Im Sturm - einem Graf zu huldigen

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Feste Feidewald, großer Saal, Morgen des 8. Travia 1030 BF

Tanira fühlte sich schwach, doch der reine Willen hielt sie auf den Beinen. Schwer hing das Schwert an ihrer Seite und drückte über den Gürtel auf ihre Wunde, sodass sie von einem permanenten dumpfen Schmerz erfüllt war. ’Wenigstens hat das Pochen aufgehört’ schoss es ihr durch den Kopf, während sie mit Hadrumir, Anselm, einem Praiosgeweihten und Anderen, ihr Unbekannten, auf das Eintreffen des Grafen wartete. Nach einem halben Stundenglas traf dieser dann ein und nahm Platz auf dem erhöhten, prachtvoll gepolsterten Holzstuhl. Mit einem süffisanten Lächeln blickte er herab auf die junge Frau, deren Gesichtszüge bleich und fast fiebrig wirkten. ’Na, wenigstens scheint sie hart genug, um sich wegen einer Verletzung nicht ins Bett zu fliehen.’

Mit einem Nicken gab Geismar dem Praiosgeweihten das Zeichen, neben ihn zu treten.

„Tanira von Natzungen, ihr seit hier erschienen, um den Lehnseid abzulegen. So tretet im Beisein des Geweihten des Götterfürsten vor und nehmt die Huldung vor.“ Geismar lehnte sich bei diesen Worten in seinem Stuhl zurück.

Tanira blickte kurz zu Hadrumir und Anselm und trat dann bis auf einen Schritt an den Stuhl heran. Der Geweihte hob sein Sonnenzepter etwas und Geismar erhob seine Hände ebenfalls – dann begann er mit weit hallender Stimme zu sprechen: „Im Namen der Zwölfgötter, Praios voran, dem das Recht und die Ordnung lieb sind. Wir haben uns versichert, dass Ihr frei und adlig in rechtmäßiger Ehe geboren seid und dass Euch durch Eure Geburt und Eure Fähigkeiten das zusteht, was Ihr fordert. Auch habt Ihr uns versichert, dass Ihr keine Magie anwendet, wie es seit dem Garether Pamphlet Vorraussetzung für die Belehnung eines Adligen ist. Ebenfalls habt Ihr erklärt, dass Ihr keiner der Kirchen der Zwölfe als Geweihte verbunden seid. So fragen wir Euch: Begehrt Ihr, Euch durch Euren Schwur der Gemeinschaft des über die garetischen Lande in Praios Namen herrschenden Adels anzuschließen?“

Tanira antwortete mit fester Stimme „In Praios Namen, das will ich!“

„Ihr begehrt, was groß ist, aber kennt Ihr auch die Pflichten, die Ihr als Baronin erfüllen müsst? Seid Ihr bereit, Ihrer Majestät Königin Rohaja, und mir selbst immer mit Eurem Rat zu helfen, wenn sie oder wir dessen bedürfen? Seid Ihr bereit, Ihrem oder Unserem Ruf mit Euren Bewaffneten zu folgen, wie es die Lehnspflicht gebietet? Werdet Ihr all Eure Fähigkeiten und Euer Leben in den Dienst der Königin und des Grafen stellen, wie es recht und billig ist?“

Tanira runzelte die Stirn und überlegte kurz. Dann zog sie ihr Schwert, kniete vorsichtig nieder und reichte ihr Schwert mit dem Griff voran an den Grafen. „In Praios Namen schwöre ich, Tanira von Natzungen, dass ich meine Lehenspflichten gegenüber dem Land Garetien mit allen meinen Kräften erfüllen will. In Rondras Namen schwöre ich, dass ich meiner Königin Rohaja mit meinen Bewaffneten folgen werde, wenn sie mich zu den Waffen ruft. In Hesindes Namen schwöre ich, ihrer Majestät mit meinem Rat zu dienen, wann immer sie dessen bedarf. Mein Leben und meine Fähigkeiten sollen dem Wohl Garetiens dienen. Mögen die heiligen und ewigen Zwölfe über diesen Schwur wachen, bis ich übers Nirgendmeer ziehe.“

Nun war es an Geismar die Stirn zu runzeln. Da er aber von der jungen Frau keinerlei deutlichen Widerspruch gehört hatte, als er sich selbst mit in die traditionelle Formel aufgenommen hatte, fuhr er mit der Zeremonie fort und legte zusammen mit dem Geweihten die Hände auf die Hände der jungen Frau am Schwert und bekräftigte so den Schwur der jungen Baronin.

Als diese den Schwur beendet hatte, nahmen die zwei Männer die Hände wieder zu sich und Tanira schob leicht zittrig die Waffe zurück in ihre Scheide. Wieder hob Geismar die Stimme: „Ihr habt bei den heiligen und ewigen Zwölfen die Treue geschworen und Treue soll mit Treue vergolten werden.“ Geismar legte seine Hände um die gefalteten Hände, die ihm Tanira nun entgegenstreckte. „Und so schwöre ich Euch unter den Augen der unsterblichen Zwölfe im Namen Garetiens und des Hauses Quintian-Quandt, dass Wir Euch ebenfalls die Treue halten werden. Dass Wir nichts von Euch verlangen werden, was Wir nicht selbst zum Wohle des Landes zu geben bereit sind und dass Wir Euch Schutz und Schirm vor den Feinden der zwölfgöttlichen Ordnung zusichern.“ Er löste seine Hände wieder von den ihren. „So ist ein heiliger Bund der Treue geschlossen worden zwischen dem Königreich Garetien, der Grafschaft Hartsteen und Tanira von Natzungen, wie schon zwischen euren Vorfahren und Verwandten und dem Reichsbehüter Brin, Boron habe ihn selig, unter den Augen der Götter und den Zeugen Eures Standes, wie es seit Raul dem Großen sein soll. Diesen Bund soll keiner brechen, doch so Ihr uns untreu werdet, werdet Ihr des Titels und Lehens verlustig gehen. Wir fordern Euch auf, götterfürchtig, gerecht und weise und Eurer Verantwortung gemäß über Natzungen zu herrschen, welches wir Euch hiermit zum Lehen geben. Doch nun erhebt Euch und seid willkommen in unserer Gemeinschaft, Baronin Tanira von Natzungen.“ Tanira stemmte sich wieder hoch – und stöhnte dann leise auf, als der Graf sie dem Zeremoniell entsprechend umarmte.