In den Zimmern der Villa Ox - Ein Hoch auf die Tradition

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In der Kemenate von Iralda von Ochs, Villa Ox, Kaiserstadt Gareth, Hesinde 1042 BF

„Du hast um ein Gespräch mit mir gebeten?“ Leobrecht von Ochs trat in das Zimmer seiner Schwiegertochter ein. Iralda saß an einer kleinen Sitzgruppe am Fenster und las in staatstheoretischen Büchern und Schriften. Trotz der Geburt, ihr Studium nicht aus den Augen verlierend.

Neben ihr lagen im Stubenwagen ihre beiden Säuglinge Aldare und Hardane. Beide seelenruhig schlummernd.

„Setz Euch doch bitte“ Sie goss ihm einen Tee ein und schob lecker duftendes Gebäck in seine Richtung. Der Reichsvogt strich erst gutmütig seinen Enkeln über den Kopf und küsste Iralda begrüßend auf die Wange, bevor er Platz nahm. Galt er als Reichsvogt auf dem politischen Parkett als harter Hund, so war er privat ein liebevoller Familienmensch.

„Du siehst gut aus. Es freut mich, Dich und die Kinder wohlauf zu sehen.“ Der Reichsvogt platzte innerlich fast vor Stolz, als er auf seine Nachkommen blickte.

„Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Danke, dass ihr meinem Wunsch auf ein Gespräch nachgekommen seid.“

„Was brennt Dir unter den Nägeln? Was kann ich für Dich tun?“

„Ich habe von Eurem Gespräch mit Anaxios gehört? Ist es wahr, er wird die Baronswürde an seinen Sohn Ruben weitergeben?“

„Was Du alles hörst. Ich habe ihn darum gebeten, darüber nachzudenken. Wegen seines magischen Erbes, kann er die Position des Barons zu Viehwiesen nur begrenzt wahrnehmen und wir sind schließlich ein praiosgefälliges Haus.“ Leobrecht erfreute es immer wieder, dass Iralda durchaus gesteigertes Interesse an Politik entwickeln konnte.

„Ich hatte auch den Funken Madas in mir….“

„Ja, Du hattest, nicht hast. Du hast vom Grafen von Hartsteen Deine Baronswürde erhalten und dürftest im vollen Umfang die Amtsgeschäfte selber leiten. Anaxios kann das nicht.“

„Wie stellt Ihr es Euch vor, wenn Ruben Baron von Viehwiesen wird?“

„Er bekommt einen Vogt, bis er den Ritterschlag erhalten hat. Sofern Anaxios diesem Vorgehen zustimmt.“

„Wenn ich die Traditionen des Hauses richtig verstanden habe, ist der Baron von Viehwiesen das Oberhaupt des Hauses Ochs?“

„Ja, so sind die Traditionen…..“ Leobrechts Aussagen hörten sich wie einstudiert an, denn er ahnte was jetzt kommen würde.

„Leobrecht, hier muss ich protestieren. Ein Knabe im Pagenalter kann nicht das Oberhaupt unserer Familie sein. Das wäre politischer Selbstmord. Ihr gedenkt doch wohl nicht auf Eure Stellung zu verzichten?“

„Ich denke, dass solange er den Ritterschlag nicht erhalten hat, wird er nicht in der Lage sein diese Position auszufüllen. Bis zu diesem Tage werde ich dem Hause weiterhin zu Diensten sein und es führen.“ Leobrecht haderte innerlich selber mit sich. Wahrscheinlich würde Boron das Problem in fünfzehn Jahren schon gelöst haben, er war ja selber nicht mehr der Jüngste.

„Gut, so habe ich es erwartet. Dann kommen wir zu meinem eigentlichen Problem. Ihr erwartet von mir, dass ich dann einem zwanzigjährigen Jüngling folge, der wahrscheinlich am Schlunder Grafenhof ausgebildet, nur im geringfügigen Maße die garetische Politik beherrscht?“ Iralda war durchaus bewusst, dass sie hier offen gegen jegliche Traditionen rebellierte.

Leobrecht sammelte seine Worte, wie gut dass die kleine Aldare gerade quengelte. Er nutzte die Gelegenheit, um seine Enkelin auf den Arm zu nehmen, und ein paar Runden durch das Zimmer zu drehen.

„Iralda, Liebes, Du weißt so ist die Tradition. Wir sind ein altes Haus, Traditionen sind wichtig.“

„Traditionen ändern sich. Ihr seid zurzeit unser Oberhaupt und auch nicht Baron auf der Viehwiesen. Warum habt ihr Anaxios bloß in Richtung Heirat und Nachwuchs getrieben? Ihr hättet Eure Linie erstarken lassen können.“

„Anaxios ist ein Magier, er kann keinem Haus vorstehen. Wir sind doch hier nicht im Horasreich oder den Tulamidenlanden, wir sind ehrbare Garetier! Und zu Deinem zweiten Punkt: ich bin zwar gleichfalls Familienvater und möchte nur das Beste für meine Nachkommen, doch ich muss zu allererst auf das Wohlergehen des ganzen Hauses schauen. Weitsichtig und nicht engstirnig sein.“

„…Und dennoch Ihr wart mal Darpaten. Der Stammsitz war nicht immer Burg Ox. Ochsenstein, so hieß doch das erste Lehen des Hauses nicht wahr?“ Iralda bohrte weiter. „Ochsenstein war ein Junkergut. Erst auf Burg Ox wurden wir in den Hochadel erhoben.“ So langsam entwickelte sich eine hitzige Diskussion zwischen der Baronin und dem Reichsvogt.

„Wenn der kleine Ruben seinen Ritterschlag erhält, werde ich über zwanzig Jahre meine Amtsgeschäfte geleitet haben. Und wir wissen Beide, ich sitze in Bärenau nahe der Kornkammer des Reiches, direkt an der Kaisermark. Ich stamme aus einem Adelsgeschlecht, das weiter älter ist, als das Haus Ochs… „

Leobrecht unterbrach Iralda. Gebetsmühlenartig wiederholte der Reichsvogt seinen Standpunkt. „Das Oberhaupt des Hauses Ochs ist der Baron von Viehwiesen.“

„Außer er ist Magier“ moserte Iralda. „Was soll erst Wolfaran sagen, er folgt Euren politischen Fußstapfen und wird sicher mit Sicherheit einen guten Namen und eine gute Position erringen. Soll er sich hinten anstellen? Soll ein Jungspund unsere Geschicke leiten und all das einreißen, was ihr seid Taburs Tod aufgebaut habt? Ruben wird, und das wisst Ihr so gut wie ich, ein Schlunder Hinterwäldler, der nicht ausziehen wird um sich weiterzubilden, denn seine alleinige Aufgabe ist Baron von Viehwiesen zu sein.“

„Iralda, genug ist genug. Der Junge ist noch zu jung, um soweit in die Zukunft zu blicken. Ich verstehe Deinen Unmut und es ehrt mich, dass Du so große Stücke auf mich hältst. Dennoch, wie ich mehrmals schon sagte, Tradition ist wichtig.“ Leobrecht befand sich in einer Zwickmühle. Iralda hatte mit allem Recht, was sie sagte, doch das war gegen die Tradition. Und Tradition war für den Reichsvogt von besonderer Bedeutung.

Iralda nahm seine Hand und schaute ihm beharrlich in die Augen. „Tradition ist wichtig, solange sie nicht Stillstand oder gar Rückschritt bedeutet. Ein starkes Haus ist wichtig und dazu braucht es einen starken Anführer. Mögen die Götter uns hold sein und Ruben zu einem solchen werden lassen. Ansonsten…“

Leobrecht löste seine Hand und legte seinen Finger auf ihre Lippen. „Schhhhhh, es ist meine Aufgabe, das Haus so stabil auszurichten, damit es sich weiter entwickeln kann. Ruben ist ein kluger Junge und er hat Potential, dass man nur in die richtige Richtung stoßen muss. Er ist klug wie sein Vater und charmant wie seine Mutter. Er kann meinen Fußstapfen folgen, wenn wir ihn genug drauf vorbereiten und unterstützen. Wolfaran wird gewiss meinem Wunsch folgen und ich hoffe Du wirst mein Antlitz in Ehren halten, an dem Tag an dem ich sterbe. Das wichtigste ist, dass die Herde zusammenbleibt und sich nicht abspaltet.“ Innerlich haderte er mit seinen ausgesprochenen Worten, würde Wolfaran wirklich seinen Wünschen folgen?

„Ihr seid wie ein Vater für mich und ich kann Euch versprechen, dass ich nichts tun werde, was dem Haus Ochs schadet.“ Wohlwollend lagen die Blicke Iraldas auf denen ihres Schiegervaters.

Leobrecht legte die, nun abermals schlafende Aldare, wieder zurück in die Wiege. Küsste Iralda zum Abschied auf die andere Wange. „Vertrau mir, und bitte dieses Gespräch sollte unter uns bleiben.“

Der Reichsvogt verließ das Zimmer seiner Schwiegertochter. Er konnte ihr nicht böse sein, eigentlich sprach sie nur aus, was er bereits dachte. Doch von klein auf wurde ihm von seiner Schwester Giselda eingeimpft, Tradition ist wichtig. Was für eine Krux.

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Texte der Hauptreihe:
K3. Ein Hoch auf die Tradition
15. Hes 1042 BF
Ein Hoch auf die Tradition
Eine Großpackung Levthanstreu

Kapitel 3

Autor: Treumunde