Hochzeit auf Dreihügeln - Vor der Feier

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Dreihügeln, Abend des 09. Travia 1036 BF

Baron Adran war mit der Lieferung Bier und einer weiteren Gruppe Grenzjäger nach Dreihügeln gekommen und hatte die Fässer direkt in den Keller verfrachten lassen. Seit seiner Ankunft verließ das Zucken um seine Mundwinkel kaum sein Gesicht, wenn die Perlvögtin seinen Blick auffing. Immerhin hatten seine Grenzjäger bereits damit begonnen, eine Grube auszuheben und eine große Feldküche zu errichten. Das würde die Bauern deutlich entlasten. Einige der Älteren hatten mit ihm zusammen ein Forellenbecken angelegt, das sich zur Zeit füllte. Mit der Angel in der Hand saß er am Wasser und rauchte seine Pfeife, während der Haken eine Hand breit oberhalb des Wassers baumelte. Es tat gut, sich mal wieder außerhalb der Burg zu bewegen, auch wenn es nur ein paar Wegstunden von Schmalfurt entfernt war. Seinen Vogt hatte er schon einige Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen, da dieser in seiner Pflicht als Kommandant der Grenzjäger nur noch selten den Weg zu seiner Hütte fand.

Schmauchend blickte der Baron sich um, seinen Rüden ein paar Meter abseits von sich liegend. Mit der bisherigen Arbeit seiner Perlvögtin hier konnte er durchaus zufrieden sein. Auch ihr Vorschlag bezüglich der Mühle hörte sich vernünftig an, auch wenn er sich nicht sicher war, inwiefern er Yadviga Keilholtz damit in die Hände spielte. Aber es könnte sich rechnen. Doch zufürderst würde er Gramhild mit nahe liegenderen Problemen helfen. Seinem Rauch nachblickend nickte er. Eine Jagd! Das würde die bereits anwesenden Gäste ein wenig beschäftigen und die Vorräte für den Winter aufbessern. Mit sich zufrieden schaute er wieder auf das Wasser und brummte einige unverständliche Worte vor sich hin, die ein aufmerksamer Zuhörer als zufriedenen Brummen interpretieren hätte können.

Dreihügeln, Abend des 12. Travia 1036 BF

Einige Forellen schwammen bereits in dem mit frischem Quellwasser durchströmten Becken, um auf den Tag der Feierlichkeiten zu warten. Eine handvoll Jungbullen hingen seit geraumer Zeit in der Zehntscheune des Junkertums, deren Innereien bereits zu Wurst verarbeitet und in der Hinterkammer des Backhauses geräuchert worden waren. Ihre Bestimmung war es, über der extra ausgehobenen Grube der Grenzreiter-Feldküche gegart zu werden. Morgen in der Frühe würde man sie für den Spieß vorbereiten. Käse und Wurst sowie einige Schinken und reichlich Brot waren bereits vorbereitet worden, um es der Gästeschar an nichts mangeln zu lassen.

Die meisten Gäste waren bereits eingetroffen und mit den letzten rechnete man eigentlich jeden Moment. So hatte der Baron die versammelten Adligen am Morgen aufgefordert, ihn auf eine Treibjagd zu begleiten. Einige - vierbeinige - Schwarzpelze würden hier in der Gegend durch den Wald streifen und sich hervorragend an einer Hochzeitstafel machen, wenn sie denn erst mal erlegt seien. So war man denn losgezogen, hatte einige der Hunde Gramhilds und zusätzliche Treiber mitgenommen und war in die umliegenden Wälder gezogen.

Da die Junkerin sowohl auf dem Pferd als auch auf der Jagd nicht besonders geschickt war, hatte sie dieses Vergnügen ihren Töchtern und den Gästen überlassen und war weiter bei der Organisation der Feierlichkeiten verblieben. Am Nachmittag hatten einige Bauern sie irritiert, die verschiedene Steine aus dem ganzen Dorfe zusammentrugen. Dabei hatten sie damit begonnen, Stücke einer Trockensteinmauer zu entfernen. Als sie schließlich nachfragte, wozu das denn bitte dienen solle, zuckten die Bauern nur mit den Schultern. "Ja, weißt du, Herrin, ein Schmied hat vor vielen Jahren mal für ein Wurfspiel Steine geschlagen. Die waren alle extra abgewogen für die Runden. Und für Männer und Frauen. Wir brauchen die doch sonst nie. Da sind die hier wohl eingebaut worden. Die Zeichen da zeigen das." Die Burschen deuteten auf einige Symbole, die grob in die Steine geschlagen waren und wohl mal die zwölf Götter darstellen sollten. Mit einem Seufzen wendete sich Gramhild wieder anderen Tätigkeiten zu und ließ die Männer weitermachen. Die Mauern konnten auch ein paar Tage warten und liefen wohl kaum fort.

Ausgelassen kam die Gesellschaft am Abend aus dem Wald zurück. Erfolgreich hatte man eine Rotte Wildschweine getrieben und zur Strecke gebracht, was einen Keiler, vier Bachen und ein knappes Dutzend Jungtiere als Beute brachte. Einer der Schäferhunde humpelte zwar schwer und ein weiterer der Treiberhunde war im Wald geblieben, aber alles in allem war man ganz zufrieden mit dem Tage und freute sich auf ein anständiges Dunkelbier aus den Kellern des Gutshauses. Den Transport der Jagdbeute hatte man den Bauern und Jagdhelfern des Barons überlassen, die vor Ort bereits damit begonnen hatten, die Schweine zu zerlegen, um sie einfacher ins Dorfe verbringen zu können.

Der Adel saß bereits im Hofe des Gutshauses beisammen, als sich eine weitere Gesellschaft dem Dorfe näherte. Im Scherz bemerkte einer der Gäste: "Wenn das mal nicht die Greifin höchstselbst ist." Ein Lachen ging durch die Runde, als die Junkerin ein wenig erschrocken um sich blickte und zur Begrüßung der Gäste eilte. Niemand hätte gedacht, dass der Scherz so schnell wahr werden würde!

Im Laufe der folgenden zwei Tage kamen noch viele Berittene und Kutschen, dass die gute Gramhild schon gar nicht mehr wusste, wie sie die Wagen und erst recht die Gäste unterbringen sollte. Zelte wurden aufgestellt, Teppiche und Decken als Lager hergerichtet, abseits des Dorfes wurde von den Grenzjägern eine neue Grube ausgehoben, diesmal nicht zur Feldküche... Kaum dass ihre Ziehmutter am Vorabend der Feier angekommen war, wurde Gramhild ohnehin der Verantwortung enthoben und konnte schlichtend hinter der alten Schroffensteinerin eingreifen, die erst durch die Begegnung mit ihrer Schwester abgelenkt werden konnte.