Kaiserturnier 1041 BF - Vater und Sohn

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Da war er nun, ein gestandener Ritter von fast fünfzig Götterläufen, der auf den Schlachtfelder der Wilder- und Rabenmark schon so viel gesehen, erlebt, durchlebt und vor allem überlebt hatte und doch krampften seine Gedärme bei dem Gedanken daran in kürze einem einzelnen Mann gegenüberzustehen, seinem eigenen Sohn. Er war dankbar auf seinem treuen Streitross sitzen zu können, denn alles an ihm fühlte sich unendlich schwer an. So viele dunkle, finstere und mehr noch, blutige Jahre waren vergangen, seitdem Wunnemar ins Herzogtum Nordmarken gegangen war und Knappe Roklan von Leihenhofs geworden war, des Barons von Galebquell.

Wer war er? Thankmar von Nadoret, ein Ritter aus dem koscher Niederadel der im noch frühen Mannesalter in eine junge Familie des Reiches geheiratet und seiner Frau Madalbirga von Galebfurten in einen scheinbar nie endenden Kampf gefolgt war, um das heimatliche Lehen ihrer Familie, die Baronie Tälerort nahe Altzolls zurückzuerobern und Land und Leute vor marodierenden Söldnern zu sichern.

Thankmar hatte keine Ahnung was er seinem Sohn sagen sollte. Da war so viel was in seinem Kopf herumschwirrte und doch wusste er das er daraus keine ganzen, zusammenhängenden und vor allem Sinn ergebende Sätze würde formen können, wenn er erst einmal vor ihm stand.

Der Große Schröter, wie der fast zwei Meter Mann mit buschigen Vollbart, massigen, breiten Schultern und einem Fass ähnlichen Torso aufgrund seiner riesigen Pranken und seiner berüchtigten Ringerfähigkeiten vom gemeinen Volk genannt wurde, würde ohne Zweifel sprachlos sein.

Eben dieser Mann, dessen Zangen kaum jemand entkommen konnte schmunzelte über sich selbst. Was gab er in diesem Moment nur für ein trauriges Bild ab? Die Statur einer Steineiche, der lange, herausgeputzte Kettenmantel und der prächtige Kürass, das strahlende Banner mit den zwei sich einander zugewandten, springenden, silbernen, golden bewehrten Hirschen auf blau, über einem Schildfuß aus Silberhermelin, all das würde nicht darüber hinwegtäuschen, dass er Angst hatte.

Fast wäre er so tief in seine Gedanken verloren an Wunnemar vorbeigeritten. Ganz plötzlich stand er da auf dem Feld vor dem Turnierplatz und das was ihm ins Auge fiel waren die Farben der Familie Galebfurten, nicht er, sein Sohn selbst. Auf goldenem Schild zwei springende zugewandte blaue Forellen über einem mit Wellenschnitt geteilten blauen Schildfuß, es gab keine zweifel. Niemand anderes würde dieses Wappen tragen.

Sein kleiner Bube war nun ein Mann, ein Ritter und obendrein Baronet von Tälerort. Das Oberhaupt der Familie Galebfurten, Aldare von Fold-Galebfurten, die eiserne Frau, welche mit Härte, Witz und von langer Hand geplanten Intrigen seit einiger Zeit wieder die Baronswürde trug, auch wenn das Land noch nicht vollständig befriedet und von dämonischen Wucherungen befreit war, würde ihn zu ihrem Nachfolger machen, trotz allem Unbill. Was hatte er im Osten nur durchleben müssen?

Wunnemar hatte seine große Liebe gefunden und vor Travia zur Frau genommen. Doch es war ihr Sterbebett gewesen nach der Schlacht um Mendena. Ein Keuschheitsgelübde vor dem Geweihten hatte er obendrein gegeben und sich so seine Zukunft beraubt. Doch Aldara, die Matriarchin der Familie hatte alle Bedenken beiseite gewischt und gesagt, dass es nur ihn gab und dass sie einen Weg finden würde.

Stolz schüttelte Thankmar den Kopf. Seine Frau hatte ihm oft aus den Briefen Wunnemars vorgelesen und nun begriff er zum ersten Mal was dort geschrieben gestanden hatte zur Gänze. Jetzt, wo er den wenn auch eher kleinen Mann vor sich sah, kräftig und gedrungen, in voller Rüstung und Wappenrock, mit gegürtetem Langschwert, nun verstand er. Und wie ähnlich Wunnemar ihm sah.

Fast erschrak der Große Schröter als sein Sohn sich umdrehte da der Reiter ihm so nahekam. Der gepflegte Vollbart seines Sohnes war grau mit weißem Einschlag, sein eigener zeigte zumindest noch etwas von dem kräftigen Braun seiner Jugend. Und doch, welch ein geringer Preis für seine Heimkehr aus Mendena, vom Feldzug gegen den Erzverräter und letzten Heptarchen. Das helle blond war dem Kampf mit einem Karakil zum Opfer gefallen, so hatten die Lettern berichtet. Doch die Götter hatten ihn vor weiterem Schaden bewahrt.

Dem Herzog der Nordmarken hatte er das Leben gerettet beim Kampf um das Rote Haus in Mendena. Von ihm selbst war er zum Ritter geschlagen worden und Hagrobald hatte ihm einen Flusskönigorden verliehen, ihm, seinem kleinen Schröter.

Thankmar setzte ab ohne, dass seine Augen das Gesicht Wunnemars losließen. Sie vermochten es nicht. Die Augen seines Sohnes waren vom ersten Moment an geweitet, Wunnemar hatte schnell begriffen, wusste wer vor ihm stand.

Langsam gingen sie aufeinander zu, ohne Worte, denn die waren nicht nötig. Es war keine sanfte Umarmung die folgte, eher ein Aneinanderreißen bis beide einander nicht näherkommen konnten.

Und als die Angst eines Vaters seinen Sohn zu verlieren, das eigene, geliebte Kind zu überleben, schlimmer noch, zu Grabe tragen zu müssen ganz langsam der Erleichterung Platz machte, einem Erdrutsch in den Bergen nach einem schweren Unwetter gleich, brachen sich die Gefühle unaufhaltsam ihre Bahn.

Texte der Hauptreihe:
K11. Vater und Sohn
1. Pra 1041 BF zur morgendlichen Phexstunde
Vater und Sohn
Ankunft Travingo Rizzi

Kapitel 11

Nimmgalf von Hirschfurten + Ortwin von Hirschfurten
Autor: (RekkiThorkarson)