Hochzeit auf Dreihügeln - Feierlichkeiten

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Dreihügeln, 15. Travia 1036 BF

Nach und nach waren in den letzten Tagen die Gäste angekommen. Baron Adran hatte die Junkerin ihre eigenen Kammern überlassen, damit die junge Familie des Kressenburger Barons die etwas größeren Gästezimmer für hohe Herrschaften nehmen konnten. Alle anderen Edlen waren auf die kleineren Gästezimmer oder verschiedene Bauernhäuser verteilt oder in mit Teppichen und Decken aufgebauten Zelten untergebracht. Die Dorfgemeinschaft selbst war etwas "zusammengerückt", damit all die fremden Gäste eine brauchbare Unterkunft zur Verfügung hatten. Der Laienbruder aus dem nahen Kloster hatte inzwischen die Umsorgung einer von dort angereisten Geweihten übernommen, der bei der Zeremonie zusammen mit Travhelm von Keilholtz den Bund der Brautleute besiegeln sollte.

Auf dem Dorfanger vor dem Gutshaus war also an diesem Morgen ein großer Tisch aufgestellt worden, auf dessen mit einem großen arangefarbenen Tuch bedeckten Oberfläche reichlich mit Gänsefedern und frischen Speisen wie Käsetörtchen, Brot und Braten, aber auch mit Most und Wein aufgedeckt worden war. Travhelm von Keilholtz und die Peraine-Geweihte Mechthild von Nardeshain sollten dort zur Praiosstunde den Traviabund besiegeln. Eine Person fehlte aber noch:

"Ohne Trautmunde mach ich das nicht, Mutter! Sie kommt bestimmt noch! Sie hat mir versprochen, dass sie rechtzeitig da ist und sie hat bisher immer ihr Wort gehalten." Rahjamunde war bereits fertig geschmückt, doch weigerte sie sich die Zeremonie zu beginnen, solange nicht die einzige Freundin da war, die sie bisher je unter Menschen gehabt hatte.

Währenddessen eilte eine junge Frau durch die Felder in Richtung des Gutes Dreihügeln. "Das ist ja wieder so typisch und kann auch nur mir passieren!" schimpfte sie mit sich selbst. Ihre Haare hatte sie zu einem strengen Dutt gebunden, aus dem die ein oder andere widerspänstige Strähne bereits wieder heraus hing. Die junge Frau in den travianischen Farben gekleidet und als Geweihte der gütigen Göttin zu erkennen maschierte strammen Schrittes den Weg entlang, das Dorf war immerhin schon in Sichtweite. Einige Bauern, die die Geweihte sahen, waren kurz sprachlos ob ihrer Schönheit, die zeigte, dass sie auch von der Herrin Rahja sehr gesegnet war. Sie grüßten höflich und die Geweihte lächelte höflich und fröhlich zurück. "Travia zum Gruße, zur Hochzeit geht es dort entlang, richtig?" Ein wenig verwirrt nickten die Bauern. "Ja, Euer Gnaden. Ähm... die fängt auch bald an." Kaum ausgesprochen lief er auch schon knallrot an. Hatte er grade einer Traviageweihten gesagt, sie käme zu spät zu einer Hochzeit? Ein anderer Mann, womöglich sein Vater, gab ihm auch promt einen Klapps auf den Hinterkopf. Gütig lächelnd nickte die junge Geweihte und seufzte. "Ihr habt recht, ich bin spät dran und sollte mich sputen, vielen Dank." Dann eilte sie auch schon im leichten Dauerlauf davon, während die Bauern ihr verdutzt nachsahen. Das hatte man hier nun auch noch nicht gesehen.

Nur ein halbes Stundenglas später versammelte sich die Gästeschar bereits im Hof des Gutshauses. Auch die junge Travia-Geweihte war inzwischen angekommen und hatte sich ein wenig frisch gemacht. Die Geweihtenschaft hatte sich - währenddessen - bereits abgestimmt, wie die Trauungszeremonie zu verlaufen hatte. Die vorherrschende Stimmung konnte man am treffendsten als freudige Erwartung umschreiben.

Rahjamunde, die ältere Tochter der Junkerin und damit einstige Nachfolgerin als Perlvögtin, sollte - in Ermangelung ihres bereits verstorbenen Vaters - von Baron Adran persönlich zum Traualtar gebracht werden. Schon vor den ersten Sonnenstrahlen und dem Hahnenschrei war sie wach gewesen und einige Mägde waren gekommen und hatten begonnen, die junge Dame zu baden, ihr die Haare zu bürsten und sie in die feinsten und edelsten Gewänder zu hüllen, die ihr zur Verfügung standen. So trug sie heute ein rotes Kleid aus feinem Leinen, das an den Seiten mit zahlreichen Ranken und Blüten bestickt war. Vorsichtig hatte man ihre Wangen mit ein wenig Puder betupft und die Lippen leicht mit roter Farbe hervorgehoben, so dass ihre Blässe nur noch vornehmer wirkte. Kunstvoll hatte man ihren Reif, den sie selbst als Gesellenstück gefertigt hatte, in ihre Haare geflochten, die am Hinterkopf in einem hübschen Zopf mündeten, der sich mit spät blühenden Blumen verziert über ihre linke Schulter nach vorn legte. Als der Baron sie so an der Hütte abholte, verneigte er sich leicht vor der anmutig erscheinenden Braut und murmelte einige wohlmeinende Worte über die Schönheit der Jugend, bevor er Rahjamunde seinen Arm anbot.

Die Gäste waren bereits auf dem Dorfplatz versammelt. Zur Schonung der älteren Herrschaften hatte man die Bänke aus der Schankstube des Gutshauses nach draußen gebracht, so dass einige der Gäste wie die Mutter des Bräutigams und Großmutter wie Großtante der Braut, aber auch die Greifin tatsächlich nahe des Traualtares sitzen konnten. Die übrigen Personen hatten sich stehend versammelt und einige Männer standen noch nahe des ebenfalls in seine besten Gewänder gehüllten Herrn, der trotz seines ergrauenden Haares nervös wie ein Schuljunge die Hände hinter dem Rücken gefaltet hatte, um sie nicht ständig zu reiben. Wulfhart von Keilholtz schaute immer wieder zu dem Hause, in dem er seine Angebetete wusste, hatte sie aber in den letzten Tagen seit ihrer Ankunft kaum zu Gesicht bekommen. Zwar hatte man ihm erklärt, dass er sie vor der Heirat zwei volle Tage nicht sehen dürfte, sonst verhieße das Unglück, doch war es ihm - zu seiner eigenen Überraschung - zunehmend schwer gefallen, je näher der Tag ihres Bundes rückte.

Nun aber wurde Rahjamunde zu ihm geführt. Seine Söhne Ardo, Rondwin und Firnward zogen sich ein wenig zurück, um den anderen Gästen ebenfalls einen guten Blick als Zeugen dieses Traviaschwurs zu ermöglichen. Die Geweihten Travhelm und Mechthild hielten trotz der kurzen gemeinsamen Vorbereitungszeit eine wundervolle Rede und legten gemeinsam zur Segnung ihre Hände auf die Schultern der Brautleute und sprachen: "Möge Euer Bund den Göttern wohlgefällig sein, dass ihr Euch stets verbunden fühlt und einander achtet. Möge die Herrin TSA euren Bund mit Kindern segnen und ihr beide Glück und Zufriedenheit in der gemeinsamen Zukunft finden." Nach diesen Worten brach ein großer Jubel unter den Gästen und Dörflern aus und ohne Rücksicht auf Formalitäten konnte Rahjamunde sich nicht mehr halten und schlang die Arme um ihren Mann und küsste ihn vor allen Anwesenden mitten ins Gesicht!

In ausgelassener Stimmung saßen die Gäste beim Essen und genossen die ihnen aufgetragenen Gänge. Immer wieder kam es zwischen den einzelnen Speisen zu kurzen Phasen der Aktivität. So wurde nach Suppe und Fisch zum Steinstoßen aufgefordert. Die Regeln dieses Spiels waren denkbar einfach: Man nahm einen Stein, stieß ihn möglichst weit und trank dann einen Schnaps. Jede Runde wurden die Steine schwerer und die Teilnehmer heiterer. Wer am häufigsten schaffte, den Stein am weitesten zu werfen, gewann.

Nachdem Baron Adran, der älteste Bauer und einer der Gäste - die Wahl fiel auf Baron Greifwin - gemeinsam die jeweils gekennzeichneten Steine der unterschiedlichen Gewichtsklassen mittels einer Waage auf ihre Gleichheit überprüft worden waren, nahmen alle Beteiligten einen Stein und stellten sich in einer Reihe auf. Seitlich dazu stellte sich Adran von Schmalfurt, der als Schiedsrichter fungierte. Selbstverständlich bekam er auch seinen Schnaps! Doch zur Sicherheit seiner Füße hatte er sich seine Kettenschuhe angezogen. Es konnte ja mal zu Querschlägern kommen. Das hatte bereits sein Vater so gehandhabt, sicher ist sicher.

Währenddessen schlossen sich Grüppchen von Zuschauern zusammen, die über die Steine, die Wurftechniken und das Trinkvermögen der Teilnehmer fachsimpelten, allen voran Yadviga und Ingrimma Keilholtz, denen keiner der Kandidaten gut genug erschien. [Hier fehlt eine Stattler & Waldorff - Episode] Nachdem die Hohen Herrschaften geendet hatten, durften die Knappen sich ebenfalls messen. Diese erhielten aber zu deren Enttäuschung lediglich Most statt dem Obstbrand.

Einige Gänge später wurde wieder eine Unterbrechung eingeschoben, diesmal um sich dem traditionellen Pöhlches-Spiel zu widmen. Auf der großen Wiese hinter dem Haus konnten die Gäste auch ihr Geschick im Bogenschießen messen. Zudem war außerhalb des Dorfes eine Strecke abgesteckt worden, auf der am Nachmittag ein Hunderennen stattfand. Die robusten Alt-Greifenfurter der Perlvögtin überragten hier haushoch gegen die übrigen Dorfhunde, was am Ende in einer wilden Keilerei endete. Nicht wenige Tiere humpelten anschließend zu ihren Herren zurück, einschließlich der schwarzen Tiere Gramhilds. Doch wer solch eine Rauferei nicht vertrug, der taugte auch nichts im Alltagsgeschäft.

Zahlreiche Geschenke wurde überreicht, die das Brautpaar in Staunen versetzten und ihre Verbundenheit mit den Gästen betonte. Neben den Köstlichkeiten der Hochzeitstafel, die von vielen Seiten mitgebracht worden waren, wie der Finterkammer Obstler von Yadviga Keilholtz oder das Ferdoker vom Rahjamundes altem Lehrmeister konnten sie sich noch über viele weitere reiche Gaben erfreuen. Doch das größte Geschenk sollte noch folgen.