Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Aufs Mett

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Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Aufs Mett
25. Praios 1041 BF, Kressenburg, Knappenturnier 1.Runde

„Ich hab da so meine Zweifel, Grin. Vielleicht sollten wir doch besser zurückziehen? Nicht dass dieser halbe Troll uns das Mädel kaputt haut? Ich mein ... das ist dann vielleicht doch ein bisschen viel?“

„Hmhumpf.“

Gringolf von Högelstein verzog den Mund. Er wusste genau, was sein treuer Waffenknecht Stig meinte. Das Los war nicht gnädig zu seiner Knappin gewesen. Die Arme stand einem Kerl gegenüber, der knapp zwei Schritt maß und unter dessen Kettenhaube sich vermutlich ein veritabler Stiernacken wölbte. Das war kein Junge, das war ein ausgewachsener Mann. Gringolf hegte den Verdacht, dass der Hüne schon mehr als 21 Winter zählte, und dann stellte sich Frage, was er noch auf diesem Feld suchte. In diesem Wettbewerb. Der Knappen. Ab 16. Zu denen Williswintha in zwei Monden auch gehören würde.

Freilich, die Kleine war an sich gar nicht so klein. Obwohl sicher fünf Jahre jünger als ihr Gegner, reichte sie ihm bis zur Nase. Sie hatte für ihr Alter eine stattliche Größe. Das Problem war nur: Es fehlte die Masse. Ihr Leib war in die Höhe geschossen, aber noch nicht in die Breite. Jetzt stand sie da also diesem Preisbullen gegenüber und wirkte mit den langen dünnen Ärmchen und Beinchen irgendwie doch sehr mickrig. Nahm man die linkischen Bewegungen hinzu ...

„Ich hab euch gesagt, dass das Blödsinn ist“, wandte Henk ein. Der andere treue Knecht. Wie Gringolf und Stig lehnte er an der Absperrung zum Kampfplatz – trug dabei aber eine sehr unzufriedene Miene zur Schau. „Wir wissen doch gar nicht, was das Mädchen eigentlich kann. Sie reist erst ein paar Wochen mit uns und für mehr als zwei, drei Übungskämpfe war keine Zeit.“

„Da hat sie sich doch gut geschlagen“, grummelte Gringolf.

„Ja sicher. Für die unerfahrene Knappin, die sie nun mal leider ist, nachdem sich in den letzten zwei Götterläufen wahrscheinlich niemand richtig um sie gekümmert hat.“

„Also ein paar Kniffe habe ich ihr schon ...“

„Mit dem Speer, Herr“, unterbrach Henk Gringolfs Beschwichtigungsversuch. „Und was hat sie da jetzt in der Hand?“

Ein Übungsschwert. Der Högelsteiner wog den Kopf und gab ein leises „Nun ja“ von sich. Dann war es aber leider schon zu spät. Der Preisbulle – Schattenstein hieß er – eröffnete den Kampf mit einem gewaltigen Hieb, der Henk irritiert blinzeln ließ und auch Gringolf ein wenig erschrak. Allein Stig zeigte sich unbeeindruckt. Er schnaubte belustigt und meinte:

„Na, so wie’s aussieht, wird die Sache wenigstens schnell vorbei sein. Dann geben wir der Kleinen ein bisschen Bier und sie wird die Schmerzen gar nicht mehr spüren.“

Tatsächlich war Williswintha nicht die Einzige, der dieser Kampf Schmerzen bereitete: Zwar bezog sie die Prügel, doch ihre drei Begleiter an der Bande verzogen die Gesichter, als würde auch ihnen das Fell gegerbt. Am Anfang hielt sich das Mädchen noch ganz gut und trug einige durchaus manierliche Attacken vor. Doch dann war es mit dem Glanz vorbei. Ihr Gegner machte ernst und vermöbelte sie nach Strich und Faden. Das war nicht schön anzusehen und die Sichler Beobachter wurden mit jedem Hieb des Schattensteiners nervöser.

„Heilige Scheiße“, entfuhr es Henk, als die Stockacherin zum wiederholten Mal von einem wuchtigen Körpertreffer erwischt wurde.

„Wir hätten ihr stattdessen dieses nette kleine Ballkleid anziehen sollen. Ich wette, dass sie dann besser auf ihre Wehr achten würde“, witzelte Stig. Obwohl er sich viel Mühe gab, klang das nicht belustigt, sondern eher besorgt. „Oder er hätte ihr da einen Riss reingeritzt und sie ihm dann außer sich vor Wut den Schädel eingeschlagen“, fuhr er gleichwohl fort.

„Warum gibt sie denn nicht einfach auf?“, Gringolf hatte gar nicht zugehört und schüttelte nun ungläubig den Kopf.

„Hat sich vermutlich Eure schlechteste Eigenschaft schon abgeguckt: die Sturheit“, meinte Henk nüchtern. „Nehmerqualitäten sind jedenfalls vorhanden, das muss man ihr lassen.“

Doch die waren irgendwann aufgebraucht. Eine ganze Weile noch leistete die Sichlerin erbitterten Widerstand, ohne ihren Gegner im Kurse dessen auch nur anzukratzen. Irgendwann war sie aber so erschöpft, dass sie das Ende des Kampfes unbeabsichtigt selbst herbeiführte: Ein Fehltritt, und sie stolperte mit dem Kopf voran in einen Hieb, der eigentlich dem Schildarm galt. Es schepperte laut und dann fiel sie. Wie ein gefällter Baum.

An der Bande geriet sofort Bewegung in zwei ihrer Begleiter. Einer sprang über sie hinweg, der andere tauchte unter ihr hindurch, um nach der gestrauchelten Streiterin zu sehen.

Allein der dritte im Bunde, der Knecht namens Stig, blieb mit einem reichlich perplexen Gesichtsausdruck zurück. Er schien nicht zu wissen, wohin mit sich. Nicht einmal ein flotter Spruch wollte ihm auf Anhieb einfallen. Es dauerte einen Moment, bis er ein zerknirschtes „Da wird Bier wohl nicht reichen“ von sich gab.