Marmor für das Monument

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Marmor für das Monument

GARETH Am Rande des Reichskongresses, dessen turbulente Entwicklung zeitweilig alles in ihren Bann zog, wurden Absprachen getroffen und eingelöst, die weitreichende Konsequenzen für Garetien haben werden: Burggraf Parinor von Borstenfeld und Reichsvogt Horbald von Schroeckh, die sich über den Baugrund des Siegesmonumentes entzweit hatten, warben gemeinschaftlich um die Goldstücke in der Garetier Säckel. Nachdem eine große Zahl an Baronen sich dem Mahnmal zugewandt hatte – nach jener Ansprache Seiner Exzellenz Praiodan von Luring auf Burg Grünwarte – wuchs die Schar der Unterstützer stetig an. Die wenigen Namen der ersten Stunde (Hal von Halhof, Wulf von Uslenried, Oldebor von der Raulsmark, Ardo von Ochsenblut, Alwene von Hartsteen) vermehrten sich bald um viele weitere, unter denen sich sogar bekehrte Zweifler befinden (Erlan von Syrrenholt, Yendor von Gallstein, Simold von Haselhain) und höchste Ränge (Danos von Reichsforst, Berdin von Vierok, Efferdane von Eslamsgrund). Bugenhog und Schroeckh sammelten während des Reichskongresses Zusagen über Zusagen ein – und schrieben sie als Verbindlichkeiten unter den Augen des Listigen Phex in das Devotionsbuch des Siegestempels. Wo Zetern anhub, drohten die beiden mit Praioskirche (und schlimmer noch: mit Luring), wo Schmeicheln half, da waren sie zuckersüß, wo Ratio herrschte, gaben sie sich klug und beredt, wo Ahnungslosigkeit waltete, waren sie noch klüger und beredter. Kurzum: So mancher wackere Freiherr des Königreiches versprach auf seine Ehr’ nicht weniger als ein ganzes Jahreseinkommen seines Lehens, manche nahmen Pfand und Zins auf sich und ihre Burg. Man kann fast sagen: Wer heute nicht zu den Stiftern gehört und Brief und Siegel vorweisen kann, der schließt sich selbst aus den gehobenen Kreisen der garetischen Aristokratie, in deren Reihen vorzudringen schwer genug ist, in sie zurückzukehren aber umso schwerer.

Auf einer Versammlung des garetischen Adels waren die beiden Stadtherren Bugenhog und Schroeckh wie alte Freunde und plauderten amüsant und selbstbewusst mit diesem und jenem, erzählten jedem, der es hören wollte (und allen anderen auch), wie famos die beiden Immanmannschaften Immanbanner Gareth und Kaiserstolz Wehrheim doch seien, die Einnahmen ihres Spiels dem Tempelbau gestiftet zu haben. Auch die Anekdote der nordmärkischen Baronin von Riedenburg wurde hervorgeholt, welche auf dem Empfang der Nordmärker vor etlichen Monden ihre 500 Goldstücke zusagen musste (die man von den Erben der Verschollenen schon einforderte ...). Als des Raschtulswallers volle Gläser genügend gereicht worden waren, begannen vielerorts die Gespräche konkretere Formen anzunehmen. Habe man mit dem Klosterbau schon begonnen? Wie viel Geweihten und Laien mag es fassen? Welche Strecke wird sich zur Wallfahrt eignen? Ist die eigene Baronie vielleicht am Wegesrand? Werde der Tempel nun eher gräulich wirken oder rosenfarben? Vielleicht auch gelb?

»Das hängt vom Stein ab«, sprach Wandleths Stadtmeister Robosch, Sohn des Rebasch, mit seinem zwergischen Grollen. »Das hängt vom Stein ab.« – »So, so!« wisperte es durch die Reihen; und: »Ich hätt’ ihn ja lieber rosafarben ...« – »Oh! Aber ein sanftes Gelb, wie Sommerblumen!« – »Ich finde, ein schlichtes Grau ist zu bevorzugen, wir brauchen doch keinen Tempel in der Frabe einer Butterblume.« Der Greifenfurter Hilgert vom Finsterkamm stellte sodann die entscheidende Frage: »Wer sucht denn solche Steine? Und was kostest es?« Und Baron Simold von Haselhain gab die entscheidende Antwort: »Diesä Männär und Frauen haissen Prospektorän. Und die bästen gibt’s im Kosch.«

Und so traten die Adligen Garetiens an die Koscher Gesandtschaft heran, um einige der besten Prospektoren bittend, die der Kosch zu bieten hat. Fürst Blasius gewährte sie gerne. »Meine Jungs und Mädels, die kennen sich aus in den Bergen! Die finden so guten Stein, dass auch die Zwerge nicht schimpfen können.« Noch in der folgenden Woche brachen verschiedene Trupps mit Prospektoren aus dem Kosch, aus Eslamsgrund und aus dem Schlund auf, um im Raschtulswall nach dem besten Marmor zu suchen, der sich auftreiben ließe. Man hatte ihnen eingeschärft, sich ja Mühe zu geben und dort zu suchen, wo eben noch keiner geguckt hat. Und so zogen sie los.

Ach ja, die Farbe. Darauf hat man sich noch nicht geeinigt. So suchen die Prospektoren also nach grauem, gelbem und rosafarbenem Marmor ...

Barnemund von Plitzenberg