Kaiserturnier 1041 BF - Im Koscher Lager - Ladislaus von Wildreigen

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Der Herr von Wildreigen zum blaubunten See hatte auf seiner Pritsche Platz genommen und dachte an das bevorstehende Bankett und den Ball. Er war, das gestand er sich ein, nervös. An solch einem hohen gesellschaftlichen Ereignis hatte er noch nie teilgenommen. Er blickte zu seinem treuen Waffenknecht Zsigmond hinüber, der vor dem Zelt, wo das Licht besser war, die Festkleidung seines Herrn ausbürstete. Dann fiel ein Blick auf seine Gürteltasche. Jetzt war wohl der geeignete Moment, um den Brief zu lesen, den seine Großtante Selissa, Oberhaupt des Hauses Wildreigen, ihm geschrieben hatte. Sie hatte ihm aufgetragen, den Brief erst in Gareth, nach seiner Anmeldung, zu lesen. Er brach das Siegel und blickte auf die klaren, gestochen scharfen Lettern der Handschrift der alten Dame:

Mein bester Ladislaus,
 
 
 
 
ich hoffe, Du bist gut und sicher in Gareth angekommen und hast die Namenlosen Tage geschützt in der Stadt des Lichtes verbracht. Nun, da Du das liest, bereitest Du Dich darauf vor, die Farben des Hauses Wildreigen der ganzen Welt zu zeigen. Mögen die Götter Dich segnen und verhalte auch Du Dich den Göttern gefällig und zeige Deine gute Erziehung, damit Du ein gutes Turnier bestreiteten und auch auf dem gesellschaftlichen Parkett nicht ausrutschen mögest. Nach Deiner Rückkehr in den Kosch habe ich wieder begonnen, in den Annalen unseres Hauses zu lesen und ich bin auf etwas gestoßen, was unser Haus seit ältesten Tagen begleitet, und ich habe beschlossen, es Dir als Glücksbringer mit auf den Weg zu bringen: das alte Panier unserer Ahnen!

Für das Haus Wildreigen mit Praios und Ingerimms Schutz
 
 
 
 
Selissa von Wildreigen

RUKOBON TANITH

Ladislaus saß lange Zeit da und blickte auf die Zeilen der Achzigjährigen. So viel drückte sie mit so wenigen Worten aus! Eine große Träne kullerte ihm über die Wange, hangelte sich durch seinen Bart und tropfte just auf die Stelle des Briefes, die ihn am meisten berührte: 'Nach Deiner Rückkehr... wieder begonnen...' Die alte Dame hatte sich also bereits mit dem unweigerlichen Aussterben des Hauses arrangiert und seine Rückkehr ihr wieder Mut und Hoffnung für den Erhalt des Hauses gemacht! Er atmete tief durch. Ein schwerer Seufzer. Dann las er noch einmal den cris de guerre: RUKOBON TANITH. Plötzlich fühlte er sich alt und jung zugleich. Sein ganzer Körper bebte. Er erhob sich und strich mit zitternden Fingern den Brief glatt und verstaute ihn sorgfältig. Dann trat er vors Zelt, ging wortlos an seinem Freund und Knecht vorbei und zu seinen Tieren. Lange stand er da, die Stirn an den Hals seines Hengstes gelehnt. Dieser pustete ihm sanft ins Haar und die Hunde drückten im die Fänge in die Handflächen.

Texte der Hauptreihe:
K60. Im Koscher Lager - Ladislaus von Wildreigen
1. Pra 1041 BF zur abendlichen Hesindestunde
Im Koscher Lager - Ladislaus von Wildreigen
Koscher Delegation

Kapitel 60

Abseits des Turniergeschehens: Haus Timerlain
Autor: (Ladislaus)