Kressenburger Neujahrsstechen 1042 BF - Teil 3

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Katze und Reh

Seenfurt, Grafenmark Havena, Rahja 1041

„Wohin?“, fragte Rehlein ein wenig verdutzt und verlangsamte Fia als sie vom Vorhaben ihrer Schwester hörte.

„Nach Kressenburg.“, erwiderte Sióna Leuensang von Havena nickend und ließ auch Talamh langsamer werden.

„Das... das... das liegt aber nicht in Albernia!“, stammelte Rehlein sichtlich verwirrt.

Kressenburg liegt ja auch in Greifenfurt.“, stellte die Geweihte klar.

„In Greifenfurt?“, wiederholte Rehlein ungläubig, die ihren Namen aufgrund ihrer dunklen Augen und ihrem zurückhaltenden Wesen trug , „Aber... aber... das liegt jenseits der Nordmarken!“

„Keine Sorge, Rehlein.“, versuchte die Geweihte ihre jüngere Schwester zu beruhigen, „Ich beschütze dich vor den bösen Nordmärkern. Sie werden dir nichts tun, das verspreche ich dir.“

„Die haben unseren Vater auf dem Gewissen!“, schimpfte sie da sichtlich erregt und brachte ihr Pferd zum Stehen, „Unseren Vater, hast du das vergessen? Und du willst da einfach so durchreiten? Einfach so?“

Sióna brachte auch ihr Pferd zum Stehen und schwieg. Sie hätte viel sagen können, sagen wollen, vielleicht sogar sagen sollen, aber sie tat es nicht, denn nichts und niemand konnte ihren Vater zurückbringen, keine Wut, keine Rache, nichts. Es war eine harte Lektion für sie gewesen, aber sie hatte sie gelernt – zuvor hatte es sie aber beinahe um den Verstand gebracht. Ihr Vater war tot und das würde er immer bleibt, doch die, die ihn um sein Leben gebracht hatten, den Töchtern ihren Vater und der Mutter ihren Mann genommen hatten, würden vor den Göttern in der Stunde ihres Todes dafür Rechenschaft ablegen müssen. Vergeben konnte sie zwar nicht, auch nicht vergessen, aber weil sie irgendwie damit Leben musst, hatte sie für sich selbst einen Weg gefunden: Ihr Vater lebte durch sie und ihre Schwestern weiter.

„Und… und außerdem... ist das ganz schön weit weg.“, hob Rehlein da an, „Bestimmt einen... einen halben Götterlauf oder... oder gar noch länger. Und ganz abgesehen davon müssten wir Mutter und Neowyn ganz allein lassen.“

„Ach, die kommen auch ganz gut ohne uns zurecht.“, winkte Sióna ab.

„Und was gibt es da in… ähm... Kressen... hm... burg?“

„Ein Turnier.“, erwiderte die Geweihte.

„Ein Turnier?“, fragte Rehlein ungläubig, „Ein Turnier? Und was willst du da?“

„Teilnehmen. Am Turnier.“

„Warum?“, schoss es aus Rehlein heraus, „Hier in Albernia gibt‘s doch auch Turniere!“

„Weil ein Prophet nichts im eigenen Land gilt.“, erwiderte Sióna zuerst, fügte dann allerdings noch hinzu: „Weil SIE mich dahin schickt.“

„Sie?“, verständnislos blickte Rehlein sie an.

„Meine Herrin schickt mich.“, erwiderte die Geweihte.

„Die...“, Rehlein dämpfte ihre Stimme zu einem Wispern, „Die Leuin?“

Da nickte Sióna und bestätigte laut: „Die Leuin!“

„Und… und komme ich in ihrem Plan auch vor?“

„Ich weiß nicht.“, gestand die Geweihte, „Ich kenne ihren Plan nicht. Ich weiß nur, dass ich zum Turnier soll und ich mich sehr freuen würde, wenn du mich begleitest.“

Rehlein seufzte: „Aber... aber... ich war noch nie... noch nie...“ Ihre Stimme wurde so leise, dass selbst Sióna sie kaum noch hören konnte. „... nie... nie... außerhalb Albernias!“

„Höchste Zeit, das zu ändern.“, wisperte ihre Schwester zwinkernd zurück.

Rehlein schwieg einen Moment und schien abzuwägen, ehe sie sagte: „In Ordnung, ich begleite dich, wenn... wenn DU es Mutter sagst.“

Nachdem sie ihre Runde um Seenfurt beendet und dem Auftrag ihrer Mutter genüge getan hatten, ritten die beiden Schwestern zurück nach Seenfurt und Sióna kam in der Efferds Hall‘ ihrem Versprechen nach.

„Im Übrigen, werte Frau Mutter, möchte ich Euch darüber unterrichten, dass Rehlein und ich in wenigen Tagen zum Kressenburger Neujahrsstechen – Kressenburg liegt in Greifenfurt – aufbrechen werden.“

„Aber Kätzchen...“, hob Ighraine da geradezu anklagend an.

Weiter kam sie nicht, denn Sióna fiel ihr augenblicklich verärgert ins Wort: „Frau Mutter, Ihr sollt mich nicht immerzu so nennen!“

„Ich weiß, Kätzchen, ich weiß...“

„Ich bin eine Geweihte der Sturmherrin!“, beharrte Sióna.

„... und ich bin immer noch deine Mutter, da magst du der Sturmherrin so viel dienen wie du willst."

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Texte der Hauptreihe:
K1. Teil 1
K2. Teil 2
K3. Teil 3
K4. Teil 4
K5. Teil 5
K6. Teil 6
K7. Teil 7
K8. Teil 8
K9. Teil 9
K10. Teil 10
K11. Teil 11
K12. Teil 12
K13. Teil 13
K14. Teil 14
K15. Teil 15
K16. Teil 16
Autor: Orknase