen, die nach wie vor auf ihnen lasten. Um dieser Bürde schneller ledig zu werden, griffen sie umso lieber zum Mittel des vorzeitigen Verkaufs. Doch als der Heerbann unter Befehl des Blautann auf dem Weg nach Osten durchzog, veranlasste jener - Ihr wisst, er ist kein Freund Hartsteens - das rücksichtslose Requirieren zur Versorgung seiner Truppen, wodurch die gute Hoffnung zerrann. Ein übriges taten die plündernden Horden des Schattenmarschalls: Die Ernte ward ohne Ausgleich fortgenommen und man konnte nichts dagegen tun. Doch die Garether Pfeffersäcke pochen immer noch auf die Verträge. Man munkelt, dass sich die Goldene Lanze schon zur Vollstreckung bereit mache.“

Der Name Blautann wird in Hartsteen schon für den Totengräber verwendet und in einer Linie mit den zwölfmal verfluchten Heptarchen genannt.

"Mein Graf, die Blüte der Hartsteener Ritterschaft, die mit Freuden ihr Blut für Euch, die Königin und das Reich vor gar nicht so langer Zeit in der Wildermark, und nun vor Rommilys und auf dem Feldzug gen Mendena gegeben hat, steht beschämt und bar der Ehre, die ihr zukommen sollte."

Die Ritterschaft ist ein Teil Hartsteens. Fest mit ihm verbunden. Unersetzbar. Sind die Wurzeln einmal gekappt, wird das Land zugrunde gehen. Neue Herren, Fremde, Reingeschmeckte; sie werden nicht verstehen und die uralten Bande nicht erneuern können. Wir dürfen das nicht zulassen.

"Aber was dann, mein Graf?“

Treue wird mit Treue vergolten.

"Das gibt die gräfliche Schatulle nicht her. Nicht mal im Ansatz könnten wir für alles aufkommen. Die Ritter selbst können es nicht. Wer leiht denn noch einem Hartsteener? Und wenn doch: Der Preis würde sehr hoch. Wir verkaufen unsere Zukunft für das Überleben und machen uns selbst zum politischen Spielball fremder Interessen.“

Spielball? Das sind wir schon längst. Gleichwohl hat dies nichts mit den eitlen und flüchtigen Plänen derer zu tun, die meinen, die Macht fest in Händen zu halten. Denen ist zu entgehen, wenn man nur fest entschlossen und untereinander einig zusammen steht. Ist das alles?

"Noch nicht, mein Graf. Ein Lichtblick, wenn auch ein flackernder. Die neue Natternbrücke bei Haldensbrüel ist so gut wie fertig. Bis jetzt gab es keine Nachrichten aus Wandleth oder vom Reichserzkanzler in dieser Angelegenheit; ist wohl unter dem Trubel um Haffax’ Landung in Perricum untergegangen. Ich fürchte aber, das wird sich ändern, wenn demnächst die ersten Fuhrwerke den Fluss überqueren.“

Dann wird der Streit erst richtig beginnen.

"Wir sind vorbereitet, mein Graf."