Ladung zur Langen Jagd - Die Greifin über Kaiserlay

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„Tausend Worte? Oh ihr Götter, bitte nicht!“, der Seufzer der Greifin schreckte Bredogar Eustachius von Parsenburg aus seiner Lektüre und ließ ihn zu der Markgräfin hinüberlinsen, die vor dem Feuer in ihren Korrespondenzen las.

„Den Jäger zum Poeten gemacht, sage ich nur“, grummelte die Landesherrin weiter. „Ansonsten bin ich mal gespannt, wer für das ganze Spektakel aufkommen wird.“ Gerade wollte sich der Meister der Mark zu Wort melden, da fuhr Irmenella von Wertlingen auch schon fort: „Na wer wohl? Es ist doch immer dasselbe. Wir zahlen und sind gleichzeitig bemüht, alles so aussehen zu lassen, als wären die Geldkatzen leer, weil man uns sonst die Steuern erhöht.“ Der Kanzler nickte bedächtig mit dem Kopf, was seine Brotherrin allerdings natürlich nicht sehen konnte.

„Und dabei sitzt die Mersingen auf der Kaiserley buchstäblich auf dem Geld. Vielleicht können wir wenigstens dafür sorgen, dass Kost und Logis auf die Börse Rohajas geht. Kommt die Kaiserin überhaupt?“ Der Kopf des Meisters der Mark ruckte nach oben und dem verwirrten Gesichtsausdruck nach versuchte er ernstlich, eine Antwort zu finden, die aber in den Überlegungen seiner Herrin unterging.

„Ich hoffe es wirklich. Sonst wird diese aufgeblasene Gans sich als Stellvertreterin der Krone in Szene setzen. Das hätte gerade noch gefehlt. Bloß weil sie ihren Allerwertesten inmitten des Reichsforstes auf einem goldenen Kissen absetzen konnte, heißt das noch lange nicht, dass sie unsere Feierlichkeiten zu ihren eigenen machen darf.“

Unwillkürlich hatte Bredogar seinen Kopf ein wenig eingezogen. Wann immer seine Herrin auf die Pfalzgräfin zu sprechen kam, wurde ihre Stimme härter und lauter. Aber wen wunderte dies schon, hatte doch Thargrîn Raugunde von Mersingen nichts unversucht gelassen, der Greifin in die politische und vor allem in die wirtschaftliche Suppe zu spucken. Dass eines der Eigenlehen Irmenellas direkt an die Pfalzgrafschaft grenzte, machte die Sache nicht besser. Die grenzbedingten Streitpunkte, die die in der Jurisdiktion sehr gut bewanderte Pfalzgräfin nun schon seit dem Beginn ihrer Bestallung ins Feld führte, variierten von Mond zu Mond und hatten dazu geführt, dass der Landvogt, Tsadan von Werzel, vor einem halben Götterlauf ein Gesuch um die Entlassung aus dem Amt gestellt hatte, was die Greifin rundheraus abgelehnt hatte. Seitdem war es an ihm als Meister der Mark und ausgebildeter Jurist, der Mersingerin Paroli zu bieten.

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Texte der Hauptreihe:
K4. Die Greifin über Kaiserlay
10. Ron 1041 BF
Die Greifin über Kaiserlay
Des Fuchsrudels würdige Jagd

Kapitel 4

Autor: BB