Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Ankunft von Jolenta von Galebfurten

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Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Ankunft von Jolenta von Galebfurten
24. Praios 1041 BF, Kressenburg

Jolenta von Galebfurten, Junkerin zweier Lehen in der nordmärkischen Landgrafschaft Gratenfels und Oberhaupt ihrer Familie in den Nordmarken ritt stolz aufgerichtet auf dem breiten Rücken ihres hellbraunen Tralopper Riesen ins Turnierlager ein.

Obwohl die am königlichen Kriegerseminar zu Punin ausgebildete Kriegerin bereits die vierzig Sommer überschritten hatte war ihr Äußeres durchaus als reizvoll zu bezeichnen. Sie besaß langes, dickes und wachsblondes Haar, welches leichte graue Strähnen bekam und trug schöne, aber kantige Züge. Ihre grünen, von Lachfältchen eingefassten Augen vermochten es zu fesseln, doch das bemerkenswerteste an ihr war wohl die eindrucksvolle Statur. Groß von Wuchs und trotz einer schlanken Taille, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatte, besaß sie ungewöhnlich breite Schultern und einen kräftigen Rücken.

In ihrem glänzenden Reiterharnisch modernerer Machart und dem Maskenhelm samt rot- gefärbtem Rosshaarkamm, sah sie eher aus wie eine Amazone, denn wie eine traditionsbewusste, nordmärkische Ritterin. Zu dem Bild passte auch der breite Reitersäbel der an ihrer Seite hing. Der wuchtige Zweihänder, welcher hinter ihr am Gestechsattel befestigt war wirkte klobig, doch sollte man sich nicht täuschen, sie vermochte ihn zu führen.

Jolenta hatte nie eine Pagen- oder Knappenzeit durchlaufen, war wegen ihrer Verdienste zur Ritterin geschlagen worden. Doch der Erbvögtin der Baronie Galebquell bedeuteten die Tugenden dieses Standes ebenso viel wie jedem anderen aufrechten Rittersmann.

Durch die einflussreiche, wie auch zeitraubende Aufgabe die Baronie Galebquell für den häufig abwesenden Baron Roklan Boromar von Leihenhof verwalten zu dürfen, war sie in den vergangenen Götterläufen mehr zu einer politisch- ambitionierten Spielerin auf dem Parkett des Adels geworden, als dass sie rondrianische Tugenden gefrönt hatte. Für diese für ihre Familie so bedeutende Rolle hatte sie ihre besten Jahre geopfert und hatte nie geheiratet.

Nun jedoch, da der Baron vom Feldzug gen Osten zurückgekehrt war und ihr einstiger Page Quendan Bodar von Hornisberg, in einem Ritter ihres Hauses, Wunnemar Thankmar von Galebfurten, den Sproß des rabenmärkischen Zweiges ihrer Familie, seinen Schwertvater gefunden hatte, wollte sie der Sturmherrin huldigen, wie sie es einst so gerne getan hatte.

Jolenta war keine aus der Vielzahl der Ritterschaft herausstechend gute Tjosterin. Nein, ihre Talente waren durch ihre politische Rolle in Galebquell weit gestreuter, als bei manch anderem Ritter, aber bisher war ihr dieser Umstand nie zu einem Nachteil geworden. Die Erbvögtin hatte ihre Familie zu beachtlichem Ansehen in der Landgrafschaft geführt und darüber hinaus blühte dank Peraines Hilfe das Junkergut Galebfurten, die sowas wie die Kornkammer der Baronie an den Ufern der Galebra darstellte, auf und verhalf dem Haus zu einigem Wohlstand. Das zweite Lehen, das Junkergut Quellpass, grenzend an den Kosch war durch schroffe Landschaft gekennzeichnet und dünn besiedelt, warf aber dank der Grenze zum Fürstentum Kosch einiges an Zolleinnahmen ab.

Gemeinsam mit ihren beiden Waffenknechten und einem kleinen Lastenkarren kam Jolenta ins Turnierlager. Die Junkerin saß hoch zu Ross, während Jargon und Ingmar den alten, widerspenstigen Klepper führten, der die Ausrüstung hinter sich her zog.