Kaiserturnier 1041 BF - Albernier unter sich - Leanna und Yeskel

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„Gael, hör zu, ich möchte, dass du etwas mehr über diese Plötzbogen in Erfahrung bringst. Mit wem ist sie hier, steht sie im Dienst eines Herrn, welches Pferd reitet sie, wo steht ihr Zeit, und so weiter, du weißt schon. Am Götterdienst haben wir sie ja mit einigen anderen Nordmärkern gesehen, die ebenfalls die Farben Rot und Weiß trugen. Vielleicht ist sie Teil eines größeren Gefolges, vielleicht dem eines Barons, oder Grafen sogar.“ Leanna hatte keine Ahnung über die politischen Mächte im Nachbarland Nordmarken, es hatte sie bisher nicht interessiert. Das einzige, was sie jedoch wusste war: die Farben des Herzogenhauses waren andere!

„Aber Gael…,“ Leanna packte ihren eifrig nickenden, fast schon davonspringenden Knappen am Arm. „Höflichkeit, Demut, Bescheidenheit, ehrliches Wort und Göttergunst! Immerhin dienen wir dem Hause Stepahan! – Und schlag dir dieses dämliche Grinsen aus dem Gesicht, bevor ich es tue!“ Letzteres untermalte sie mit der Schärfe, die sie unter alle ihre Weisungen setzte, aber ohne die Stimme dabei zu erheben. Der Knappe ließ rasch die Mundwinkel sinken, nickte eifrig und verstehend und machte sich mit schnellen Schritten über den Zeltplatz davon. Vialigh’sche Ohrfeigen kannte er mittlerweile.

Leanna selbst gesellte sich anschließend zu ihrer neuen Bekanntschaft Yeskel von Alderstein, neben dem sie ihr Lager aufgeschlagen hatte. Der Winhaller Distelritter genoss die sommerlichen Temperaturen im Schatten des Baldachins, welcher vor seinem Zelt aufgespannt war. Er und Leanna hatten sich vor noch nicht langer Zeit erst auf der Reise hierher getroffen. Schon im Garetischen und mehr aus Zufall, denn bislang hatte keiner von ihnen gewusst, welcher albernische Landsmann noch zum Kaiserturnier anreisen würde. Zwar grenzte Leannas Heimat, die Baronie Tommeldomm, südlich an die Grafschaft Winhall und es lag lediglich der Fluss Gemhar als Grenze dazwischen, aber Yeskels Heimat Eichenwald befand sich sehr weit nördlich und Leanna selbst war noch nie dort gewesen. Ihre Wege hatten sie über Aiwiallsfest und Fairnhain nie hinausgeführt.

Yeskel empfing seine neue Bekanntschaft mit einem Augenbrauenzucken, als sein Blick unwillkürlich auf den besudelten Wappenrock ruhte und er sich die Kurzfassung der dazugehörigen Geschichte anhörte.

„Öl“ brummte er etwas heiser, während er eine einladende Geste auf die provisorische Sitzgelegenheit ihm gegenüber machte. „Nehmt etwas Waffenöl und Späne gegen die Flecken. Alkohol bleicht die Farben aus. Oh, einen Moment…“

Er beugte sich zur Seite und hob eine Truhe auf seinen Schoss und verschwand hinter dem geöffneten Deckel. Für Leanna eine willkommene Gelegenheit, sich umzublicken. Der Zelteingang war halb geöffnet und offenbarte ein penibel aufgeräumtes Inneres, alles hatte seinen Platz und die augenscheinliche Sauberkeit machte schon einen fast übertriebenen Eindruck.

Ein Lächeln huschte über Leannas Lippen, als sie den Platz um das Zelt herum inspizierte. In einer Astgabel eines kleinen Zierbaumes, der den Hauptweg des Zeltplatzes flankierte, waren kleinen bunte Steine, Federn und allerlei andere kleine farbenfrohe Gegenstände angehäuft – ein kleiner Feenschrein.

„Hier!“ Yeskel klappte den Truhendeckel eine Spur zu unbedarft zu und riss Leanna blitzartig aus Ihren Gedanken. „Fangen wir mit der inneren Reinigung an!“ Die Truhe hatte ihren Schoßplatz gegen eine bauchige Flasche und zwei kleine Becher getauscht. „Und wenn Euch danach ist, erzählt mir doch mit eigenen Worten, warum Ihr Euch in Bredenhag gegenseitig die Köpfe einschlagt, anstatt wie es die Herrin Farindel verlangt, den Wald vor Unbill zu schützen?! Jetzt haben wir Zeit, hier auf dem Turnier sollte uns niemand dabei stören.“

„Innere Reinigung klingt gut. Lasst mich beizeiten mal in unser Gepäck sehen, Yeskel. Dort muss irgendwo noch ein Holderbrand aus meinem Lehen sein.“ Bedankte sie sich für den Umtrunk und streckte für den Augenblick die Beine aus, bevor sie sich an die Beantwortung seiner Frage machte. Auf der kurzen gemeinsamen Reise nach Gareth hatten sie bereits mehrmals davon angefangen zu sprechen, waren aber immer wieder durch irgendwelche Vorkommnisse unterbrochen worden – zuletzt durch den Aufzug der Namenlosen Tage.

„Die Herrin Farindel, oh ja…“ Leanna seufzte zu Beginn. Wie immer, wenn sie angefangen hatten, sich über den Fehdenkrieg in den Heckenlanden auszutauschen. „Ich will die Herrin des Waldes in keinster Weise angehen, denn ich schätze sie sehr! Doch hat sie zugelassen, dass der Gemharer Vogt im Winter vor einem Götterlauf unerlaubt Holz im gräflichen Bannwald schlug und dass er diese Tat zu vertuschen versuchte, in dem er in eben jenem Waldstück einen Trupp gräfliche Grenzreiter mordete, welche den frevlerischen Holzfällern auf die Spur gekommen waren.“

„Ich erinnere mich, dass ihr dies bereits erwähnt habt.“ Yeskel erinnerte sich ihrer Worte. „Auch, wenn ich bislang die Zusammenhänge noch nicht ganz verstanden habe, das gebe ich offen zu.“

„Ich weiß nicht, welche wichtigen Aufgaben die Herrin Farindel zu dieser winterlichen Zeit gehindert haben, einzugreifen, doch kam es nur dazu, dass wir uns – wie sagtet ihr es so schön? – in Bredenhag die Köpfe einschlugen, weil sie es eben nicht tat. Das mag man sehen, wie man will.“ Sie fuhr sich einmal über die Stirn, um eine Fliege von dort zu verscheuchen.

Der Winhaller nickte, erwiderte aber bisher noch nichts, sondern ließ der Edlen freies Wort.

„Im Nachfolgenden gab es übrigens auch noch weitere Kämpfe im südlichen Farindel. Man könnte also sagen, dass die Herrin des Waldes jenen Unbill, von dem ihr sprecht, selbst zuließ. – Aber, versteht mich nicht falsch, ich bin kein Richter und will auch keiner sein. Ich kann nur berichten, wie es gewesen ist. Einige meiner Männer starben, als wir Ihren Wald von diesem Gesindel säubern wollten.“ Leanna schnaufte kurz durch. Zu viele Emotionen hingen mit diesen Erinnerungen zusammen. Zu viele Emotionen, die sie verdrängte, um sie nicht zeigen zu müssen. Außerdem wollte sie vor dem Winhaller Rittersmann nicht dastehen, als würde sie als Bredenhagerin etwas gegen die Herrin des Waldes haben. Im Gegenteil. „Seht, in dieser Fehde ging es anfangs noch um die Einhaltung alter Kontrakte, die den Feenwald schützen sollten, und darum, was Recht war und Recht sein durfte. Dies hat sich aber recht schnell durch persönlichen Hass verloren. Seid froh, dass ihr dort oben in Eichenwald nichts von dieser dreckigen Schlammschlacht mitbekommen habt. Wohlmöglich wäre ansonsten nicht nur der Wald bei ‚Farindels Finger‘ geschändet worden.“

Sie wandte schmunzelnd den Kopf: „Übrigens ein wirklich hübsches Plätzchen, das ihr dort drüben eingerichtet habt.“ Ihr Blick glitt zu dem kleinen Feenschrein.

"Mmh, vielen Dank. Ihr seid herzlich geladen, ein paar Kleinodien danebenzulegen", Yeskel war sichtlich bemüht, eine gelassene Haltung einzuhalten und seine Stimme freundlich wirken zu lassen." Leanna neigte kurz den Kopf. „Das werde ich gerne tun.“

„Aber interessant finde ich Eure Aussage, dass Ihr Farindel die Aufgabe übertragt, den Wald und die Menschen vor solcherlei Taten zu schützen, von denen Ihr mir berichtet. Die Familie Fenwasian und der Ritterbund sehen es da etwas anders. Sie halten, in Ihrem Auftrag, schützend Schild und Schwert vor Wald und dessen magischer Bewohner. So hat es Farindel einst erbeten, denn den Feen fehlt das Verständnis für solche Untaten und sie erkennen daher im Vorwege nicht die Gefahr."

Etwas abschätzend fügte er hinzu: "Ich dachte im Bredenhagschen wäre es nicht anders." Und vorsichtig ergänzend: "Macht Ihr es Euch nicht zu einfach, den Stein des Anstoßes in Farindels ausgebliebenem Eingreifen zu suchen? Ist es nicht so. Wenn man sich um alte Kontrakte streiten muss, dann ist die Aufgabe eine reine Bürde, aber keine Herzensangelegenheit. Vielleicht erklärt das, warum Farindel außer Sicht blieb."

Die Tommeldommerin dachte einen Moment lang nach. „Hm… Da mögt ihr Winhaller die Herrin des Waldes sicher besser kennen als wir.“ entgegnete sie ihm, was nicht nach einer Entschuldigung klang, sondern viel eher wie das Beschäftigen mit einer neuen Sichtweise.

Er schaute sie ernst an, als er fortfuhr: "Eine andere Erklärung wäre das Wiedererstarken Ihres ärgsten Widersachers. Das Feenwesen, dass man nur flüsternd in Winhall als roten Wyrm bezeichnet, gewinnt an alter Stärke und scheint entschlossen, Farindels Anker in unsere Welt nun endgültig für sich einzunehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir auf etwas zusteuern, dass uns weit mehr Sorgen machen sollte, als diese Heckenfehde. Lieber sollten wir uns sorgen, ob vielleicht bereits der roten Wyrm seine Hand mit in diesem blutroten Spiel hat… hatte." Erst jetzt merkte er, wie sein Mund trocken war, die anfängliche ernste Miene war einem sorgenvollen Blick gewichen. Ihm war deutlich anzusehen, dass hinter seinen letzten Worten weit mehr als nur Fabeleien steckten...

„Vielleicht habt ihr Recht, Yeskel. Vielleicht steckte eine verdorbene Macht hinter all diesen Dingen, die letztendlich keinem zum Gefallen waren, weder der Herrin des Waldes noch den Zwölfen. Aber ich glaube, nein, davon bin ICH überzeugt, dass es menschliche Gier, Machthunger und Überheblichkeit waren. Diese können Herzen auch vergiften. Und dann muss nur eines das andere geben und...“ Sie schnipste. „Schon habt ihr einen Flächenbrand, in den durch das Fehderecht mehr Häuser und Familien hineingezogen werden, als es den Ländereien guttut.“ Ihren Worten hing der eigene Frust an, doch drängte sie diesen zurück, um auf seine Worte noch einmal sehr interessiert Bezug zu nehmen: „Sagt, gibt es denn Anzeichen im Winhaller Land, dass der Rote Wyrm an Stärke gewinnt?“ So ganz behagte ihr diese Neuigkeit nicht, was ihre Miene deutlich machte. Denn, wenn dies wirklich stimmte, dann würde diese alte Macht auch vor Grafschaftsgrenzen nicht Halt machen.

Yeskel knurrte missmutig. Das Thema war eigentlich wie das ihre – die zurückliegende Fehde in den Heckenlanden – keines, über das man sich plaudernd unterhielt. Und schon gar nicht ohne etwas zu trinken. So schenkte er sich und der Bredenhager Edlen nach, bevor er anfing zu erzählen (…)

Texte der Hauptreihe:
K15. Albernier unter sich - Leanna und Yeskel
1. Pra 1041 BF zur morgendlichen Phexstunde
Albernier unter sich - Leanna und Yeskel
Aal und Plötze

Kapitel 15

Anmeldung Arnwulf von Pandlaril, Lanzelund von Weiden-Harlburg und Streitzig ä.H.
Autor: (Leanna/Tanja F., Yeskel/Lars Z.)