Kaiserturnier 1041 BF - Ankunft der Perricumer Delegation

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„Den Zwölfen sei‘s gedankt, sind wir vor den Namenlosen hier noch eingetroffen!“ sprach Malina von Niederriet-Brendiltal aus, was vermutlich die meisten der Perricumer dachten, als sie in die Ausläufer der riesigen Stadt Gareth mit der untergehenden Sonne eintauchten.

Nicht nur Ugdalf von Löwenhaupt-Hauberach stimmte ihr nickend zu. „Da habt ihr völlig recht. Mir steckt noch der letzte Jahreswechsel mit seinen, nunja, außergewöhnlichen Begleitumständen in den Knochen." Unabhängig davon war Ugdalf froh, mal wieder aus Perricum herauszukommen und sämtlichen Ärger und Frust zumindest für eine Weile hinter sich lassen zu können. Und was bot eine bessere Ablenkung als das große Kaiserturnier in der Capitale?

Die Große blonde Kriegerin schaute verkniffen drein nach seinen Worten. Haffax‘ Scharade und die Schande der Stadt nagte noch immer an ihrem Stolz. Doch was half es, einzig nach vorne blicken versprach Besserung.

In ihrer Gruppe befand sich neben den mitgereisten Knappen und Waffenknechten auch der junge Herr der nordmärkischen Baronie Schwertleihe, Lechdan von Schwertleihe, welcher seinen Knappenvater Ugdalf begleitete und das erste Mal in die Kaiserstadt reiste. Wie es auch der noch sehr junge Page Cassian von Hengisford bei Welferich von Rabicum und dessen Knappin und weiterem Gefolge tat, welche sich der Gruppe schon recht früh angeschlossen hatten, auch wenn man erst eine Weile eher nebenher gereist war.

Später dazu gekommen war Rondira von Sturmfels samt Knappen Phidian von Pelkerstein und ihrer Gefolgschaft. Sowie Korhilda von Sturmfels. Die beiden Frauen verstanden sich recht gut. Eine willkommene Abwechslung bot daher auch der Plausch mit den Mitreisenden.

Beide besaßen ein geschultes Ohr, und hatten darum die leichte Spitze der Gereiztheit in den Worten der Feldrittmeisterin der Reshminianer vernehmen können. Verständlich, denn die Reise war in Teilen der Gruppe alles andere als harmonisch verlaufen. Man hatte sogar an einem Tag länger als geplant rasten müssen, weil zwei der Mitreisenden mit den Fäusten aufeinander los gegangen waren. Leider nicht das Gesinde, sondern Männer von Stand und Ansehen. Dabei war Malina Ritter Anshelm von Mistelstein bislang als besonnen in Erinnerung gewesen, wunderte sich die Abgängerin der Kriegerakademie aus Rommilys noch immer im Stillen. Doch er hatte auf einige Äußerungen des Junkers Quanion von Isenbrunn aus dem Junkertum Kaltengrund derart aufbrausend reagiert, dass jener scheinbar seinen Spaß daran gefunden hatte, sich die Langeweile der Reise mit wohl dosierten, wie spitzen Bemerkungen zu versüßen, bis dem Adligen schließlich die Hutschnur gerissen war. Dann flogen die Fäuste.

Ugdalf hatte diesen Streit mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Abscheu verfolgt. Wie konnten die Beiden sich vor aller Augen nur derart gehen lassen? Dabei bot das anstehende Turnier doch mehr als ausreichend Gelegenheit, sein Mütchen zu kühlen und etwaige Streitigkeiten auf rondragefälligere und vor allem gesittetere Weise beizulegen.

"Sieh` genau hin, Lechdan", raunte Ugdalf seinem Knappen zu, "sieh´ hin und lerne, wie sich ein Herr von Stand und von Ehre eben nicht zu verhalten hat! Schon gar nicht vor dem einfachen Volk."

Die Baronin von Gluckenhang hingegen hatte dies beinahe amüsiert wahrgenommen, wie es um die Vasallen ihrer Rivalin aus Gnitzenkuhl stand. Auch wenn sie den Anschein von Neutralität in dieser Sache wahrte - auch zum Wohl der Feldrittmeisterin.

Die Rittfrau an der Spitze der Reshminianer seufzte auf bei dem Gedanken daran. Sie kannte nur zu gut aus ihrer Jugend, wie impulsiv bisweilen das Gemüt reagieren konnte, wenn nur die richtigen Befindlichkeiten getroffen wurden. Wenig rühmlich für den Adelsstand ihrer Lande. Sie hoffte nur, dass es nicht so hitzig weiterging. Die Namenlosen Tage hatten schließlich noch nicht einmal begonnen. Eine weitere Verschlechterung der Stimmung wäre da fatal. Da sie jedoch selbst nicht eben bester Stimmung war, hatte sie sich bislang zurück gehalten mit Moralpredigten. Es waren schließlich auch keine Reshminianer beteiligt.

Ihr Blick glitt bei jenen trüben Gedanken fast automatisch an das Ende ihrer Reisegemeinschaft.

Martok von Brendiltal hatte die Stirn gehabt sich ebenfalls der Reisegruppe die sich auf zum Kaiserturnier gemacht hatte, anzuschließen. Ihr persönlicher Prüfstein sozusagen! Seine Schar Vertrauter, oder sollte sie besser Meuchler und Mörder - oder wer diese Leute auch immer waren - sagen, schien ihn zu umgeben, als bestünde ein unsichtbares Band. Ja, sie taten gut daran. Wer wusste schon, ob sie als kriegerische Frau nicht doch die Gunst der Stunde ausnutzen würde, um selbst ihren Sohn auf den Thron der Baronie zu setzen, statt weiterhin das Kind vor dem Zugriff des Mannes zu schützen, der sich nach dem Tode Eslam von Brendiltals eines Teiles der Baronie bemächtigt hatte. Dieser Hund hatte es tatsächlich gewagt, und sich schon mehrfach völlig ungeniert nach ihrem Kind erkundigt. Glaubte er ernsthaft, er würde eine Auskunft erhalten?

Eine Dreistigkeit - doch irgendetwas war anders an dem Mann. Oder zumindest tat er so! Nebachoten waren schließlich Meister im Verstellen und Vorgaukeln wie sie aus leidvoller Erfahrung mit ihrem eigenen Gemahl wusste. Das er anders agierte, dafür sorgte auch eine Frau an seiner Seite, eine gewisse Nera von Sturmfels. Sie hatte sich der Gruppe als Martoks Halbschwester vorgestellt. Wie es schien nahm sie ihn immer dann bei Seite, wenn er wieder sein altbekanntes Gesicht zu zeigen drohte. Doch roh war sein Benimm dennoch, da half auch seine Aufpasserin nicht weiter.

Ein Umstand, den Welferich von Rabicum niemals ausließ zu betonen und sich auch nicht nehmen ließ, da er die Gruppe bei Ankunft Martoks beinahe schon verlassen hatte, dann aber von Junker Quanion charmant wie auch gestenreich überzeugt werden konnte, doch dem Nebachoten nicht einfach das Feld zu überlassen. Darin, jemanden charmant zu umgarnen und zu etwas zu üerreden, was zuvor noch undenkbar gewesen war, war jener wirklich gut, mußte Malina zugeben.

Doch wider Erwarten reagierte der Baron von Herdentor eher selten auf die oft schon dreisten Beleidigungen gegen die Nebachoten, wohl auch der Schwester und eines weiteren Beraters des Brendiltalers geschuldet, aber ebenso seinem ebenso teils unverhohlenen Hass auf viele "seiner" Volksleute.

Eine Überraschung, auch wenn man schon von der seltsamen Wandlung des Martok von Brendiltal gehört hatte, der sich jetzt wohl als besonders praiosfromm und raulschen reichsnah geben sollte, angeblich sogar mit Beziehungen zu sehr wichtigen Raulschen der Markgrafschaft. Sie hatte die Gerüchte zwar vernommen, doch so richtig geglaubt hatte sie keiner.

Sie schüttelte die trüben Gedanken hinfort, und richtete den Blick nach hinten auf die versammelte Truppe. Glücklicher Weise waren Sie allesamt da, und der Umstand der ständigen Nähe hatte vorerst ein Ende gefunden.

„Dann wollen wir uns auf machen das Gasthaus und die Ställe zu erreichen! Die folgenden Tage werden sicher noch einmal ein Prüfstein für unser Gemüt.“ Sie spielte auf die Zeit der Tage ohne Namen an. Niemand konnte sicher sein, nicht einer Prüfung unterzogen zu werden. So gab sie dann mit bestimmten Schenkeldruck ihrer Stute Zeichen weiter zu reiten, was jene nur allzu gerne tat nach dem langen Tagesritt in Vorfreude auf einen Stall und eine ordentliche Portion Futter.

Texte der Hauptreihe:
K1. Ankunft der Perricumer Delegation