In geheimer Mission Teil 3

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Die Ankunft in Hartsteen - 20. TSA 1029 BF, Burg Oberhartsteen

Der Schneefall in den letzten Tagen war mächtig gewesen. Dennoch war Felan mit seinem Knappen und sechs Waffenknechten zur Bedeckung aufgebrochen, um sein Versprechen zu Graf Luidor einzuhalten. Sein Onkel Ulfing hatte nicht gefragt, warum er soviel der Mannen mitgenommen habe, denn die letzte Zeit hatte erwiesen, wie unsicher die Hartsteener Lande inzwischen geworden waren, auch für einen scheinbar völlig unbeteiligten. Umso mehr für einen offenen Parteigänger Luidor von Hartsteens.

Hüfthoch lag die weiße Pracht auf dem Karrenweg nach Ennetbrück, so dass Felan und seine Begleiter häufig absteigen mussten und die Pferde durch die Verwehungen führen musste. Innerlich fluchte Felan leise, denn so brauchten sie für ein Wegstück, welches sie im Sommer innerhalb einer Stunde durchritten hätten, einen halben Tag. Felan wünschte sich er hätte eine Kutsche mit Schneekufen, wie die Adligen im fernen Bornland sie in solchen Wintern zu benutzen pflegten. Als sie am späten Nachmittag des 19. TSA schließlich das kleine Dörfchen Ennetbrück erreicht hatten, unterbrachen die Reisenden ihren Ritt im "Bronzenen Krug", der Taverne des Ortes, um sich wieder aufzuwärmen und dort die Nacht zu verbringen. Firun hingegen hatte es mit den Reitern nicht gut gemeint und hatte über Nacht weitere Eiswinde mit Bergen von Schnee geschickt, so dass Felan sich fragte ob das vielleicht die Strafe sei, weil er dem Gott des Winters und der Kälte noch nie größere Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Viel zu spät in Felans Augen erreichten sie schließlich die stolze Burg Oberhartsteen zur späten Mittagszeit. Noch bevor sie das Tor passierten ermahnte er seine Begleiter sich nur ordentlich zu benehmen und sich ansonsten gut umzutun und ihm später zu berichten, was es zu berichten gab. Solche Maßnahmen traf er stets, da er wußte, daß Gesinde und Fußvolk andere An- und Einsichten in Dinge erhielten. Nicht daß er den Grafen ausspionieren wollte. Nur wäre es immer nützlich in etwaigen Gesprächen mit unvermuteten Wissen auftrumpfen zu können.

Den Knechten, die sie schon erwartet hatten, nahmen die müden Gäule in Empfang und versprachen, sich bestens um sie zu kümmern. Den Schallenbergern wurde ein heißes Bad bereitet, so dass sie sich erstmal um ihr körperliches Wohlsein kümmern konnten. Der persönliche Sekretär Luidors hatte Felan bereits bei seiner Ankunft mitgeteilt, dass der Graf mit ihm zu Abend speisen wünschte. Entsprechend viel Zeit ließ sich Felan bei der körperlichen Reinigung und kleidete sich für den Abend in seine feine Hose und Wams aus grünen Samt, trug darunter ein weißes, in Ansätzen gerüschtes, Hemd und feinste Stiefel aus glattem Hirschleder. Über allem hatte er sich eine Kette aus langen goldenen Gliedern mit einem goldenen Luchs als Schmuckstück in der Mitte um den Hals gelegt. Es war sein bestes Gewand. Aber dabei war er nicht eitel, sondernd berechnend. Er trachtete danach bereits durch sein Auftreten zu beeindrucken und darzustellen, daß er nicht abhängig wäre, sondern frei sprechen könne. Diese Ausstattung hatte etwa die Einnahmen eines ganzen oder mindesten halben Jahres verschlungen, schätzte er kurz überlegend. Das war es aber wert befand er im gleichen Atemzug.

Er hatte, trotz seiner echten Treue zum Grafen Luidor, kühl abwägend seine Möglichkeiten abgeschätzt. Und war zu dem Schluß gekommen, daß seine Leistung für den Grafen von bedeutender Wichtigkeit wären. Bedeutend genug, nicht um Gold zu fordern, sondern sie aufzusparen zum gelegenen Zeitpunkt aufzutragen, wenn es darum gälte mehr zu werden, als nur Ritter zu Hartsteen. Er nickte mit sich zufrieden.