KOR über Aldwain

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Irean zog die Riemen seiner Armschienen fester, dem ehemaligen Vogt von Fremmelsfelde stand der Sinn nach Kampf. Bei KOR, bisher war der Feldzug wie das vorantreiben von Lämmern gewesen. Nachdem sie im ersten Dorf die Aufständischen niedergemetzelt hatten, sprach sich dies wie ein Lauffeuer herum. Der „Feind“, wenn man die undurchschaubaren Fraktionen so nennen konnte, floh oder ergab sich, und wurde teilweise von einem anderen Teil der Bevölkerung verraten und verjagt. Die Angst vor dem Höllenwaller und den Korgonern zeigte seine volle Wirkung.

Sie hatten nun Aldwain erreicht, und auch hier tat sich nichts Besonderes. Die Familie von Al’Duwar biederte sich an, untereinander waren sie wohl verstritten wer das Erbe antreten würde. Sie zeigten sich besonders kriecherisch und richteten für den Höllenwaller und seine Korgoner ein Fest aus.
Irean war genervt, er hatte keinen Sinn für diese Heucheleien und freute sich auf die baldige Schlacht weiter im Süden. Einer der neuen Machthaber oder bewehrten Streithähne in Brendiltal schickte sich an den Süden Haselhains zu annektieren, und würde sicherlich nicht freiwillig weichen.

Mit den nun fest sitzenden Armschienen griff er nach seiner Korseke, stolz wog er die schwere Waffe in seinen Händen, welche er meisterlich zu führen verstand. Dann schritt er aus dem Lager hinaus ins Freie, anstatt zu feiern stand ihm der Sinn sich einem Schattentanz zu Ehren Kors hinzugeben.
„Wohin des Weges, euer Gnaden?“, Hauptmann Neunfinger trat aus dem Schatten eines ihrer Zelt. Der Korgoner war ein Veteran, auch wenn er noch jung war.
„Anstatt zu saufen werde ich heute die Nähe meines Gottes suchen.“
Neugier lag in den Augen des Hauptmannes, zu gerne würde er den Korgeweihten begleiten, doch wusste er, dass dies ein intimes Ritual war und keine Zuschauer duldete.
Irean schaute den Hauptmann fest in die Augen, dann klopfte er ihm auf die Schulter: „Es wird der Tag kommen, da solltet ihr nicht nur dem Gold folgen, sondern auch eurem Herzen! KOR zu Ehren.“ „KOR zum Dank!“
Dann schritt Irean hinaus in die Wildnis. Auf dem Ritt nach Aldwain hatte er eine nahe Felsformation gesehen, genau der richtige Ort. Der Hauptmann sah ihm noch eine Weile versonnen nach, dann kehrte er zu seinen Kameraden zurück, denn heute würden sie feiern.

Wie lange er die rituellen Waffenübungen vollzog, wusste er nicht mehr zu sagen. Sein bloßer Oberkörper glänzte vor Schweiß und dampfte leicht in der kühlen Nachtluft. Nichtsdestotrotz erklomm er behände den obersten Felsbrocken und sah hinauf ans Firmament. Das kalte glitzern der Sterne, den Karfunkeln gleich, lies ihn die Nähe seines Gottes spüren. Er war erfüllt von der Kraft KOR’s und brüllte triumphierend in die Nacht hinaus.
Langsam beruhigte er sich wieder, sein Blick fiel auf Aldwain, und er stellte mit einen Male fest, dass es verdächtig ruhig war. Zu ruhig für ein Fest. Noch einmal prüfte er das Firmament, es war spät, aber nicht so spät das nicht noch ein paar Kameraden grölend, singend sich dem Durst hingaben.
Im Dorf rührte sich keine Menschenseele, es schien so als hätten sich auch die Dörfler versteckt. Da bemerkte er im Dunkel einen Schatten mit einer Lampe, der sich Aldwain näherte. Er kniff die Augen zusammen und strengte sich an, aus dem Schatten wurden mehrere, sie kamen aus der Richtung des Herrenhauses von außerhalb Aldwains. Er begriff sofort und sprang die Felsen herunter und rannte im Dauerlauf auf das Dorf zu, die Korseke fest in den Händen.

Als er den geschmückten Dorfplatz erreichte, lagen dort überall seine Kameraden trunken und tief schlafend, zu tief für einen normalen Rausch. Über einem kniete ein Schatten, der Meuchler schnitt gerade in aller Seelenruhe einem der Schlafenden den Hals durch. Doch eh er sich versah zertrümmerte der Klingenkopf der Korseke ihm den Schädel. Die Bande aus Meuchlern erkannte die Gefahr und begann ihn zum Umkreisen. Elegant wie tödlich schwang er gelassen seine Waffe um seinen Körper und dreht sich langsam, jederzeit bereit zuzuschlagen. Wo war der Höllenwaller und Denderan? Er erblickte ein stattliches Haus, dort hatten sie sicher Quartier bezogen, und einer der Meuchler sonderte sich vom Rest ab und hielt darauf zu.

Einer Windhose gleich begann er die Korseke samt sich selbst zu drehen und hielt auf das Haus zu, die Feinde auf Abstand haltend. Der Meuchler stand im Portal und starrte ihn ungläubig an, und noch bevor er reagieren konnte kam Irean über ihn wie ein Gewitter, die Korseke versenkte sich in den Bauch und zerriss Fleisch und Gedärm.
Die anderen Attentäter griffen ihn nun von hinten an, und mit einem gewagten Sprung hinein in den Raum entging er knapp ihren Klingen. Hier lagen auf mehreren Diwanen dösend der Baron von Höllenwall, mit Denderan und den Hauptleuten. Doch er konnte sich nicht darum kümmern, die Korseke steckte in seinem letzten Opfer und er brauchte eine Waffe. Schnell zog er das Schwert des Höllenwallers aus der Scheide. Diese besondere Klinge wollte er schon lange mal führen, und ging sofort in den Angriff über. Die beiden an der Tür hatten nur Dolche und waren ihm nicht gewachsen, einer sank alsbald blutend zu Boden, den anderen trieb die tanzende Klinge aus dem Haus. Auf dem oberen Sockel blieb er stehen, bereit jeden Angreifer abzuwehren. Es waren vier die ihm im Halbkreis umzingelten, da trat aus der dunklen Gasse gegenüber besagter Hadan in einer Art Spiegelpanzer hervor, einen mächtigen Säbel führend, an seiner Seite Sabia, die Bastardtochter Lascorians, mit einem Morgenstern. Sie waren als Gesandte der Familie gesendet worden und wirkten verwirrt. Offensichtlich hatten sie nicht mit einem wachen Gegner gerechnet. Einer der Meuchler zischte ihnen etwas zu und sie zogen die Waffen blank. Dieser Übermacht würde er nicht lange standhalten, gleich den Khorambestien umzingelten sie ihn, bereit jederzeit anzugreifen. Ihr zögern nutzte er, im stillen Gebet erbat er den Märtyrersegen für sich und darauf das Zeichen KOR, das er voller Inbrunst so stark wie es ihm möglich war hervorrief. Das tief dröhnende Brüllen einer mächtigen Raubkatze ertönte und lies die Luft erzittern. Und es zeigte Wirkung, denn es riss die Kameraden aus ihrem Schlaf.

Die vier Meuchler waren erstarrt vor Angst, überall regten sich die schlaftrunkenen Korgoner. Doch Hadan und Sabia gingen zum Angriff über, ihr Ziel war es sicherlich dem Höllenwaller den Gar auszumachen, und nur Irean stand ihnen im Weg. Dem Weg seines Herrn folgend ging er in den Angriff über. Diesmal waren die Gegner jedoch nicht leicht zu überwinden, Hadan verstand es den Säbel zu führen, und war gut durch seine Rüstung geschützt, Sabia an seiner Seite wiederum strotzte vor Kraft, sie kämpfte gleich einer wilden Furie. Ein beindruckender Säbeltanz des Todes bot sich den Sternen, Irean blutete bereits aus mehreren kleinen Wunden, ebenfalls Sabia, nicht jedoch Hadan, der es verstand meisterlich zu parieren. Die beiden wussten das die Zeit drängte auf einmal stürzte sich Sabia vor, direkt in die Klinge die sich tief in den Körper bohrte, und nur mit dem linken Arm konnte Irean den wuchtigen Hieb abwehren. Er hörte das knacken und splittern seiner Knochen, der Segen KORs bewahrte ihn jedoch vor dem Schmerz und sich auf die Kraft seines Gottes berufend hielt er das Schwert fest und schleuderte den aufgespießten Gegner davon. Jedoch konnte er nicht mehr rechtzeitig parieren und der Säbel vollzog einen weiten Bogen und schnitt sich tief in seinen Korpus. Irean taumelte, sein Körper wollte ihm kaum noch gehorchen, aber er biss die Zähne zusammen. Als Hadan zum tödlichen Streich ausholte ging er in dessen Angriff und zielte auf eine Lücke unter den Armen. Säbel und Schwert drangen jeweils tief ein, und tödlich verwundet sank Irean zu Boden, das Schwert immer noch festhaltend. Hadan kippte nachhinten, er röchelte jedoch noch. Inzwischen griffen die erwachten Korgoner die Meuchler an, und konnten sie überwältigen.

Der Korgeweihte richtete sich auf, vor seinen Augen färbte es sich rot, und ein seltsam metallischer Geschmack erfüllte seinen Mund, da traf ihn erneut ein Hieb, diesmal das Bein und er stürzte nieder. Sabia war tatsächlich wieder auf die Füße gekommen, und wollte Irean den Rest geben, die erwachten Soldaten um sie herum missachtend. Erneut sauste der Morgenstern heran und traf den er schon zerschmetterten linken Arm der sich nun in eine blutige Masse Fleisch verwandelte. Er wollte den Schwertarm recken, doch die Furie stand mit dem Fuß auf der Klinge, und mit einem Glucksen zielte sie auf den Kopf des Geweihten. Ein schmatzendes wie ratschendes Geräusch unterbrach den Schlag, ungläubig starrte Sabia auf die lange Spitze der Korseke die sich durch ihren Rücken hindurch durch ihr Brustbein gebohrt hatte.
„Es reicht du Monstrum!“, Neunfinger wuchtete die Korseke mit seinem Opfer herum, zog sie heraus und gab ihr den Rest.

Der rote Schleier vermischte sich mit den Sternen und über ihm ragte der Hauptmann mit der Korseke, gleich einem Bild dem wütenden Streiter der Götter. Seine letzten Worte richtete Irean an Neunfinger: „Sie ist deins! Führe nun du sie und mache KOR stolz.“

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21. Hes 1039 BF zur abendlichen Tsastunde
KOR über Aldwain
Blutiger Abgang

Kapitel 47

Saubermachen I
Autor: Malepartus, Jan