Kaiserturnier 1041 BF - Yandriga von Urbet fordert Corian von Streitzig

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„Das, Gharena, ist der anstrengende Teil des Turniers … der Teil, wo die Politik gemacht wird.“ Die horasische Cavalliera verzog das Gesicht, als sie zu dieser Erklärung ansetzte, während ihre Knappin ihr die Lanze reichte, mit der sie gleich ihren Auftaktgegner aussuchen musste. Musste, nicht durfte! Wäre sie zu den Trutzern gelost worden, hätte ihr dies einige Umstände erspart, auf die sie gerade nicht so erpicht war.

„Ganz ehrlich, Gharena, über die Fallstricke, die das Fordern beim Turnier mit sich bringt, halten sie an der Universalschule in Methumis Seminare! Frag Auricanius, wenn wir ihn das nächste mal sehen, falls du mir nicht glaubst …“ Ihr Bruder, der Praios-Geweihte, diente der Cavalliera in letzter Zeit besonders gerne als Referenz, auf die man verweisen konnte – vor allem um sich selbst manch langatmige Ausführungen zu sparen.

„Sein Gesicht würde ich gerne sehen, wenn ich jetzt den Schild des Herzogs auswähle …“ Dabei zwinkerte sie ihrer Knappin verschwörerisch zu, auch wenn sie nicht wirklich daran dachte, diesem Gedanken Taten folgen zu lassen. Ebensolche Gedanken halfen ihr aber dabei, die eigentliche Anspannung abzuschütteln, unter der sie, die fremde Horasierin als Reizerin in einem ihr weitgehend nichtssagenden Feld mittelreichischer Ritter in diesem Augenblick stand. Schon die Tatsache, dass die Reizer nicht streng nach Rang sortiert waren und vom bedeutendsten zum unwichtigsten hinab ihre Forderungen aussprachen, irritierte sie. Nichtsdestotrotz hätte sie einfach ganz bis zum Schluss warten und den letzten verbliebenen Trutzer auswählen können. Allein … das hätte ihr Leiden in diesem für sie unangenehmen Moment nur noch verlängert.

„Man wächst an seinen Prüfungen“, pflichtete sie sich mehr selbst zu, als dass sie zu ihrer Knappin sprach, und ließ ihren Dunkelfuchs einen Satz nach vorn machen. Jetzt gab es kein Zurück mehr! Erst jetzt, als sie sich den fein säuberlich aufgereihten Wappen der Trutzer näherte, fiel ihr immerhin ein ihr bekanntes auf: das silberne streitzig’sche Ross auf blauem Grund, geviert zu einem roten Greifen. Die Streitzigs waren ihr mal mindestens aus ihrer Zeit in Almada ein Begriff. Dass das Ross zum Greifen geviert war, deutete sie so, dass es einem minder bedeutenden Mitglied der Familie gehören musste … oder ‘ner abseitigen Nebenlinie. Wozu aufwändig Heraldik auswendig lernen, wenn man sich das meiste sowieso mit gesundem Menschenverstand herleiten kann … Hochzufrieden mit ihrer spontanen Wahl, schlug sie so mit der Lanze gegen den Schild Corians von Streitzig!

Etwas später:

„Dass das so ein Jungspund ist, hättest du mir ja vorher mal sagen können, Gharena …“

„Nicht nur das, er ist wohl auch Baron von Uslenried … oder so … und Oberhaupt des gesamten jüngeren Hauses“, warf ihre Knappin ein.

„Oberhaupt? Dieser Jüngling …? Der kann doch gerade mal den Ritterschlag erhalten haben …“

„Sein Vater ist noch kein ganzes Jahr tot, Herrin, war wohl der stellvertretende Marschall Garetiens.“

„Marschall Garetiens? Überhaupt, was ist denn das jüngere Haus? Wer gehört da noch dazu?“

„Fast alle Streitzigs, die nicht in Almada leben, wenn ich das richtig verstanden habe …“

„Na, das kann ja interessant werden“, überkamen die Cavalliera allmählich Zweifel, wirklich eine gute Wahl getroffen zu haben.

Texte der Hauptreihe:
K53. Yandriga von Urbet fordert Corian von Streitzig
Autor: (Armin B.)