Kressenburger Neujahrsstechen 1042 BF - Teil 24

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Ende des ersten Tages - Im Schankzelt

Wenn sie so beisammen saßen, konnte man die Verwandtschaft kaum übersehen. Grinugildis von Waldenklamm, die mit ihrem Gemahl und dessen Bruder aus Weiden angereist war, schob zwei der drei Humpen zu ihren beiden jüngeren Geschwistern.

„Es ist so schön, euch beide zu sehen. Odilon, du siehst toll aus. Und du hast dich gut geschlagen gegen deinen Vetter Ardo.“

Der frisch gebackene Ritter fuhr sich mit der Hand durch das strubbelige nussbraune Haar. „So, hab ich das? Mein Hintern sagt mir was anderes. Der tut von dem Sturz noch ganz schön weh.“

Die beiden Schwestern kicherten. Grinugildis zuckte entschuldigend mit den Schulter. „Ich kenn mich da ja nicht aus. Aber mein Schwager Walthari hat gebrummt und Waldhold hat ihm dann zugenickt. Ich denke, in der Rittersprache war das wohl ein Lob für deinen Auftritt.“ Jetzt mussten alle drei lachen und prosteten sich zu.

„Jetzt aber mal genug von Odilon. Sonst steigt ihm die Aufmerksamkeit noch zu Kopf“ warf Robana von Waldenklamm ein. „Wie geht es Mutter und unseren Großen?“.

„Oh, Mutter geht es soweit gut. Es gibt ja immer was zu tun in Schroffenfels. Sie plagt halt ein wenig die Einsamkeit so ganz ohne ihre sechs Kinder. Aber in Goldacker bin ich nicht allzu weit weg und ich besuche sie, so oft es meine Pflichten zulassen. Waldemar hat aus Waldenklamm wieder ein anständiges Gut gemacht. Soweit man aus einem Stück Land in den Hängen des Finsterkamms halt was machen kann. Wir haben die Sonnenwende in Dergelquell verbracht und Waldenklamm einen Besuch abgestattet. Ich soll euch alle schön von unserem Großen grüßen. Von Walpurga habe ich auch schon lange nichts mehr gehört. Aber ich glaube, Mutter plant, sie alsbald nach Schroffenfels zu holen. Sie will der Herzogin irgendwann mal jemanden aus der Familie als Nachfolger für den Vogtposten empfehlen.“

Natürlich hatten Robana und Odilon noch viele Fragen und wollten wissen, was sich sonst so in der Weidener Heimat getan hatte. So entwickelte sich ein munteres Gespräch, in dem die so weit verstreuten Geschwister sich in familiärer Vertrautheit und Geborgenheit suhlen konnten. Denn nur zu bald würde wieder der Abschied nahen und wer wusste schon, wann man sich wieder sah.

„Ach je. Ich tattrige alte Maid.“ Entfuhr es Grinugildis plötzlich. Ich habe ja noch was für euch.“ Mit einem vorfreudigen Grinsen kramte sie aus ihrer Tasche zwei kleine in Leder eingeschlagene Pakete aus und überreichte jedem ihrer Geschwister eines davon. Odilo packte seins eilig aus und konnte einen kleinen Aufschrei der Verwunderung kaum unterdrücken. Silberne Sporen waren es, die reich und mit hoher Kunstfertigkeit mit Ziselierungen überzogen waren. Auch in Robanas Paket waren ähnliche Sporen.

„Das…das ist großartig. Danke, Schwesterlein. Hast du…?“

Robana blickte ihre Schwester mit großen Augen an. Grinugildis stieg eine leichte Röte ins Gesicht. Sie tat sich schwer mit Lob für ihre Arbeit. Für sie waren solche Werke Geschenke des Großen Schmiedes bei denen sie nur das ausführende Werkzeug war. Wenn sie daran arbeitete, fühlte sie sich ihrem Gott nahe. Schnell versteckte sie ihr Gesicht hinter dem Krug und spülte den aufkommenden Kloß in ihrem Hals einfach runter. Dann winkte sie ab. „Ja, ja. Ich hab den ganzen Tag ja nichts Besseres zu tun.“

Odilon und Robana wussten, dass das nicht wahr war und nur ein Ausdruck von Grinugildis Bescheidenheit. Eine Adlige, dem Ingerimm geweiht, war sicher eher ungewöhnlich. Aber in der Sichelwacht, wo auch der Adel umgeben von schroffen Felsen und in vielen Fällen auch abhängig von den Schätzen der Berge war, war die Nähe zum Himmlischen Schmied nichts ungewöhnliches.

Grinugildis griff noch einmal in ihre Tasche und zog zwei Umschläge mit dem Siegel der Rinnfoldshausener raus. „Briefe von Mutter an euch beide“ sagte sie und blickte dann eindringlich ihre Schwester an. „Deinen solltest du so bald wie möglich lesen. Ich denke, es geht um deine Zukunft. Zwar weiß ich nicht genau, um was es geht. Aber mein Schwager, der Baron von Dergelquell, hat sich in den vergangenen Tagen sehr ausführlich über dich informiert und hat dem Messen der Knappen aufmerksam zugeschaut, was er sonst nie macht.“

„Puh!“ Robana ließ sich in ihrem Stuhl zurückfallen. „Du machst mich aber jetzt arg neugierig. Aber für hier“, sie sah sich in dem vollen Schankzelt um, „ist das wohl nichts.“

„Dann lasst uns auf die Zukunft trinken.“ Odilon hob den Krug zur Tischmitte hin.

Seine Schwestern stießen mit einem, „Auf die Zukunft“, an.

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Texte der Hauptreihe:
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K2. Teil 2
K3. Teil 3
K4. Teil 4
K5. Teil 5
K6. Teil 6
K7. Teil 7
K8. Teil 8
K9. Teil 9
K10. Teil 10
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K19. Teil 19
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K24. Teil 24
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K29. Teil 29
Autor: Marcus D.