Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Die Hex geht um

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Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Die Hex geht um
29. Praios 1041 BF, Kressenburg

In der einsetzenden Abenddämmerung des 29. Praios trabte eine verhüllte Dame auf einem schweißnassen Elenviner-Vollblut ins Turnierlager zu Kressenburg. Die Reiterin trug einen wallenden, moosfarbenen Umhang mit Kaputze, welche fast ihr gesamtes Antlitz verbarg. Einzig ein weich gezeichneter Mund und ein langer, nussbrauner Zopf, welcher ihr nach vorn über der Schulter bis hinab zur zum Schoß viel, waren zu erkennen. Hildegund Madaline von Galebfurten war dem Oberhaupt ihrer Familie ins greifenfurtsche gefolgt, hatte jedoch unterwegs einige ihrer Schwestern besucht und kam so erst deutlich nach Beginn des Turniers in Kressenburg an. Jedoch wusste sie sehr wohl, dass Jolenta in der dritten Runde der Tjost-Wettkämpfe eine schmerzhafte Niederlage eingesteckt hatte und sich nun im Lazarett befand. Der gefiederte Freund hatte ihr seine Augen geliehen. Ohne Umwege steuerte die Edle das geräumige, weiße Zelt an, dessen Eingang alles und jedem offen stand. Als sie abgestiegen war schlug sie ihre Kapuze zurück und trat sogleich ein.

Auf einer hölzernen Bank saßen zwei recht junge Burschen in Wappenröcken, offenkundig Knappen und warteten. Ein Mädchen gleichen Alters und Kleidung wurde gerade verarztet. Alle drei schienen sie arg lädiert, als kämen sie gerade aus einer anständigen Keilerei.

Die junge Laiendienerin der Peraine die hier ihren Dienst versah blickte Hildegund freundlich an und fragte nach ihrem Begehr. Sie erkundigte sich nach ihrer Base, nur um kurz darauf von einem Knaben im Dienste der Heilerin zu Jolenta geführt zu werden. Die Junkerin lag mit verbundenem Oberkörper auf einer Liege und schlief. Man hatte ihr etwas gegen die Schmerzen gegeben sagte der kleine Mann. Sie habe mehrere geprellte Rippen davontragen, zwei seien gar gebrochen.

Hildegund bat um einen Schemel und ward mit Jolenta alleine gelassen. Sie setzte sich neben ihre Base und ergriff ihre Hand. Satuaria und Peraine würden zusammenfügen was zusammen gehörte, Verletzungen heilen, Schmerzen lindern und sie würde das Werkzeug der Götter Willen sein.

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Jolenta erwachte als das Madamal bereits lange am Firmament zu sehen war. Ohne ein Wort drehte sie den Kopf und sah die deutlich jüngere an. Hildegund gab ihrer Base Zeit sich zu sammeln und wartete bis diese das Wort an sie richtete.

“Schön, dass du noch gekommen bist. Ich wünschte du hättest mich in der zweiten Runde reiten sehen.”

“Dann hätte ich deinen Sturz am gestrigen Tag aber auch beigewohnt und das war sicher weniger rühmlich.” Kam es mit spitzem Ton. “Wie kannst du deine Gesundheit nur so leichtfertig aufs Spiel setzen? Du bist keine dreißig mehr. Du hast über vierzig Sommer gesehen und solltest es besser wissen.” Gereizt brach der Vorwurf aus Hildegund hervor.

Doch die Junkerin lächelte nur milde. Sie kannte ihr impulsives Wesen nur zu gut. “Du gönnst mir auch gar keinen Spaß. Sicher, der Aufprall war weniger schön, doch bis dahin habe ich mich so lebendig gefühlt wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Ich bin nicht zur Verwalterin geboren, aber ich habe die Rolle gespielt, zum Wohle unseres Hauses und auch zu deinem Wohl.”

“Was soll das denn jetzt wieder heißen?” Ein gefährliches Funkeln ergriff die grünen Augen der Edlen.

“Das du ohne Roklans schützenden Hände sicher schon den Praioten in die Hände gefallen wärest bei deinem Lebenswandel. Und der Baron ist uns nur so verbunden, weil wir treu und ergeben zum Haus Leihenhof stehen. Darum!” Nüchterne Logik, das waren die Waffen mit der Jolenta Galebquell über Jahre als Erbvögtin verwaltet hatte.

“Pah! Und ohne meine Gabe würdest du jetzt Wochenlang das Bett hüten müssen. Anstelle dessen wirst du nun schön die angeschlagene, ach so tapfere Ritterin spielen, dir den Rest des Turnieres gemütlich auf einem weichen Kissen sitzend von der Tribüne aus ansehen und dann einfach zurück nach Hause reiten, ohne zu leiden. Und du hättest die Schmerzen verdient für die Torheit hierher zu kommen.” Diesmal war es Sarkasmus der in Hildegunds Stimme mit schwang und versuchte die Junkerin zu verletzen.

Jolenta wollte zu einem Lachen ansetzen, zu offensichtlich war die Überspitzung der Tatsachen, doch es ging in ein gequältes Husten über. “Versuch einmal dich nicht zu bewegen und öffne deinen Geist.” Nun doch besorgt strich die Jüngere der Ritterin über den Arm und ergriff mit der anderen erneut ihre Hand.

Als sie zu murmeln begann und die Sternenkraft dank Satuarias Gnade floss, schloss Jolenta die Augen und seufzte erleichtert.

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Der Morgen dämmerte bereits als Jolenta erwachte. Draußen krächzte ein Boronsrabe und die Junkerin wusste, dass es sich dabei um den stetigen Begleiter Hildegunds handeln musste. Diese saß immer noch neben ihr und hielt ihre Hand, was die Junkerin zum Schmunzeln brachte.

“Danke”, sagte sie leise.

“Gern geschehen alte Dame. Tu mir einfach den Gefallen in Zukunft besser auf dich auf zu geben”, kam die Antwort, nicht ohne eine kleine Spitze.

“Ich werde es versuchen. Versuche du doch bitte im Gegenzug auf diesem Turnier mal nicht aufzufallen und einem Angehörigen des Hochadels zu ‘verzaubern’ und ihm den Oberkörper beim Liebesspiel zu verkratzen.”

“Das wiederum kann ich dir nicht versprechen.” Hildegund grinste schelmisch. “Jeder hat so seine Schwächen und Vorlieben.”

Beide lachten.