Keilholtzer Neuordnung - Rückkehr aus Grambusch

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Kressenburg, Mitte Rahja 1035 BF

Als der Baron und sein Gefolge durch die Stadt zur herrschaftlichen Burg hinauf ritten, säumten dutzende Menschen die engen Gassen Kressenburgs. Von allen Seiten hörte man Glück- und Segenswünsche und so wussten die Heimkehrenden am Burgtor bereits Bescheid als ihnen der fröhlich lächelnde Burgvogt entgegenkam. Ardo war schneller als alle anderen aus dem Sattel und bestürmte Phexian atemlos sofort mit Fragen.

"Wo sind sie? Sind sie wohlauf? Ich hörte Onkel Roderich musste kommen? Gab es Probleme?"

Phexian hob beschwichtigend die Arme und führte den aufgeregten Baron in das große Wohnhaus der Burg. "Alles verlief wunderbar. Keine drei Stundengläser, dann hatte Praiadne es überstanden. Seine Gnaden Roderich habe ich nur zur Sicherheit kommen lassen und Meister Wasjeff ist deiner Frau seit der Niederkunft nicht von der Seite gewichen. Ich sage dir, der Mann versteht mehr davon als manche von den alten weisen Frauen. Er hat in meinem Auftrag auch die Amme für deinen Sohn ausgewählt."

"Und wann?"

"Kurz nach deiner Abreise, am zehnten Tag des Herrn Ingerimm. Also genau an deinem eigenen Tsatag, den du nicht mehr in Kressenburg abwarten wolltest. Doch jetzt komm und sieh ihn dir selbst an. Praiadne wartet auch schon seit Tagen ungeduldig auf deine Heimkehr."

Halbwegs beruhigt und fröhlich grinsend ließ sich Ardo weiter durch die Gänge führen, bis sie vor dem herrschaftlichen Schlafgemach anhielten. Ohne zu zögern trat Ardo ein. Sofort bemerkte er, dass sich in diesem Raum seit seiner Abreise sechs Wochen zuvor einiges verändert hatte. In einer Ecke stand eine kleine Kinderwiege, vor der im Moment eine ihm unbekannte Frau saß und einen Säugling an der Brust hielt. Praiadne hockte dagegen an einem kleinen Tisch und löffelte eine noch dampfende Hühnerbrühe. Bei Ardos Anblick erhob sie sich sofort und fiel ihrem Gatten um den Hals.

"Ardo! Da bist du ja endlich! Wäre dein Brief nicht gewesen, dass du inzwischen auf dem Heimweg bist, ich wäre vor Sorge umgekommen."

Der Baron drückte seine junge Frau liebevoll an sich und genoss den kurzen Moment. Dann hörte er hinter sich die Schritte seiner Begleiter, die nun nach und nach alle in die Kammer traten und die Baronin begrüßten. Da der Raum für so viele Menschen nicht gedacht war, herrschte plötzlich eine ziemliche Enge. Dem Säugling schien das aufkommende Gewirr der Stimmen nicht zu behagen, denn er löste sich von der Brust der Amme und fing markerschütternd an zu schreien. Die Frau ließ sich jedoch weder davon, noch von den nun plötzlich auf ihr ruhenden Blicken aller Versammelten beirren, rückte mit der freien Hand ihre Bluse zurecht und trat dann mit dem Kind vor den Baron.

"Und du bist?"

"Halberta, die Amme, euer Hochgeboren. Wenn ich sagen darf, Euer Sohn hat ein sehr lebhaftes Wesen." Dabei hielt sie ihm das noch immer greinende Kind vor die Nase, damit er es nehmen konnte.

Vorsichtig griff Ardo zu und ließ die Amme widerstandslos seine Arme richten, damit er das wackelnde Köpfchen des Säuglings sicher im Griff hatte. "Ich hoffe doch du kommst damit zurecht?"

"Macht Euch da mal keine Sorgen Hochgeboren." Halberta überprüfte nochmal den Halt und nickte dann zufrieden bevor sie Ardo direkt ansah. "Ich habe selbst ein halbes Dutzend davon und alle sind sie lebhaft."

Ardo lächelte bei dieser Vorstellung amüsiert und schenkte der Frau ein dankbares Nicken. Dann drehte er sich mit dem Kind im Arm zu den versammelten Freunden und Verwandten um, damit sie seinen Erstgeborenen ansehen konnten. Vor allem seine Knappin Mechthild war völlig hingerissen von dem kleinen Bündel Mensch und wusste in ihrer Aufregung kaum wohin mit ihren Händen, bis sie in einem Ausbruch der Freude Ardos Pagen wild den Haarschopf zerwuschelte. Firnwulfs Proteste darüber gingen im allgemeinen Gelächter unter.

"Wie heißt er?" Der Baron trat zu seiner Frau und hielt das inzwischen ruhige Kind dabei mit dem Gesicht zum Fenster um es besser betrachten zu können.

"Ich habe die Namen der beiden Heiligen gewählt über die wir gesprochen haben mein Herz. Lichthüter Badilak und Seine Gnaden Roderich habe ihn am Praiostag nach seiner Geburt gemeinsam unten im Kloster gesegnet." Sie legte einen Arm um Ardos Schulter und streichelte mit der anderen Hand das Gesicht des Kindes, das daraufhin fröhlich zu glucksen anfing. "Dein Sohn heißt Answin Shazar von Keilholtz."