In einer Hand - Das Spiel um die Ehre

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Feste Rabenberg, Baronie Rabensbrück in Hartsteen, 13. Ingerimm 1035 BF, tief in der Nacht

Die vier Herrschaften hatten sich in das stille Turmzimmer der alten Feste über der Natter zurückgezogen, um gemeinsam eine gemütliche Runde Boltan zu spielen. Neben dem Gastgeber, dem Baron Alrik von Gareth, und dessen Bruder Gerwulf, saßen Bernhelm von Wetterfels und Parinor von Borstenfeld an dem mit grünem Filz bespannten Tischchen. Die beiden Hartsteener Pfalzgrafen waren schlecht in den Abend gestartet, insbesondere der „Ogerfresser“ Bernhelm, der deswegen so hieß, weil an der Trollpforte angeblich im Alleingang ein halbes Dutzend Oger mit seinen bloßen Zähnen (und seiner Ochsenherde natürlich) niedergemäht hatte, hatte Einsatz um Einsatz verloren, den sich Gerwulf mit der überheblichen Zufriedenheit eines Spielers, der nicht auf sein Glück zu hoffen müssen meinte, weil er glaubte, dass er am Ende der vom Fuchs erwählte Sieger sein würde, eingestrichen hatte, bis sich vor ihm einen stolzen Haufen Dukaten auftürmte.

Doch dann hatte sich das Blatt gewendet. Eine sicher geglaubte Partie nach der nächsten verlor er, die Dukaten wanderten von Gerwulf zurück an den Reichsgauer Pfalzgrafen, bis dieser den erst vor einem Mond zum Reichsvogt der Alriksmark ernannten Gerwulf von Gareth mit einer spektakulären Hand blank gespielt hatte.

»Wie sieht es aus, meine Herren, wollen wir noch ein Ründchen wagen? Doppelter Einsatz?«, mischte Gerwulf hastig die edlen Boltankarten seines Bruders, die dieser von einem Freund geschenkt bekommen hatte. Denn Gerwulf wusste nur zu genau, woher die vielen Dukaten des Wetterfelser stammten. Der Reichsvogt hatte sich großzügig an den letzten kümmerlichen Rücklagen der Alriksmark bedient, auch in der Hoffnung seinem Lehen wieder ein wenig neues Kapital zu besorgen. Dieser Verlust dagegen trieb ihm nun die Schweißperlen auf die Stirn.

Baron Alrik von Gareth winkte müde ab. »Ich denke, ich steige aus. Ich spüre die schmerzhafte Niederlage vom Eslamsgrunder Turnier noch in meinen Knochen. Hoffentlich wird Grambusch erfolgreicher. Meine Herrschaften, auch wenn es für einen Gastgeber ungebührlich ist, werde ich mich zurückziehen. Wünsche allgemein eine borongefällige Nacht.«

Sichtlich ermüdet gähnte auch der Wetterfelser. Seitdem er die kleine zierliche Ariescha zur Frau genommen hatte, die er seit über acht Jahren auf der Burg Zwingzahn als Geisel gehalten hatte, schien er viel weicher und umgänglicher geworden zu sein. »Ich werde mich anschließen. Immerhin habe ich genug gewonnen an diesem Abend. Wenn ich Euch noch mehr aus der Tasche zöge, dann wäre das gegenüber Euren Vasallen in der Kaisermark zutiefst unsittlich.«

»Und Ihr, Dom Parinor?«, schob Gerwulf dem allein am Tisch sitzengebliebenen Pfalzgrafen von Bugenhog die Spielkarten zu. »Seid Ihr auch schon müde? Oder kann ich wenigstens Euch noch auf ein letztes Spielchen hierbehalten? Vielleicht gewinne ich ja dieses Mal gegen Euch, nachdem ich gegen Euch beim letzten Mal vor zwei Monden so alt aussah.«

»Habt Ihr denn noch überhaupt etwas übrig, worum es sich zu spielen lohnte?« fragte der Bugenhoger Pfalzgraf süffisant. »Aber gut, spielen wir. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.«

»Einverstanden!«, klatschte Gerwulf in die Hände und wartete, dass Bugenhog die Karten austeilte. Die drei Siebenen, die er auf der Hand hielt, waren vielversprechend und sie gaben dem Spieler seine gewohnte Sicherheit zurück. Bugenhog machte mit ruhiger Hand seinen Einsatz: eine stolze Summe von 5.000 Dukaten.

Gerwulf schluckte trocken. »Ich gehe mit.«

»Ihr wünscht also, dass ich Euch einen weiteren Wechsel ausstelle? Das wäre ja nicht der erste Alriksmärker Wechsel, der durch meine Hände ginge«, lächelte Parinor von Borstenfeld seinen sichtlich nervösen Mitspieler mit gelben Zähnen an. »Dann zeigt mal, was Ihr habt.«

Gerwulf legte seine drei Siebenen hin und lächelte trotzig. Mit kalten Augen legte Parinor seine vier Ritter daneben. Dem Reichsvogt zur Alriksmark wurde es heiß hinter der Stirn und in seinen Ohren rauschte es.

»Noch ein Spiel«, ächzte er. »Irgendwann muss ich doch mal gewinnen!«

Parinor stand vom Tisch auf und entgegnete kalt: »Nein. Mit einem Pleitier spiele ich nicht. Da bekomme ich meinen Einsatz niemals wieder. Gute Nacht, Gareth.« Er wandte sich zur Tür.

»Dann spielen wir eben um die Ehre!«, rief Gerwulf ihm heiser hinterher, die kalkweißen Finger in den grünen Filz gekrallt.

Parinor blieb stehen und drehte sich langsam um. Mit leicht gesenktem Haupt und fester Stimme sagte er zum Reichsvogt: »Ehre ist eine teure Währung. Mit Gold könnt Ihr Waffen, Pferde und Söldner kaufen. Aber mit der Ehre eines Mannes habt Ihr Zutritt zu seinem Herzen. Die Ehre vermag zu den prächtigsten Taten zu begeistern. Gerade Ihr als Spross des stolzen Kaiserhauses solltet dies genau wissen.« Parinors Augen funkelten trügerisch.

Ein Frösteln fuhr Gerwulf über den Rücken. Aber in der Aussicht darauf, an diesem Abend endlich ein Spiel zu gewinnen, schob er alle seine Bedenken zur Seite. »Was haltet Ihr von einer Partie vom Söldnerspiel?«

»Gern«, antwortete Parinor langsam nickend. Er mischte sorgfältig die Karten und ließ Gerwulf abheben, der den Geber keinen Augenblick aus den Augen ließ. Die erste Karte, die Parinor aufdeckte und vor sich legte, war die Magierin der Luft. Vor Gerwulf legte er den Knappen des Erzes. »Ihr kennt die Regeln des Spiels, Gareth, aber ich wiederhole sie nochmal, damit wir uns über sie einig sind. Die erste Karte mit dem gleichen Wert wie die eigene Karte führt zum Sieg. Ihr braucht die Knappen, ich brauche die Magier.«

Die nächste Karte, die Parinor vom Stapel hob, war die Zwei des Erzes. »Oh, oh, oh, die Karten haben die Schulden Eures Lehens nicht vergessen. Das Erbe eines Bankrotteurs ist eine wahrlich schwere Last.« Die Sieben des Wasser. »Da seht Ihr es. Die Karten wissen um Eure große Verantwortung gegenüber der Alriksmark.« Der Wahrsager des Erzes. »Nanu? Was sucht denn der Marktplatz hier? Habt Ihr denn etwas zu verkaufen übrig?« Schließlich die Magierin des Feuers. »Das Schlachtfeld spricht also auch dieses Mal für mich. Nichts für ungut, Gareth«, lehnte sich Parinor von Bugenhog genüsslich zurück, »im Spiel zu verlieren schmerzt immerhin niemals so sehr, wie im Kampf zu unterliegen.«

Mit einem entsetzten Blick starrte Gerwulf den triumphierenden Pfalzgrafen an, der die verteilten Karten wieder ordentlich in ihre goldene Schachtel legte. »Und was nun?«

»Ihr wisst ja, Spielschulden sind Ehrenschulden. Ich bin ein Ehrenmann, Gareth, und als Ehrenmann bin ich bereit Euch den letzten Wechsel gegen einen kleinen Gefallen zu erlassen. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, werde ich ihn Euch mitteilen. Ansonsten wird das gesamte Königreich erfahren, was für ein unseliger Spieler der unseligen Bankrotteurin in der Alriksmark gefolgt ist. Euer Onkel Storko wird darüber kaum erbaut sein. Möge Boron mit Euch sein in dieser Nacht, wo es Phex schon nicht ist.«

Nachdem der Pfalzgraf von Bugenhog das Turmzimmer verlassen hatte, stand Gerwulf noch lange Zeit kopfschüttelnd an seinem Platz. Wie hatte er nur wieder ausgerechnet gegen Parinor von Borstenfeld verlieren können?

GG&P-Con 2012 Garetien-, Greifenfurt- und Perricum-Con 2012

Dieser Artikel verweist auf die Handlung des GG&P-Cons 2012.

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Texte der Hauptreihe:
K4. Das Spiel um die Ehre
13. Ing 1035 BF zur nächtlichen Rahjastunde
Das Spiel um die Ehre
Es möge sich finden ein Prinzliches Paar

Kapitel 4

Autor: Hartsteen