Keilholtzer Neuordnung - Pagen, Knappen, Traviabünde

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Pagen, Knappen, Traviabünde

Auf der Kressenburg, Ende Rahja 1035 BF

Am Tag nach ihrer Rückkehr aus Grambusch saßen Ardo und sein Vater allein im kleinen Kaminzimmer der Burg um die Ereignisse und Folgen der letzten Wochen einzuordnen und die daraus resultierenden Entscheidungen für die Familie Keilholtz zu treffen.

"Ich gebe zu, mir behagt meine neue Position ganz und gar nicht, Ardo. Das amtierende Familienoberhaupt zu stürzen, das hat es bisher noch nicht gegeben." Obschon sie allein waren, drehte Wulfhart seinen Bierkrug schon die ganze Zeit nervös zwischen den Händen. "Natürlich erkenne ich die Notwendigkeit dieses Schrittes, sonst wäre ich ihn nicht gegangen. Aber mir wäre deutlich wohler gewesen, wenn wir eine andere Lösung hätten finden können."

"Das mag sein, doch einen anderen Weg gab es nicht, Vater. Wir haben uns schon zu lange von Bogumil für seine egoistischen Zwecke einspannen lassen. Und was hat es uns gebracht? Die Hälfte der Familie wurde verstoßen und damit meine ich nicht das jüngere Haus sondern die Zweige des älteren die Bogumil abgetrennt hat. Der Rest von uns ist ein verstreuter Hühnerhaufen ohne Zusammenhalt. Es ist wahrlich an der Zeit das zu ändern." Der junge Baron ärgerte sich ein wenig über die erneut aufkommende Zögerlichkeit seines Vaters. Seit dem Tod der Mutter vor über zehn Götterläufen hatte der früher so tatendürstige Ritter kaum einen Schritt vom heimatlichen Rittergut getan, wenn ihn nicht eine Pflicht dazu zwang.

"Trotzdem wäre es mir lieber gewesen, wenn du gleich selbst den Schritt gegangen wärst. Du bist das wahre Oberhauot des älteren Hauses Ardo und das weißt du besser als jeder andere." Die Stimme des älteren Ritters klang fast vorwurfsvoll.

"Das ändert aber nichts daran, dass auch ich mich an Traditionen und die von Praios gegebene Ordnung halten muss." Ardos Tonfall war fast streng, so als würde er einem unverständigen Knappen etwas erklären. "Nachdem wir Bogumil und seine Abkömmlinge verstoßen haben bist du der älteste männliche Erbe in direkter Erbfolge. Wir haben hart genug an den Grundfesten der Familie gerüttelt. Wollen wir die Akzeptanz der anderen Linien nicht verlieren, wirst du das Amt des Patriarchen ausfüllen müssen. Würde ich es mir anmaßen, glaube mir, keiner würde mir allein folgen." Er nahm einen Schluck um sich zu beruhigen und als er fortfuhr war die Stimme deutlich sanfter. "Ich verstehe deine Situation Vater. Greifwin geht es seit seiner Belehnung mit Eslamsroden im jüngeren Haus genau wie dir. Viel Verantwortung auf Schultern die nie danach strebten diese zu tragen, aber nun dazu gezwungen sind und daran wachsen müssen."

"Es sei wie es ist. Trotzdem wärst du die bessere Wahl gewesen." Götterergeben seufzte Wulfhart und nahm einen tiefen Schluck aus dem Bierkrug. "Wenn wir das ältere Haus ernsthaft wieder vereinen und stärken wollen, sollten wir am Besten bei deinen Brüdern damit anfangen."

"Richtig. Ich gebe zu ich habe unterschätzt wie wichtig sie für mich und die Familie sein können nachdem ich das Lehen erhalten habe. Jetzt jedoch wäre ich mehr als froh darüber sie als loyale Stützen in Kressenburg zu haben. Nach dem Verlust von Finsterkamm ist es das wichtigste Lehen das dem älteren Haus geblieben ist und bis ich es geschafft habe die Finanzen in sichere Bahnen zu lenken steht hier alles auf tönernen Füßen. Die Greifin war nach ihrer Rückkehr kurz davor das Lehen einzuziehen und nur meiner Position als Garafanist ist es zu verdanken, dass sie mir stattdessen noch einmal das Vertrauen gegeben hat die Situation zu retten. Wir brauchen jeden guten Mann und jede fähige Frau die wir an uns binden können."

"Lass mal sehen." Der neue Patriarch begann an den Fingern abzuzählen während er seine Kinder durchging. "Rondwin ist bei der Garnision in Greifenfurt. Nach den Verlusten der Schlacht am Stein hat man ihn bei den fälligen Beförderungen übergangen, wahrscheinlich wegen Herdan Lucius und seiner Rolle bei dem Verrat. Er kommt mit dem neuen Hauptmann nicht sonderlich gut zurecht wie ich gehört habe. Es sollte mir nicht schwer fallen, ihn davon zu überzeugen in deine Dienste zu treten. Travhelm hat bald nach deiner Hochzeit die Weihe erhalten. Da die Schwester eurer Mutter seine Oberin ist, sollte sie eine Bitte um Versetzung in die Heimat nicht ohne Grund abschlagen. Und Firnward wird bald seinen Kriegerbrief erhalten. Die Frage ist nur ob er das zusätzliche Jahr zur Kompensation ableisten muss oder wir ihn vorher von der Akademie freikaufen können."

Beim letzten Punkt winkte Ardo ab. "Lass Firnward das Jahr länger ruhig dort. Praiadne meinte es schadet nicht. Außerdem können wir es uns derzeit schlicht nicht leisten. Rondwin wäre aber eine willkommene Verstärkung. Er hat Erfahrung als Offizier und jetzt mit meiner Familie auf der Burg, wüsste ich nicht wem ich das Kommando über die Burgwachen lieber geben würde als einem meiner Brüder. Was Travhelm angeht, er könnte mein Burgkaplan werden. Lichthüter Badilak hat bereits Andeutungen gemacht, dass er mir einen seiner Geweihten zur Seite stellen möchte wenn er mit den anderen Praioten den neuen Tempel in Hexenfeuer bezogen hat. Aber da das noch eine ganze Weile dauern wird, können wir bis dahin andere Fakten schaffen."

"Sehr gut." Wulfhart zählte an den Fingern weiter zu seinem jüngsten Kind. "Außerdem sollten wir uns bei Gelegenheit um eine geeignete Schwertmutter für Lisande kümmern. Sie hat inzwischen die Hälfte ihrer Pagenzeit in Pechackern hinter sich."

"Von Lisande einmal abgesehen sollten wir auch darüber nachdenken meine Geschwister unter die Haube zu bringen. Die Finsterkammer sind zu lange unter sich geblieben und haben die Familie politisch isoliert. Ich bin durch den Bund mit Praiadne den ersten Schritt gegangen und meine Brüder sind ebenfalls im rechten Alter um ihnen eine Braut zu suchen."

"Da du davon anfängst, mich hat in Grambusch Leomar von Zweifelfels angesprochen, ein entfernter Vetter deiner Großmutter. Er wünscht die Bande zwischen unseren Familien nach dem Tod meines Vaters erneut zu festigen, sei es durch einen Traviabund oder einen Knappenschaft."

"Warum nicht gleich beides? Ich finde die Idee hervorragend. Wir haben mit den Zweifelfelsern gemeinsame Grenzen und Interessen im Reichsforst. Sie sind ihrer zahlreich und ihre Stimme wiegt viel im Waldsteiner Adel. Lass einen meiner Brüder eine ihrer Töchter heiraten und ich werden gerne einen Zweifelfelser als Knappnen annehmen. Mechthild hat ihre Knappenzeit bald hinter sich, da hätte ich so oder so nach einem neuen Knappen Ausschau halten müssen." Ardo machte eine Pause und dachte kurz nach. "Vater, ich bin seit der Rettung des Koscher Prinzenpaares noch immer in lockerem Kontakt mit Baron Erlan von Sindelsaum. Jetzt wo die Koscher Krieger mitsamt eine mseiner Söhne in der Mark sind um uns zu unterstützen hat er erklärt, dass er noch mehr tun möchte. Der Sindelsaumer sucht für seine mittlere Tochter einen Gatten und nach ihrem Ritterschlag ein Lehen in Greifenfurt. Ein Rittergut könnte ich ihr wohl geben, wenn seine Anfrage bei der Greifin ohne Erfolg bleibt und Rondwin wäre etwa im selben Alter wie die junge Sindelsaumerin."

"Ein interessanter Gedanke." Wulfhart rieb sich nachdenklich das bärtige Kinn. "Zumal ich gehört habe, dass die Familie Sindelsaum nicht unvermögend sein soll. Das könnte sich für Kressenburg doppelt bezahlt machen."

"Wenn wir jetzt noch für Travhelm eine Braut finden...", fuhr Ardo enthusiastisch fort, doch wurde er hier sogleich von seinem Vater unterbrochen. "Über ihn musst du dir nicht den Kopf zerbrechen. Diese Angelegenheit liegt in den Händen der Travia-Kirche und wenn ich seinen letzten Brief richtig deute, hat er seine Wahl bereits getroffen. Wen immer er erwählt hat, wir werden sie akzeptieren und herzlich in die Familie aufnehmen."

In der Stimme des Ritters lag mit einem Mal eine ungekannte Autorität, die den jungen Baron verwundert verstummen ließ. Wenn es um das Wohl und Wehe seiner Kinder und die Belange der Travia-Kirche ging, hatte Wulfhelm noch nie viel Spaß verstanden. Ohne Widerworte nickte Ardo schließlich und gönnte sich ein zufriedenes Lächeln. So hatte er seinen Vater seit sehr langer Zeit nicht mehr erlebt und so war er ihm deutlich lieber.